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US-Geldmarkt: Erholung deutlich beschleunigt


18.05.20 09:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den USA startet die langsame Rückkehr zur Normalität, haben doch nun bereits mehr als die Hälfte der Bundesstaaten erste Restriktionen gelockert beziehungsweise stehen diese unmittelbar bevor, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

In Kalifornien und New York werde die Ausgangssperre jedoch noch länger anhalten. Gesundheitsexperten würden vor verfrühten Lockerungen warnen, sei das Erreichen der Kriterien des Wiederöffnungsplan in vielen Bundesstaaten doch fraglich.

An Konjunkturdaten stünden diese Woche Stimmungsindikatoren im Fokus, insbesondere die Schnellschätzung der Einkaufsmanagerindices (PMIs) für den Monat Mai. Bereits im April hätten die PMIs deutlich nachgegeben, als der Dienstleistungs-PMI auf 26,7 Punkte und der PMI für das Verarbeitende Gewerbe auf 36,1 Punkte zurückging. Ein weiterer Rückgang könne nicht ausgeschlossen werden, dennoch würden die Analysten der RBI Anzeichen einer Bodenbildung als wahrscheinlicher halten. Neben PMIs werde auch der Philly FED Index veröffentlicht. Ansonsten würden einige Indikatoren zum US-Immobilienmarkt veröffentlicht. Rückblickend sollte die Inflation für den Monat April erwähnt werden. Hier habe sich neben dem deutlichen, aber zu erwartenden Rückgang der Headline-Inflationsrate auf 0,3% ein überraschend starker Rückgang der Kernrate gezeigt. Diese sei auf 1,4% p.a. gesunken und maßgeblich durch die Komponenten Bekleidung (-5,7%) und Transportdienstleistungen (-5,5%) getrieben gewesen. Lebensmittel (4,1%) und medizinische Dienstleistungen (5,8%) hätten dagegen eine positive Preisdynamik gezeigt.

Am Rentenmarkt dominiere das Thema negativer Leitzinsen. Federal Funds Futures würden eine effektive Federal Funds Rate von knapp unter 0% ab Juni 2021 preisen. Es wäre dennoch verfrüht diese Entwicklung als aktive Wette auf eine Zinssenkung der FED zu interpretieren, würden sich Mitglieder des FOMC doch recht deutlich gegen diese Option in Stellung bringen. Powells Rede am PIIE (Peterson Institute for International Economics) habe dies eindringlich verdeutlicht, indem er habe betont, auf bestehende Instrumente wie Forward Guidance und Anleihekäufe zurückgreifen zu wollen. Negative Leitzinsen seien in den USA kein angemessenes geldpolitisches Instrument und die Evidenz von deren Effektivität sei gemischt, so Powell. Diese Woche werde das Sitzungsprotokoll der April FOMC Sitzung veröffentlicht und Powell trete gemeinsam mit Finanzminister Mnuchin vor den Bankenausschuss des US-Senats.

Am Geldmarkt habe sich die Erholung zuletzt deutlich - und stärker als von den Analysten der RBI erwartet - beschleunigt. Der 3-Monats USD LIBOR liege nun nahe 0,4%, da sich die Liquiditätsengpässe im Commercial Paper (CP) Markt beruhigt hätten. Der CP-OIS Spread betrage nun 1 BP für Financials und 17 BP für Non-Financials (AA Rating).

Der Treasury-Primärmarkt sei von einer regen Emissionstätigkeit geprägt und diese Woche werde die erste 20-jähirge Anleihe seit 1986 emittiert (Volumen: USD 20 Mrd.). Die letzten Auktionen (3J: 64 Mrd., 10J: 49 Mrd., 30J: 34 Mrd.) hätten eine solide Nachfrage mit Bid-Cover Ratios von über 2 gezeigt. (Ausgabe vom 15.05.2020) (18.05.2020/alc/a/a)