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USA mit höchster Inflation seit 1982


14.01.22 09:45
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die zehnjährigen Bund-Renditen kratzten in den vergangenen Tagen zwischenzeitlich an der Null Prozent-Marke, konnten aber diese, seit 2019 nicht mehr überschrittene Schwelle, nicht erreichen, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank.

Dabei hätte die auf 7,0% bzw. 5,0% gestiegene Inflation in den USA bzw. in der Eurozone durchaus Anlass für einen noch ausgeprägteren Renditeanstieg gegeben. Aber auch an anderer Stelle passe nicht alles in ein Erklärungsmuster. So habe der Euro gegenüber dem US-Dollar, nachdem er sich drei Monate lang in der Nähe der 1,13er Marke aufgehalten habe, innerhalb von drei Tagen einen Sprung auf deutlich über 1,14 gemacht (Näheres dazu im FX-Artikel), obwohl die FED schon ab März die Zinsen anheben könnte.

Der Inflationsanstieg in den USA habe eine historische Dimension, denn zuletzt habe die Teuerungsrate 1982 über der Marke von 7% gelegen. Paul Volcker, der damalige Notenbankpräsident, habe zuvor begonnen, mit kräftigen Zinserhöhungen die Inflation zu bekämpfen.

Powell werde nicht so radikal wie Volcker reagieren, aber die Notenbank lasse überhaupt keinen Zweifel mehr daran, dass die Inflationsbekämpfung absolute Priorität habe. Powell habe sich am Dienstag den Fragen des Bankenausschusses des Senats stellen müssen und habe hier einige ziemlich klare Aussagen getroffen. Erstens werde es zu mehreren Zinserhöhungen in diesem Jahr kommen, in FED-Kreisen gehe man wohl eher von vier als nur von drei aus, zweitens werde man vermutlich noch in diesem Jahr mit dem Abbau des Bilanzvolumens starten und drittens werde man hier wesentlich aggressiver vorgehen als 2014, als man die Bilanz in anderthalb Jahren lediglich um 150 Mrd. US-Dollar abgeschmolzen habe.

Für Aufsehen habe auch eine Rede von EZB-Ratsmitglied Isabel Schnabel gesorgt. Sei Schnabel bis vor kurzem noch dem Feld der Fraktion derjenigen zuzuordnen gewesen, die hätten "die Inflationsangst ist übertrieben" gesagt, habe Schnabel in ihrem Vortrag die Risiken für die Inflation durch Klimaschutzmaßnahmen betont. Konkret sei es um die Frage gegangen, wie die EZB damit umgehen sollte, wenn es durch die Klimapolitik und die CO2-Bepreisung zu anhaltenden Preissteigerungen komme. Normalerweise sei es die Politik von Notenbanken, den Anstieg von Energiepreisen als vorübergehend einzuordnen, weswegen die monetären Autoritäten gerne auf die Kernrate der Inflation schauen würden, in der Energiepreise ausgeblendet würden.

Aber jetzt könnte nach Ansicht von Schnabel die Situation anders sein, weil eine langwierige Anpassung des Energiemixes stattfinde und Preise dadurch über mehrere Jahre steigen könnten. Das könnte die Inflationserwartungen beflügeln, wodurch dann die EZB zum Handeln gezwungen wäre, so Schnabel.

Aus der Rede werde nicht ganz klar, ob man daraus schließen könne, dass die EZB wie die FED auch über das Vorziehen der Zinserhöhungen nachdenke. Dagegen spreche einerseits, dass die Rede als eine Art Grundsatzdiskussion aufgefasst werden könne, andererseits habe Schnabel auch gesagt, dass eben diese Überlegungen ein Grund gewesen seien, warum man mit dem Abschmelzen der Anleiheankäufe begonnen habe.

In Bezug auf Omikron habe sich insgesamt eine größere Gelassenheit durchgesetzt. Ob diese durchgehend gerechtfertigt sei, scheine noch nicht ganz klar zu sein. Insbesondere die Zahlen aus den USA seien beunruhigend. Dort steige die Zahl der Corona-Patienten, die auf der Intensivstation lägen, steil an und reiche mit 73 pro eine Million Einwohner allmählich an den Rekordwert von 87 pro eine Million Einwohner heran, den man im Januar 2021 habe verzeichnen müssen. Wenn sich dies fortsetze, wäre das mit Wachstumsrisiken verbunden, auch wenn sich die US-Wirtschaft bislang überraschend resilient gezeigt habe.

Eine konjunkturelle Relevanz könnte die Ankündigung der BaFin haben, ab dem 1. Februar 2023 den antizyklischen Kapitalpuffer zu aktivieren und für Wohnimmobilienkredite zusätzliches Eigenkapital zu verlangen. Der antizyklische Kapitalpuffer sei als Instrument nach der Finanzmarktkrise eingeführt worden, um die Kreditvergabe in Boomzeiten zu bremsen und in Krisenzeiten anzuregen. Derzeit liege der antizyklische Kapitalpuffer vor dem Hintergrund der Coronakrise bei 0%, jetzt solle er auf 0,75% der risikogewichteten Assets angehoben werden.

Zusätzlich dazu werde für Kredite, die mit Wohneigentum abgesichert seien, ein Puffer von 2% eingeführt. Das entspreche insgesamt 22 Mrd. Euro an Eigenkapital. Die BaFin habe berechnet, dass die Banken 165 Mrd. Euro mehr Eigenkapital hätten, als sie rein regulatorisch vorhalten müssten, d.h. es sollte für die Banken kein größeres Problem sein, diese Vorgaben zu erfüllen. Dennoch könnte die Kreditvergabe durch diese Vorgaben etwas gebremst werden, ohne dass die Analysten allerdings eine nennenswerte konjunkturelle Beeinträchtigung erwarten würden. (Ausgabe vom 13.01.2022) (14.01.2022/alc/a/a)