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Die USA haben jetzt ein Inflationsproblem


11.11.21 10:45
Degussa Goldhandel

München (www.anleihencheck.de) - Im Oktober 2021 ist die Inflation der US-Konsumgüterpreise auf 6,2 Prozent gestiegen von zuvor 5,4 Prozent im September und 5,2 Prozent im August, so Chefvolkswirts Dr. Thorsten Polleit der Degussa Goldhandel.

Der monatliche Anstieg (saisonbereinigt) habe 0,9 Prozent im letzten Monat betragen (und entspreche einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 11,4 Prozent). Ohne Nahrungsmittel und Energie gerechnet, seien die Konsumgüterpreise um 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Man sollte nicht meinen, jetzt sei die Preisinflation plötzlich da. Sie sei vielmehr schon lange vorher da gewesen, und zwar vor allem in den Vermögensmärkten: Die Preisinflation habe sich hier in stark steigenden Preisen für Aktien, Unternehmen, Anleihen, Häusern, Grundstücken etc. gezeigt. Doch diese "Vermögenspreisinflation" sei (und werde) geflissentlich übersehen, ignoriert oder kleingeredet, als akzeptabel angesehen worden - obwohl sie die Kaufkraft des Geldes genauso herabsetze wie Konsumgüterpreisinflation.

Nun aber sei die Preisinflation für alle "sichtbar" geworden: Sie erfasse die Güter des täglichen Bedarfs und die Menschen würden das schmerzlich beim Einkaufen bemerken. Die Frage lautet: Sei die erhöhte Inflation nur "vorübergehend", flaue sie also (bald) wieder ab? Oder sei sie gekommen um zu bleiben? Diese Fragen würden sich wohl nur beantworten lassen, wenn man auf die (Kern-)Ursache der Güterpreissteigerungen blicke.

Die US-Zentralbank habe die die Geldmenge M2 seit Anfang 2020 um etwa 36 Prozent ausgeweitet. Dadurch sei ein gewaltiger "Geldmengenüberhang" von schätzungsweise 20 Prozent entstanden; er markiere das bereits aufgelaufene Preissteigerungspotential. Dieser Überhang wachse allerdings aktuell sogar noch weiter an, weil die US-Zentralbank (FED) die Geldmenge mit knapp 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr ausweite.

Der gestiegene Kostendruck (bei Transport, Energie, Baumaterialien etc.), der durch die politisch diktierte Lockdown-Krise ausgelöst worden sei, bilde den Nährboden, auf dem sich der Geldmengenüberhang in steigenden Konsumgüter- und/oder Vermögenspreisen entladen könne.

Es sei damit zu rechnen, dass die Preisinflation der US-Konsumgüterpreise in den nächsten zwei, drei Jahren deutlich höher ausfallen werde als die 2-Prozentmarke, die bisher als Zielgröße hochgehalten worden sei, und das die FED das auch zulasse, es willentlich herbeiführe.

Es lasse sich allerdings nicht mit Gewissheit sagen, in welcher Intensität der Geldmengenüberhang sich in Konsumgüter- und/oder Vermögenspreisen niederschlagen werde. Hohe Steigerungsraten der Konsumgüterpreise (unter Schwankungen) von 4 bis 6 Prozent in den kommenden zwei, drei Jahren schienen durchaus plausibel zu sein.

Das Ansteigen der Preisinflation in den USA werde den Rest der Welt nicht unberührt lassen. Im Euroraum stünden die Zeichen ebenfalls längst auf weiter anziehende Güterpreisinflation beziehungsweise zunehmenden Euro-Kaufkraftschwund: Die FED, die die Marschrichtung für alle anderen Zentralbanken vorgebe, exportiere ihre Inflationspolitik.

Die Preisinflation sei keine Naturkatastrophe. Sie sei vielmehr von Menschenhand gemacht. Derzeit werde sie von den Zentralbanken bewusst in die Höhe getrieben - um Schulden zu entwerten und vor allem strauchelnde Staaten und Banken, das Wirtschafts- und Politikgebäude vor dem Zusammenbruch zu bewahren; dazu komme die Inflationssteuer zum Einsatz.

Die große Herausforderung für Anleger sei es, dem Kaufkraftverlust des Geldes - USD, Euro & Co - zu entkommen. Eine (unter vielen) Möglichkeit sei, auf physisches Gold und Silber zu setzen; die Gründe habe Degussa Goldhandel erst jüngst wieder dargelegt, und sie sollten hier nicht wiederholt werden. Betont werden solle nur, dass Degussa Goldhandel die Gründe, physisches Gold und Silber zu halten, auch weiterhin für Langfristanleger als sehr überzeugend ansehe.

Aufgrund der am 10. November 2021 veröffentlichten US-Inflationszahlen sei es zu dem erwarteten Ausbruch des Goldpreises über den dreifachen Widerstandsbereich bei etwa 1.833 bis 1.835 USD/oz gekommen. Damit sei der mittelfristige Abwärtstrend, welcher sich seit den All-Time-Highs (Q3 2020) etabliert habe, nach oben durchbrochen worden.

Es könne kurzfristig zwar noch zu einem Re-Test des Ausbruchsniveaus bei 1.833-35 kommen, jedoch sei der Weg grundsätzlich für einen weiteren mittelfristigen Goldpreisanstieg frei, so dass die nächste Widerstandszone bei ungefähr 1.920 USD/oz in Angriff genommen werden könne. Ein folgender wichtiger Widerstandsbereich liege danach bei etwa 1.966 USD/oz.

Insgesamt habe sich damit aus markttechnischer Sicht eine positive "Großwetterlage" für einen weiteren langfristigen Goldpreisanstieg eingestellt. (11.11.2021/alc/a/a)