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USA: Zinsanstieg beunruhigt


08.10.18 12:30
Deutsche Bank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Zahl der neu geschaffenen Stellen in den USA, die gestern für den vergangenen Monat bekannt gegeben wurde, lag mit 134.000 deutlich unterhalb der allgemeinen Erwartungen und betrug in etwa nur die Hälfte des August-Niveaus, berichtet die Deutsche Bank AG in einer aktuellen Ausgabe "MÄRKTE am Morgen".

Dies habe zwei Gründe gehabt: Zum einen sei der August-Wert kräftig nach oben, auf 270.000, revidiert worden. Zum anderen habe Hurrikan "Florence" verhindert, dass der September einen ähnlich hohen Beschäftigungszuwachs habe ausweisen können, wie dies in den vorangegangenen Monaten der Fall gewesen sei. Von Finanzmarktteilnehmern sei der Rückgang allerdings keineswegs als Beginn einer Schwächephase empfunden worden. Ganz im Gegenteil, Akteure würden auch weiterhin von einem kontinuierlich hohen US-Wachstum und somit von einem stetigen Beschäftigungsanstieg ausgehen. Entsprechend hätten sie die niedrige Arbeitslosenquote gelobt, die auf 3,7 Prozent - den tiefsten Wert seit fast 50 Jahren - gesunken sei. Zweifel an der strukturellen Stärke der US-Wirtschaft habe der Arbeitsmarktbericht also beileibe nicht geweckt.

Es sei aber ohnehin weniger die Zahl der neu geschaffenen US-Jobs gewesen, die Händler und Investoren am Freitag im Visier gehabt hätten. Ihr Hauptaugenmerk habe vielmehr der Lohnentwicklung gegolten, was insbesondere mit der Furcht vor schneller steigenden US-Zinsen zusammengehangen habe, die im Laufe der vergangenen Woche spürbar gewachsen sei. Die inflationsbereinigten Stundenlöhne hätten im September um 0,3 Prozent zugelegt und damit um 2,8 Prozent über dem Wert des Vorjahresmonats gelegen. Im August habe dieser Wert jedoch noch bei 2,9 Prozent gelegen. Von dieser Seite seien also keine störenden Effekte gekommen. Dennoch seien die Renditen zehnjähriger US-Anleihen am Freitag auf ein neues Sieben-Jahres-Hoch geklettert. Der US-Arbeitsmarktbericht habe zwar keine Hinweise auf eine Beschleunigung des laufenden Zinserhöhungszyklus geliefert, Entwarnung hätten die Job-Daten aber genauso wenig gegeben.

Ohnehin sei Marktteilnehmern bewusst, dass sich das lange Ende der US-Zinskurve nicht zwangsläufig von Manövern beeinflussen lasse, die die FED im kurzfristigen Zinsbereich vollziehe. Daraus mache selbst die US-Notenbank keinen Hehl. Dass Marktakteuren die Zinsperspektive derzeit wichtiger sei als die Währungsentwicklung, habe sich am Freitag beobachten lassen: Die Job-Daten hätten auf den US-Dollar keine florierende Wirkung gehabt. Der Euro habe sich gegen den Greenback den zweiten Tag in Folge behauptet. Ein kurzfristiger Abwärtstrend würde wie gehabt nur drohen, wenn die 1,1450/55er Marke fallen sollte. (08.10.2018/alc/a/a)