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USA: Wortmeldungen von FOMC-Mitgliedern lassen Zinsschritt im Dezember erwarten


02.10.17 10:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den kommenden Tagen stehen mit dem ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe und dem Arbeitsmarktbericht zwei Veröffentlichungen mit hoher Marktrelevanz am US-Datenkalender, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die bisher vorliegenden regionalen Umfragen hätten im September ihr hohes Niveau gehalten (New York FED, Kansas City FED) bzw. seien von erhöhtem Niveau teils deutlich weiter gestiegen (Philly FED und Richmond FED). Die Analysten der RBI gehen daher davon aus, dass auch der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe sein hohes Niveau vom August in etwa gehalten hat. Negative Auswirkungen der Hurrikans Harvey und Irma erwarten die Analysten der RBI nicht. 2005, als die Hurrikans Katrina und Rita etwa zur gleichen Zeit die USA erreicht hätten, habe der ISM-Index sogar deutlich zugelegt.

Dagegen dürften die Wirbelstürme deutlich Spuren bei den Arbeitsmarktdaten hinterlassen. Die Beschäftigung habe zwischen Juni und August durchschnittlich um 185.000 pro Monat zugenommen. Im September dürfte das Ergebnis wegen der Hurrikans Harvey und Irma, die weite Teile Texas und Floridas verwüstet hätten, deutlich schlechter ausfallen. Beispielsweise habe sich der Wochenschnitt der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe im September auf 278 Tsd. von 237 Tsd. im August erhöht. Es sei aber schwer abzuschätzen, wie stark die Auswirkungen auf die Beschäftigung genau seien.

Die Analysten der RBI behelfen sich daher mit dem Blick auf den September 2005. Damals hätten die Hurrikans Katrina und Rita die Südküste der USA heimgesucht. In der Folge sei die Beschäftigung im September 2005 gegenüber August einer ersten Schätzung nach sogar um 35.000 zurückgegangen. Die Analysten der RBI setzen für die Beschäftigung im September daher eine Stagnation an. Die Arbeitslosenquote sei im September 2005 um 0,2 Prozentpunkte auf 5,1% geklettert. Da die Quote im August 2017 schon bei 4,44% gelegen habe, würden die Analysten einen Anstieg auf 4,6% ansetzen. Die durchschnittlichen Stundenlöhne dürften nichtsdestotrotz um 0,3% p.m. gestiegen sein.

Die US-FED habe sich in den letzten Tagen mehr Gehör verschaffen können. Nachdem vor der Zinssitzung Mitte September der Markt die Wahrscheinlichkeit für eine Leitzinsanhebung Ende des Jahres bei nur rund 20% gepreist habe, sei diese Einschätzung seither sukzessive nach oben geschraubt worden und liege nunmehr bei rund 75%. Immerhin würden auch die Wortmeldungen von FOMC-Mitgliedern in der abgelaufenen Woche in Summe einen nächsten Zinsschritt im Dezember erwarten lassen. Neben der Neubewertung des Leitzinsausblicks habe das Comeback des "Trump Trade" zu einem Anstieg der Rendite von US-Staatsanleihen geführt. Nach dem überraschenden Wahlsieg von Trump stellte sich der Markt auf eine expansive Fiskalpolitik ein, was die Rendite von US-Treasuries stark steigen und den US-Dollar deutlich aufwerten ließ, so die Analysten der RBI. Ab März dieses Jahres sei jedoch angesichts der Amtsführung von Trump Ernüchterung eingekehrt. Mit der Vorstellung der Steuerpläne sei zuletzt jedoch Hoffnung aufgeflackert, dass zumindest dieses Vorhaben nicht gänzlich scheitere.

Das Weiße Haus habe in der abgelaufenen Woche das lang erwartete "historische" Steuerkonzept vorgelegt. Allerdings handle es sich eher um eine Ansammlung bereits seit langem bekannter Wünsche und Absichten. So solle beispielsweise die Zahl der Einkommensteuersätze von sieben auf drei sinken: 12%, 25% und 35%. Der Grundfreibetrag solle für Alleinstehende auf USD 12.000 und für Paare auf USD 24.000 verdoppelt werden.

Laut Entwurf sollten von der Reform vor allem Steuerzahler aus der Mittelschicht profitieren. Ob das tatsächlich so sei, sei aber fraglich. Im Zuge der Reform sollten nämlich fast alle bisher ansetzbaren, die Steuerlast mindernden Abzugsposten gestrichen werden. Vor allem für kinderreiche Familien und Steuerzahler in Bundesstaaten mit einer hohen Einkommensteuer auf Bundesebene könnte die Steuerbelastung am Ende daher höher ausfallen als bisher. Genau lasse sich das aber noch nicht beurteilen, da der Steuerentwurf viele Detailfragen offen lasse. Sicher profitieren würden aber die obersten Einkommensbezieher. Der Entwurf sehe neben der Senkung des Spitzensteuersatzes auch die Abschaffung der Grunderwerbssteuer sowie der Erbschaftssteuer vor. Laut Gary Cohn, dem wichtigsten Wirtschaftsberater von Präsident Trump, solle die jährliche Entlastung für einen durchschnittlichen Steuerzahler zwischen USD 650 und USD 1.000 liegen. Völlig offen sei dabei, wie die steuerlichen Entlastungen finanziert werden sollten. Momentan sehe es nach steigenden Staatsschulden aus. (Ausgabe vom 29.09.2017) (02.10.2017/alc/a/a)