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USA: Wie geht es mit der Geldpolitik weiter, wenn die Erholung am Arbeitsmarkt anhält?


22.02.21 09:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die US-Notenbank verfolgt bekanntlich drei Ziele, so Tobias Basse und Bernd Krampen von der NORD/LB.

Sie solle für eine günstige Beschäftigungssituation, eine nicht zu hohe Inflationsrate und ein angemessenes Kapitalmarkzinsniveau in den Vereinigten Staaten sorgen. Diese Ziele der Notenbank würden sich natürlich überschneiden und es könne auch daher zu Zielkonflikten kommen. Dabei habe Zentralbank vom Gesetzgeber keine Prioritäten bei der Erfüllung ihrer Ziele ins Stammbuch geschrieben bekommen. Operativ seien aus einer historischen Perspektive betrachtet vor allem die ersten beiden Ziele von Bedeutung für die US-Notenbank. Da zudem die Inflation seit einiger Zeit kein Problem für die Wirtschaft der USA dargestellt habe, liege der Fokus der FED-Offiziellen inzwischen vor allem auf dem Beschäftigungsziel. In der Coronavirus-Krise habe es hier in der Tat große Herausforderungen für die US-Geldpolitiker gegeben, auf die man dann aktiv und recht offensiv reagiert habe.

Inzwischen beginne sich die Lage am Arbeitsmarkt der Vereinigten Staaten aber klar zu verbessern, was zunächst den Handlungsdruck auf das FOMC dämpfe und perspektivisch eine Diskussion bezüglicher eines Einstiegs in eine Normalisierung der Ausrichtung der FED-Geldpolitik auslösen werde. Für Letzteres sei die Zeit aber eindeutig noch nicht gekommen; die Beschäftigungssituation präsentiere sich dafür noch nicht erfreulich genug. So seien im Januar lediglich 49.000 neue Jobs entstanden. Dies habe zwar eigentlich im Rahmen der Erwartungen gelegen, einige interessierte Beobachter hätten ihre Einschätzung jedoch im Laufe kurz vor der Meldung der Daten nach den Zahlen zur Beschäftigungskomponente des ISM PMI Manufacturing und zu anderen Indikatoren vom US-Arbeitsmarkt angepasst und seien somit letztlich von positiveren Daten ausgegangen.

Zudem seien unerfreuliche Revisionen an der Zeitreihe vorgenommen worden. Damit müsse also schon von einer negativen Überraschung gesprochen werden. Immerhin sei die Arbeitslosenquote U3 am aktuellen Rand auf 6,3% gefallen - in der Abgrenzung U6 habe sich im Januar ein Wert von 11,1% gezeigt. Hier rücke also die Marke von 10%, die in 2015 im Fokus gestanden habe, langsam aber sicher ins Blickfeld. "Den" US-Arbeitsmarkt gebe es ohnehin nicht. In den einzelnen Bundesstaaten würden sich derzeit sehr unterschiedliche Entwicklungen zeigen. In South Dakota scheine die Krise mit Blick auf die Beschäftigungssituation inzwischen beispielsweise bereits überwunden zu sein.

Damit stelle sich die Frage, wie es mit der FED-Geldpolitik weitergehe, wenn die Erholung am US-Arbeitsmarkt auch weiterhin anhalte (wovon wohl auszugehen sei). Im Jahr 2021 dürfte das FOMC nach aktuellem Informationsstand keine Diskussionen bezüglich einer weniger laxen Ausrichtung der Geldpolitik im Land der unbegrenzten Möglichkeiten wünschen. Auch in 2022 würden sich im zentralen Entscheidungsgremium der US-Notenbank wohl keine Mehrheiten für eine Leitzinsanhebung finden. Ab dem Jahr 2023 könnte es dann spannender werden. Interessant sei in diesem Kontext, dass das jüngst veröffentlichte Protokoll zur letzten FOMC-Sitzung recht positive Einschätzungen zur Wirtschaftslage in Nordamerika enthalte. In diesem Kontext müsse auch die Inflationsentwicklung genau im Auge behalten werden. Der inzwischen zu beobachtende Anstieg der US-Kapitalmarktzinsen, der die Rendite von Treasuries mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren beispielsweise über die Marke von 1,20% gehievt habe, sei sicherlich auch eine Konsequenz von zumindest mittelfristig bei einigen Anlegern schon vorhandenen Inflationssorgen.

Noch präsentiere sich die Inflation in den Vereinigten Staaten aber recht zahm. Die Jahresrate der Konsumentenpreise notiere im Januar mit 1,4% beispielsweise voll im "grünen" Bereich. Manche US-Notenbanker würden sich aktuell sogar einen etwas deutlicheren Anstieg bei dieser Zeitreihe wünschen. Inflation ist in den USA folglich kein akutes Problem - und auch perspektivisch sehen wir an dieser Stelle keine Notwendigkeit, wirklich katastrophale Szenarien in den Fokus zu rücken, so die Analysten der NORD/LB. Beispielsweise dürfe die Bedeutung des klaren Anstiegs der Preiskomponente (die so genannten "Prices Paid") des ISM PMI Manufacturing in diesem Kontext nicht überbewertet werden. Die jüngsten Zahlen zu den US-Produzentenpreisen würden zwar einen überraschend deutlichen Zuwachs anzeigen, der gut mit den Entwicklungen bei den ISM PMI Manufacturing kompatible sei, dies sei zunächst aber nur ein kleiner Mosaikstein, dessen Bedeutung nicht überinterpretiert werden sollte.

Zudem gebe die neue Strategie der Notenbank in Washington die Möglichkeit, auch bei einem stärkeren Preisauftrieb zunächst noch kein signifikanten Schwenk bei der US-Geldpolitik einzuleiten. Jahresraten im Bereich von 3% seien für die überwiegende Mehrzahl der hochrangigen Offiziellen der Federal Reserve bei den Konsumentenpreisen ohnehin kein Problem. Mit Blick auf den globalen Rentenmarkt sei aber wohl auch eine Sache völlig klar: Deflationsszenarien, die zwischenzeitlich wohl schon von Relevanz gewesen seien, hätten beim Blick auf die Ökonomie der Vereinigten Staaten inzwischen ihren Schrecken verloren. Dieses Faktum sollte die aktuellen Entwicklungen an der US-Zinsfront weitgehend erklären können. (Ausgabe März 2021) (22.02.2021/alc/a/a)