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USA: Wenn selbst Zinstauben zu Falken werden


12.10.18 08:15
Deutsche Bank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Während die wichtigen globalen Aktienmärkte gestern kräftige Verluste hinnehmen mussten, blieben die Devisenmärkte vergleichsweise ruhig, berichtet die Deutsche Bank AG in einer aktuellen Ausgabe "MÄRKTE am Morgen".

Und am erstaunlichsten sei die Robustheit gewesen, die der Euro ausgerechnet gegenüber dem US-Dollar an den Tag gelegt habe. Zwar sei nicht davon auszugehen, dass das Statement von US-Präsident Donald Trump von vorgestern Nacht, die FED sei verrückt geworden, die Dollar-Nachfrage gehemmt habe. Aber es sei schon erstaunlich, dass der Greenback trotz einer verständlicherweise aufgekommenen Risikoaversion bei den Marktakteuren selbst gestern früh nicht stärker gesucht gewesen sei. Zumal allein schon aus psychologischer Sicht die Wahrscheinlichkeit, dass die Notenbank jetzt erst recht ihren eingeschlagenen Kurs der graduellen Zinserhöhungen beibehalten werde, mit den jüngsten Anwürfen Trumps gestiegen sei. Andererseits habe sich der Euro gestern seltsamerweise auch nicht dadurch beirren lassen, dass der Renditevorsprung zehnjähriger italienischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen mit ähnlicher Laufzeit wieder über die 300-Basispunkte-Linie gestiegen sei.

Nun könnte man natürlich argumentieren, dass die Entwicklung der US-Konsumentenpreise auf den Dollar gedrückt hätte. Diese seien gestern für den Monat September publiziert worden und seien eine Spur schwächer als von den Ökonomen im Mittel erwartet ausgefallen. Die Kernrate des Konsumentenpreisindex habe gegenüber dem Vormonat ein Plus von 0,1 bzw. gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme von 2,2 Prozent gezeitigt. Einzig der Anstieg bei den Wochen- und Stundenlöhnen könnte hier und da für Stirnrunzeln gesorgt haben.

Allein diese Zahlen dürften den Offenmarktausschuss der US-Notenbank (FOMC) aber kaum von seinem Vorhaben, weiterhin schrittweise die Leitzinsen zu erhöhen, abbringen. Zumal sich zuletzt eigentlich eher als Zinstauben bekannte FOMC-Mitglieder erstaunlich falkenhaft präsentiert hätten. Dies gelte insbesondere für die FED-Direktorin Lael Brainard, aber auch für Robert Kaplan (Chef der FED von Dallas) sowie Charles Evans (FED Chicago). Gerade letzterer habe sich noch einmal in der Nacht zum Donnerstag dahingehend geäußert, er sehe den neutralen Zinssatz - der Zinssatz, der das Wachstum weder beschleunige noch hemme - bei 3 Prozent. Seiner Ansicht nach gebe es noch drei weitere Zinsschritte der FED, bevor diese eine Pause einlegen könnte. Blicke man unterdessen auf die implizite Wahrscheinlichkeit für mindestens drei Zinserhöhungen bis September 2019 (vgl. CME FedWatch Tool), sei diese gestern nicht zuletzt aufgrund der Turbulenzen an den Aktienmärkten allerdings auf rund 51 Prozent (Vorwoche 60 Prozent) gesunken.

Unterdessen hat der Euro seinen von der Deutsche Bank AG ohnehin als "nicht überzeugend" eingestuften kurzfristigen Abwärtstrend zwischen 1,1665/70 und 1,1320/25 (nochmals verringert) bereits zu einem Gutteil wieder korrigiert. (12.10.2018/alc/a/a)