USA: Weitere Leitzinserhöhung im Dezember?


19.06.17 08:15
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den nächsten Tagen werden in den USA kaum relevante Konjunkturdaten veröffentlicht, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Erwähnenswert seien lediglich die Verkäufe bestehender Wohnhäuser sowie die Neubauverkäufe. Mit Blick auf die Verkäufe bestehender Wohnhäuser im Mai (Mi.) sind die Analysten der RBI zuversichtlicher als der Konsens. Vorliegende Indikationen würden auf einen Zuwachs gegenüber April im Ausmaß von rund 1,5% hindeuten. Ein kräftiges Plus erwarten die Analysten der RBI auch bei den Neubauverkäufen von Wohnhäusern, nachdem diese im April stark zurückgegangen seien (Fr.).

Mit Interesse dürften die Marktakteure schließlich auch die Veröffentlichung des Markit-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe für Juni verfolgen (Fr.). Anders als der ISM-Index habe sich dieser Indikator im Winterhalbjahr nicht spürbar verbessert. Da beide Stimmungsbarometer in der mittleren Frist aber doch einen gewissen Gleichlauf aufweisen würden, könnte ein nochmaliges eher ernüchterndes Ergebnis ein Hinweis darauf sein, dass es beim ISM-Index eher weiter abwärts gehe.

Wie erwartet habe die US-Notenbank am 14. Juni die Leitzinsspanne um 25 Basispunkte auf 1,00% bis 1,25% angehoben. Stellungnahme und Pressekonferenz entsprachen recht genau den Erwartungen der Analysten der RBI: Die Aussicht auf einen weiteren Zinsschritt in diesem Jahr sowie drei Zinsanhebungen im nächsten Jahr wurde bekräftigt. Außerdem habe die Notenbank angekündigt, schon recht bald mit dem Abbau ihres enormen Wertpapierportfolios zu beginnen. Die Analysten der RBI werden ihre Leitzinsprognose leicht anpassen, da sie nun davon ausgehen, dass die FED den Leitzins in diesem Jahr nur noch einmal anheben wird und zwar im Dezember. Im September dürfte es keine Zinsanhebung geben, da wohl der Einstieg in den Abbau der Notenbankbilanz an Stelle einer solchen treten werde. 2018 rechne man nun aber mit drei Zinsschritten statt wie bisher mit zweien.

Amerikanische Staatsanleihen hätten unterschiedlich auf die Zinsentscheidung reagiert. Während die Renditen der 2-jährigen Laufzeit im Einklang mit der Zinsentscheidung leicht angestiegen seien, seien die Renditen 10-järhigen Laufzeit weitgehend unverändert geblieben. Die US-Zinskurve habe sich somit weiter verflacht. Der Renditeunterschied zwischen 2- und 10-jähriger Laufzeit sei inzwischen auf nur noch 80 BP geschrumpft. Die Analysten der RBI sehen dieses Niveau als sehr niedrig an und erwarten daher in kommenden Wochen zumindest eine Stabilisierung. Darauf würden auch die Optionen am Swapmarkt hinweisen. Für am Geld liegende Optionen liege die implizite Volatilität sowohl für kurze als auch lange Laufzeiten auf niedrigen Niveaus. Es würden also für die kommenden Wochen keine starken Veränderungen der US-Renditen gepreist. Ihre Renditeprognose für 2- und 10-jährige Staatsanleihen haben die Analysten der RBI mit Blick auf September unter Revision gesetzt. (Ausgabe vom 16.06.2017) (19.06.2017/alc/a/a)