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USA: Verzinsung der zehnjährigen Anleihe auf 2,72% zurückgefallen


02.01.19 09:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In der ersten Woche des neuen Jahres stehen gleich hochkarätige Konjunkturdaten an, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Im Mittelpunkt des Interesses werde eindeutig der Arbeitsmarktbericht für Dezember stehen (Fr). Das unterdurchschnittliche Beschäftigungsplus von 155.000 im November könnte zum Teil auf die unüblich kalte Witterung - die Zahl der Heating Degree Days habe um 70 über dem langjährigen Schnitt gelegen (rund 0,7 Grad Celsius pro Tag kälter) - zurückzuführen sein. Der Dezember sei zwar ebenfalls kühler gewesen als im Schnitt der letzten zehn Jahre, allerdings sei die Abweichung deutlich geringer ausgefallen als im November.

Die Analysten würden verglichen mit November daher mit einem etwas größeren Beschäftigungszuwachs von 187.000 rechnen. Die Arbeitslosenquote habe im November bei 3,67% gelegen. Der von ihnen für Dezember erwartete kleine Rückgang der Zahl der Arbeitslosen sollte daher ausreichen, um die Quote auf eine Nachkommastelle gerundet von 3,7% auf 3,6% zu drücken. Bei den durchschnittlichen Stundenlöhnen würden die Analysten mit einem Plus von 0,3% bis 0,4% p.m. rechnen. Die Vorjahresrate dürfte wegen eines ungünstigen Basiseffekts dennoch minimal von 3,1% auf 3,0% sinken.

Nach dem etwas überraschenden Anstieg des ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe (Do) im November würden die Analysten für Dezember mit einem kräftigen Rückgang rechnen. Hierauf würden zumindest die bislang vorliegenden regionalen Stimmungsumfragen aus den Regionen New York, Richmond und Philadelphia hindeuten. Die drei genannten Indikatoren seien jeweils auf den niedrigsten Stand seit 1,5 bzw. 2,5 Jahren gesunken. Beim ISM Index entspräche diese Vorgabe einem Wert zwischen 50 und 55 Punkten.

Die Analysten würden dem ADP Beschäftigungsbericht (Do) zwar keinerlei Aussagekraft hinsichtlich der offiziellen Beschäftigungsentwicklung beimessen, allerdings finde er am Markt viel Beachtung. Das Modell deute auf ein ähnlich großes Beschäftigungsplus hin wie im Vormonat.

In den USA herrsche seit dem 22. Dezember ein teilweiser Government Shutdown. Zwar hätten sich Demokraten und Republikaner im Senat auf einen Kompromiss zur Finanzierung wichtiger Regierungsbehörden zumindest bis Februar 2019 geeinigt, Präsident Donald Trump habe den Vorschlag allerdings abgelehnt, da er anders als von Trump verlangt keinerlei Mittel zur Finanzierung eines Mauerbaus an der mexikanischen Grenze vorgesehen habe. Vom Government Shutdown seien rund ein Viertel aller Bundesbehörden betroffen. Diese Behörden würden rund 800.000 Mitarbeiter beschäftigen, von denen aktuell bereits etwa 350.000 in unbezahlten Zwangsurlaub geschickt worden seien.

Ein Ende des Behördenstillstands zeichne sich derzeit nicht ab. Die Demokraten hätten angesichts der am 3. Januar anstehenden Mehrheitsübernahme im Repräsentantenhaus kein Interesse, den Forderungen von Präsident Trump nachzugeben, zumal eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung einen vom US-Steuerzahler finanzierten Bau einer Mauer ablehne. Es laufe damit darauf hinaus, wie lange Präsident Trump durchhalte.

Die Analysten würden davon ausgehen, dass er erst dann nachgeben werde, wenn immer deutlicher werde, dass die Öffentlichkeit vor allem ihn für die negativen Folgen des Shutdowns verantwortlich mache. Wegen der Weihnachts- und Neujahrsfeiertage dürften sich die negativen Folgen in der breiten Öffentlichkeit erst ab Mitte der ersten Januarwoche richtig bemerkbar machen. Die Analysten würden es daher für wahrscheinlich halten, dass der Behördenstillstand frühestens nach dem 2. Januar beendet werden werde.

Die Rendite amerikanischer Staatsanleihen habe im Zuge des starken Aktienmarktrückgangs über Weihnachten den niedrigsten Wert seit April bzw. Juli dieses Jahres erreicht: Die Verzinsung der zehnjährigen Anleihe sei auf 2,72% zurückgefallen, die zweijährige Laufzeit habe bei 2,54% notiert. Komme es in den nächsten Monaten zu der von den Marktstrategen erwarteten deutlichen Erholung an den US-Aktienmärkten, dürfte die Rendite von US-Staatsanleihen ebenfalls nochmals spürbar zulegen. Andernfalls liegt das Renditehoch in diesem Konjunkturzyklus wohl schon hinter uns, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG. (Ausgabe vom 28.12.2018) (02.01.2019/alc/a/a)