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USA: Die Staatsverschuldung mag neue Rekorde aufstellen


28.07.20 11:00
Barings

Boston (www.anleihencheck.de) - Christopher Smart, Chefstratege und Leiter des Barings Investment Institute, befasst sich in seinen aktuellen Leitgedanken mit der Finanzierung der Corona-Kosten und dem Schuldenstand der USA.

Die Staatsverschuldung der USA möge neue Rekorde aufstellen, aber Investoren sollten sich mehr auf Kreditkosten und Wachstumsraten konzentrieren. Wie jeder Bankier bestätigen werde, sei die Höhe der Schulden eines Kreditnehmers weniger wichtig als die Bezahlbarkeit der Schulden. Und die Bezahlbarkeit für die größte Volkswirtschaft der Welt hänge ebenso sehr davon ab, dass die Zinssätze niedrig bleiben würden, wie davon, dass Amerikas Geschäftsmodell mehr Wachstum und Innovation hervorbringe als das seiner fortschrittlichen Konkurrenten.

Aber der Anteil der Schulden an der Wirtschaft werde nicht annähernd so schnell sinken wie in den 1950er und 1960er Jahren, weil das Wachstum langsamer sein werde und die Haushalte nicht ausgeglichen sein würden. Wir sind in diese Krise mit einem strukturellen Haushaltsdefizit in der Nähe von 5% des BIP eingetreten, und weder Republikaner noch Demokraten sind bestrebt, dieses Defizit in absehbarer Zeit abzubauen, so Christopher Smart von Barings.

Selbst nachdem die Kosten der Pandemie bewältigt seien, kämen auf die Vereinigten Staaten im nächsten Jahrzehnt hohe Rechnungen zu, um die marode Infrastruktur wieder aufzubauen, die Gesundheits- und Rentenkosten einer alternden Bevölkerung zu decken und die Auswirkungen des Klimawandels abzuschwächen.

Die Zinsen würden mit der Erholung der Wirtschaft steigen, aber es gebe wenig Grund zu der Annahme, dass sie stark ansteigen würden. Dies sei der Silberstreif am Horizont einer "säkularen Stagnation", die sich aus dem kombinierten Gegenwind von Technologie, Globalisierung, Demographie und anderen Faktoren ergebe.

Aber es seien nicht nur die Kosten der Schulden, die im nächsten Jahrzehnt niedrig bleiben müssten. Entscheidend sei das Vertrauen in die Rückzahlungsfähigkeit des Kreditnehmers. Das Marktvertrauen sei möglicherweise weitaus anfälliger für die Politisierung rechtlicher und regulatorischer Institutionen, für Wahlergebnisse, die verdächtig aussähen, und für eine politische Klasse, die globale Verantwortung ignoriere. Dies seien die Trends, die Investoren weit mehr beunruhigen sollten als die Höhe des diesjährigen Defizits oder der Schulden im nächsten Jahr. (28.07.2020/alc/a/a)