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USA: Rasches FED-Tapering geplant - Keine Nettoankäufe nach Juni 2022


01.10.21 12:26
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - In den USA schwächt sich das Wachstum offenbar in Q3 ab, ist aber mit 5,2% (QoQ, annualisiert) immer noch auf einem relativ hohem Niveau, so die Analysten der Hamburger Commercial Bank.

Vor allem die private Konsumnachfrage steige nicht mehr so stark. Für das Gesamtjahr würden sie mit einem Wachstum von 5,8% (bisher: 6,2%) rechnen. Enttäuscht hätten zuletzt die Beschäftigungszahlen im August. Die Pandemie habe in den vergangenen Monaten sicherlich auch auf die Stimmung geschlagen, zuletzt sei jedoch die Anzahl der in Krankenhäuser eingelieferten Covid-19-Infizierten fast überall deutlich gesunken. In Texas, Florida und Kalifornien geschehe dies allerdings von einem hohem Niveau aus.

Ähnlich wie in anderen Teilen dieser Welt würden auch in den USA viele Unternehmen an Lieferengpässen leiden. So habe beispielsweise die Automobilproduktion im Juli noch 18% unter dem Niveau von vor zwei Jahren (also vor Corona) leiden. Fehlende Mikrochips seien hier offensichtlich die wichtigste Ursache für das niedrige Produktionsniveau.

Die FED betrachte diese Entwicklung offenbar mit einer gewissen Gelassenheit, denn sie werde - so sei nach der Notenbanksitzung Mitte September verkündet worden - im November einen Plan zu Reduktion der Anleiheankäufe vorlegen (Tapering) und netto sollten dann bereits ab Mitte des Jahres 2022 keine weitere Anleihen gekauft werden. Die Begründung für diese Entscheidung erscheine plausibel und sie laute sinngemäß: Die Ankäufe seien eingeführt worden, um in einer Notlage das Risiko von Liquiditätsengpässen zu minimieren. Die Notlage sei jetzt mehr oder weniger überwunden und daher bedürfe es auch keiner zusätzlichen Liquiditätsmaßnahmen.

Allerdings würden noch weitere Risiken lauern. Dazu zähle vor allem der Umstand, dass sich Demokraten und Republikaner bislang nicht auf eine Erhöhung der Schuldenobergrenze hätten einigen können. Die US-Finanzministerin Janet Yellen habe vor der Gefahr gewarnt, dass die USA gegebenenfalls schon am 18. Oktober ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen könnten. Gleichzeitig könnte es ab Dezember zu einem Ausgabenstopp kommen, wenn man - nachdem man sich in letzter Minute auf einen Übergangsetat geeinigt habe - bis dahin nicht einen neuen Haushalt verabschiede. Angesichts der Abwärtsrisiken bestehe die Möglichkeit, dass das Tapering doch noch verschoben werde. (Finanzmarkttrends Oktober 2021) (01.10.2021/alc/a/a)