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USA: Die Preisdynamik im August könnte mit jener im Juli vergleichbar ausfallen


13.09.21 09:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den USA wird diese Woche eine Vielzahl an aussagekräftigen Konjunkturindikatoren veröffentlicht, allen voran die Verbraucherpreisinflation für den Monat August, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Nach sehr hohen Zuwachsraten beim Preisniveau im zweiten Quartal 2021 - monatliche Veränderungen der Kerninflation hätten im Durchschnitt 0,8% p.m. betragen - habe sich die Inflationsdynamik im Juli wieder etwas normalisiert (Kerninflation: 0,3% p.m.) aber dennoch über jener Rate gelegen, welche mit einer Inflationsrate von 2% im Einklang stehen würde (0,17% p.m.). Erste Indikationen würden darauf hindeuten, dass die Preisdynamik im August vergleichbar mit jener im Juli ausfallen könnte. Dies würde vorerst eine Stabilisierung der Inflationsrate auf erhöhtem Niveau mit sich ziehen (Gesamtrate: 5,3% p.a.; Kernrate: 4,2% p.a.). Auf Sicht der nächsten Monate (Q4 2021) bestehe jedoch das Risiko, dass Inflationsraten in den USA weiter steigen, sollte sich die Inflationsdynamik nicht wie im letzten Jahr gegen Jahresende deutlicher abschwächen.

Abseits der Inflation stünden Daten zur Industrie und dem Einzelhandel, jeweils für den Monat August, aber auch erste Stimmungsindikatoren für den Monat September am Kalender. Im Verarbeitenden Gewerbe habe man zuletzt das Vorkrisenniveau wieder erreicht, Lieferengpässe würden aber dennoch eine Herausforderung darstellen, insbesondere im Automobilsektor, wo man das Vorkrisenniveau noch nicht wieder habe erreichen können. Deutlich über dem Vorkrisenniveau liege der Einzelhandel (real um etwa 7%), so sei es wenig überraschend, dass mit den abnehmenden Effekten des Fiskalstimulus Einzelhandelsumsätze zuletzt rückläufig gewesen seien.

Für einen zusätzlichen Dämpfer könnten hier die rasch steigenden COVID-19-Fälle gesorgt haben, welche im August eine deutliche Eintrübung der Konsumentenstimmung mit sich gezogen hätten. Derzeit scheine der Höhepunkt der Infektionsdynamik erstmals erreicht worden zu sein, eine deutliche Aufhellung der zur Veröffentlichung stehenden Konsumentenstimmung der University of Michigan sei aber dennoch nicht zu erwarten (zuletzt bei 70,3 Punkten). Auch Hurrikan Ida, welcher Ende August/Anfang September durch weite Teile der USA gezogen sei, werde wohl in dem einen oder anderen Konjunkturindikator für Schwankungen sorgen.

Kapazitätsengpässe entlang der Lieferketten, Konsumzurückhaltung aufgrund der COVID-19-Situation und die Möglichkeit einer länger als erwarteten Phase erhöhter Inflation seien derzeit die prägenden US-Themen, welche an den Finanzmärkten evaluiert würden.

Die EZB habe auf ihrer Zinssitzung letzten Donnerstag beschlossen, die erhöhten Anleihekäufe des Pandemie Notfallkaufprogramms (PEPP) im vierten Quartal 2021 moderat zurückzufahren. Eine Entscheidung das im zweiten und dritten Quartal erhöhte Volumen wieder zu reduzieren, sei großteils erwartet worden. Allerdings sei der Beschluss vorsichtiger ausgefallen als ohnedies angenommen. Die Notenbank habe zwar kein explizites neues Zielvolumen bekannt gegeben. Es sei vielmehr betont worden, flexibel auf die Marktbegebenheiten zu reagieren und weiter für günstige Finanzierungsbedingungen zu sorgen. Lege man aber die Wortwahl zugrunde, so sollte im vierten Quartal der monatliche Schnitt zwischen den Ergebnissen für Q1 (EUR 63 Mrd.) und Q2 und Q3 (knapp EUR 80 Mrd.) betragen. Der Verlauf des PEPP über Q4 2021 hinaus habe nicht zur Beschlussfassung angestanden, dies solle in der Sitzung im Dezember entschieden werden.

EZB-Präsidentin Lagarde habe klargemacht, dass für ein Ende des PEPP keine negativen Auswirkungen der Coronakrise mehr gegeben sein sollten. Dieses Kriterium sei natürlich nicht objektiv messbar, erscheine den Analysten der RBI aber Ende März 2022 (Mindestlaufzeit des PEPP) noch nicht erfüllt zu sein. Die Notenbank tue nach Meinung der Analysten der RBI gut daran, einerseits auf die Wirtschaftsverbesserung zu reagieren und den Stimulus wieder etwas zu reduzieren, sich andererseits aber für die Zukunft Flexibilität zu bewahren. Anfang 2022 dürften noch geschätzt EUR 300 Mrd. des beschlossenen PEPP Rahmen von EUR 1.850 zur Verfügung stehen, sodass genug Manövriermaße gegeben wäre, um das Programm schrittweise auslaufen zu lassen.

Insofern würden die Analysten der RBI damit rechnen, dass der EZB Rat die zuletzt gewählte Vorgehensweise auch bei der nächsten entscheidenden Sitzung im Dezember wählen werde (Reduktion der Käufe aber kein Beschluss eines Einstellens der Käufe im März). Nach Meinung der Analysten der RBI werde PEPP eher graduell als in einem großen Schritt im März 2022 heruntergefahren.

Die Finanzmärkte hätten zunächst wenig und dann doch mit sinkenden Renditen auf die EZB-Zinssitzung reagiert. 10-jährige Bund-Renditen seien von -0,33% auf -0,36% gesunken. Es scheine aber kein richtungsweisender Impuls zu sein, habe man am Tag darauf doch bereits wieder einen Teil des Renditerückgangs wettgemacht. Man werde nun wohl gespannt der Dezember Zinssitzung entgegenblicken, mit der Hoffnung auf eine mittelfristige Orientierung der EZB-Anleihekäufe. Zuletzt hätten vor allem steigende Inflationserwartungen im Fokus der Anleihemärkte gestanden. So sei die 10-jährige Breakeven Inflation deutscher Staatsanleihen seit Mitte August um etwa 20 Basispunkte auf knapp über 1,5% gestiegen. Neben den jüngsten Inflationsveröffentlichungen, welche tendenziell nach oben hin überrascht hätten, könne auch die Erwartungshaltung einer langen Phase der lockeren Geldpolitik der EZB zu steigenden Inflationserwartungen beitragen. (Ausgabe vom 10.09.2021) (13.09.2021/alc/a/a)