USA: Der Markt erwartet einen Leitzins von knapp 3% bis zum Jahreswechsel


10.05.22 09:16
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Die US-Notenbank Federal Reserve (FED) hat wie erwartet Anfang Mai wegen der hohen Inflation und der guten Lage am Arbeitsmarkt den Leitzinskorridor um 50 Basispunkte auf 0,75% bis 1,0% angehoben, so die Analysten von Postbank Research.

Zusätzlich solle ab Juni die Bilanz verkürzt werden um 30 Milliarden US-Dollar bei US-Staatsanleihen, um 17,5 Milliarden bei hypothekenbesicherten Papieren. Nach drei Monaten solle der Abbau verdoppelt werden. Die FED habe betont, dass die wirtschaftliche Aktivität auch wegen der Corona-Maßnahmen in China im 1. Quartal etwas nachgelassen habe. Bis zum Jahreswechsel erwarte der Markt nun einen Leitzins von knapp 3%. Befürchtungen, dass die Währungshüter künftig noch aggressiver vorgehen könnten, habe Jerome Powell zerstreut. Der Notenbank-Chef habe größere Zinsschritte als 0,5%-Punkte für die nächsten FED-Sitzungen ausgeschlossen.

Trotz Rekordinflation habe die Europäische Zentralbank (EZB) im April die Geldpolitik im Euroraum unverändert gelassen. Damit würden die Währungshüter bei ihrem Plan bleiben, erst die Nettoanleihekäufe im Rahmen des Asset Purchase Programme (APP) auslaufen zu lassen, bevor Zinserhöhungen beschlossen würden. EZB-Direktoriumsmitglied Isabell Schnabel halte einen ersten Zinsschritt im Juli für möglich. Bis zum Jahresende erwarte die Postbank einen Anstieg des Einlagenzinssatzes. Schnabels irischer Kollege, Philip R. Lane, habe erklärt, die EZB werde sich an der Datenlage orientieren und ihre Instrumente flexibel einsetzen, um mittelfristig Preisstabilität herzustellen. (Perspektiven April 2022) (10.05.2022/alc/a/a)