USA: Leichte Rezession in H1 2019 erwartet


06.11.19 10:30
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in den USA setzt sich fort, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Für dieses Jahr würden die Analysten mit einem BIP-Zuwachs von 2,2% rechnen, der dann im kommenden Jahr im Zuge einer milden Rezession auf 0,6% fallen sollte. Im 3. Quartal 2019 habe die US-Volkswirtschaft noch um 1,9% expandiert, nach 2,0% in Q2 und 3,1% in Q1 (jeweils QoQ, annualisierte Rate). Hier mache sich ein Rückgang bei den Investitionen sowie fast stagnierende Exporten bemerkbar. Gleichzeitig sei der milde Abschwung relativ breit angelegt. So seien die ISM-Indices für den Dienstleistungssektor und für das Verarbeitende Gewerbe auf einem Abwärtstrend. Weiter habe die Bereitschaft der Unternehmen, weitere Stellen aufzubauen, nachgelassen.

Trotz eines grundsätzlich weiterhin gut ausgelasteten Arbeitsmarktes lasse der Aufwärtsdruck bei den Löhnen seit einigen Monaten nach. Im Vergleich zum Vorjahr habe der Anstieg der durchschnittlichen Stundenlöhne nur bei 2,9% YoY gelegen, womit erstmals in diesem Jahr die 3%-Marke unterschritten worden sei. Die Gesamtrate der Inflation tendiere leicht nach unten, während die Kernrate nach oben zeige. Insgesamt sei der Preisauftrieb angesichts des lang anhaltenden Aufschwungs erstaunlich gering.

Die US-Notenbank habe am 30. Oktober das dritte Mal in diesem Jahr den Leitzins gesenkt. Allerdings habe diese überraschend deutlich eine Zinspause angekündigt. Nur wenn sich die Konjunkturindikatoren deutlich verschlechtern würden, müsste man mit weiteren Zinssenkungen rechnen. Dies sei das Szenario der Analysten.

In diesem Umfeld sollten die Renditen eigentlich sinken. In den vergangenen Wochen sei allerdings ein kräftiger Anstieg der Renditen zu beobachten gewesen. Debattiert werde, ob 1) es sich um eine technische Gegenreaktion auf einen zuvor übertriebenen Renditerückgang handele; 2) die geopolitische Unsicherheit angesichts der angeblichen Fortschritte im US-chinesischen Handelskonflikt und der möglichen Abwendung eines harten Brexit zurückgehe; 3) die steigende Verschuldung der USA den Anlegern Sorge bereite; 4) die Renditen in Erwartung einer expansiven Fiskalpolitik bereits jetzt zu steigen beginnen würden. Die Analysten würden zu Erklärung 1) und 2) tendieren und den Optimismus im Hinblick auf der Handelskonflikt für übertrieben halten. Insgesamt würden die Analysten daher mit weiterhin niedrigen Renditen rechnen, die in der zweiten Jahreshälfte 2020 wieder steigen sollten. (Ausgabe November 2019) (06.11.2019/alc/a/a)