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USA: Kaum Potenzial für einen Anstieg der Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen


04.09.17 08:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den nächsten Tagen stehen nur wenige Konjunkturdaten auf dem Programm, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Auf größeres Interesse dürfte bei den Marktteilnehmern lediglich der ISM Index für das Nicht-Verarbeitende Gewerbe (Mi) treffen. Nach dem überraschenden Rückgang im Juli würden die Analysten für August mit einer Gegenbewegung rechnen. Mit einem erwarteten Anstieg auf 56,0 Punkte seien die Analysten etwas optimistischer als der Konsens. Der sechswöchentliche Konjunkturbericht der US-Notenbank, das Beige Book, dürfte erneut das Bild einer moderat wachsenden US-Wirtschaft zeichnen.

Ersten Schätzungen zufolge dürften die Kosten für den Wiederaufbau bzw. die Reparatur der Zerstörungen durch Hurrikan Harvey weit über USD 100 Mrd. liegen. Da die wenigsten Schäden versichert seien, werde wohl der Staat für den größten Teil der Kosten aufkommen. Für den Wiederaufbau nach dem verheerenden Hurrikan Katrina im Jahr 2005 hätten sich die staatlichen Hilfen schätzungsweise auf USD 120 Mrd. summiert. Angesichts des betroffenen Gebiets sowie der Schwere der Schäden dürfte diese Summe im Falle von Hurrikan Harvey am Ende nicht ausreichen. Der Wiederaufbau dürfte den Zuwachs der Wirtschaftsleistung in den nächsten Jahren um 0,5 bis 1,0 Prozentpunkte erhöhen. Wobei der größte Teil dieses Effekts wohl in den Jahren 2018 und 2019 anfallen werde.

Kurzfristig, sprich im laufenden Quartal und eventuell auch im vierten Quartal dürfte der Zuwachs des realen Bruttoinlandsproduktes aber um ein paar zehntel Prozentpunkte gedämpft werden. Im September dürfte man die Auswirkungen des Hurrikans vor allem in den Daten zur Industrieproduktion (deutlicher Rückgang), zum Arbeitsmarkt (starker Anstieg der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe; deutlich schwächerer Anstieg der Beschäftigung), zu den Verbraucherpreisen (deutlicher Anstieg) sowie den Umfragen zum Verbrauchervertrauen (deutlicher Rückgang) sehen.

Angesichts der aktuellen Naturkatastrophe seien einige wichtige politische Themen etwas aus dem Fokus gerückt. Dies dürfte sich aber nächste Woche ändern. Am 5. September ende die Sommerpause des Kongress und man werde sich wieder zu Beratungen über die Anhebung der Schuldenobergrenze sowie zum Haushalt für das am 1. Oktober beginnende neue Fiskaljahr treffen.

Die Analysten würden die Chancen für eine rechtzeitige Einigung aufgrund der Folgen des Hurrikans nun etwas höher sehen. Um den Betroffenen rasch in nennenswertem Umfang helfen zu können, sei eine Anhebung der Schuldenobergrenze unabdingbar, da die benötigten Mittel wohl nur über neue Schulden aufgestellt werden könnten. Angesichts des Leids hundertausender US-Bürger wäre es wohl politischer Selbstmord, sollte Präsident Trump in dieser Situation tatsächlich versuchen, mit einem künstlich herbeigeführten Government Shutdown Geld für den Bau einer Grenzmauer zu Mexiko zu erpressen.

Auf Sicht der nächsten Tage würden die Analysten kaum Potenzial für einen Anstieg der Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen sehen, die gegenwärtig bei knapp 2,1% liege. (Ausgabe vom 01.09.2017) (04.09.2017/alc/a/a)