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USA: Kapazitätsengpässe? Welche Kapazitätsengpässe?


09.07.21 10:20
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Inflation zieht deutlich an. Als Hauptursache gelten weitverbreitete Kapazitätsengpässe. Zu dumm, dass wir dazu nur sehr eingeschränkte Daten haben, so Patrick Franke von der Helaba.

Diese Aussage möge auf den ersten Blick verwirren: Wie in der Berichtswoche veröffentliche die FED jeden Monat umfangreiche Daten zur Kapazitätsauslastung, nicht nur für das Verarbeitende Gewerbe insgesamt, sondern für viele individuelle Branchen und Industriegruppen. Das sei doch zeitnah und sehr detailliert.

Leider hätten diese Daten einen entscheidenden Fehler: Sie seien selbst in normalen Zeiten nur eingeschränkt aussagekräftig und derzeit komplett nutzlos. So würden die Daten für das gesamte Verarbeitende Gewerbe eine im historischen Vergleich bestenfalls durchschnittliche Auslastung zeigen. Sogar für die den Berichten nach besonders betroffenen High-Tech-Branchen liege der aktuelle Wert noch ein ganzes Stück unter den Zahlen der in der Erinnerung deutlich weniger spektakulären Hochpunkte der vergangenen Jahrzehnte - zum Beispiel in den "berühmten" Engpasssituationen von 2006, 2008 oder 2011.

Zahlreiche Unternehmen sähen sich derzeit dem Problem gegenüber, dass ihnen entscheidende Inputfaktoren fehlen würden. Hierunter würden neben Arbeitskräften viele Rohstoffe und verarbeitete Vorprodukte fallen. Im Extremfall reiche ein Engpass bei einem einzigen, nicht zu ersetzenden Vorprodukt aus, um die gesamte Produktion lahmzulegen. Diesen Effekt bilde das statistische Konstrukt der FED aber nicht ab. Es beruhe nämlich auf einem modellgestützten Schätzwert für die Kapazität, definiert als "maximale nachhaltige Ausbringungsmenge", der dann ins Verhältnis zur aktuellen Produktion gesetzt werde. Dieses Konzept scheitere in der aktuellen Lage grandios. Was wirklich Sache ist, können wir daher nur raten, so die Analysten der Helaba. Eine Indikation gebe der Lieferzeitenindex ("supplier deliveries") aus der monatlichen ISM-Umfrage. Der liege derzeit auf dem höchsten Wert seit 1974 und sei seit 1979 nicht mehr annähernd in einer vergleichbaren Region gewesen. Leider sei dies aber ein Diffusionsindex, der nur die Breite der Veränderung gegenüber dem Vormonat widerspiegele. Wie angespannt die Lage in absoluter Betrachtung aktuell wirklich sei - eine nicht ganz unwichtige Frage - wisse man einfach nicht. (09.07.2021/alc/a/a)