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USA: Inflationsrate springt auf 5,4% und setzt die FED schon massiv unter Druck


13.07.21 15:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Heute wurden vom Bureau of Labor Statistics aktuelle Zahlen zu den Konsumentenpreisen (CPI) in den USA bekannt gegeben, so die Analysten der Nord LB.

Die Preisdaten würden mittlerweile zu den wichtigsten Indikatoren für die Finanzmärkte gehören. Den 13. Monat in Folge habe das Preisniveau angezogen. Im Juni sei ein überraschend starkes Plus von 0,9% M/M gemeldet worden. Die Inflationsrate habe auf ein 13-Jahreshoch bei 5,4% angezogen. Die Verbraucherpreise exklusive Nahrung und Energie (Kernrate) hätten ebenfalls einen Zuwachs von 0,9% M/M verzeichnet. Insbesondere der Anstieg der Kernrate auf ein 30-Jahreshoch bei nun 4,5% Y/Y dürfte sicherlich zu verstärkten Diskussionen um das Tapering der FED führen.

Statt eines erwarteten marginalen Rückgangs der Inflationsrate sei diese deutlich in die Höhe gesprungen. Selbst der Basiseffekt durch den Wegfall des Anstiegs von 0,5% aus dem Juni 2020 habe keine Entlastung in der Jahresrate gebracht. Denn die bereits aus dem Vormonat bekannten preistreibenden Faktoren wie Energie, Transport, Nahrung und vor allem Gebrauchtwagen (verantwortlich für ein Drittel des Preisanstiegs) hätten die Preise erneut in die Höhe getrieben. Knappheiten, Lieferunterbrechungen, Wiedereröffnungen und eine erhöhte Konsumnachfrage hätten vielfach dahinter gesteckt.

Zu nun höheren Inflationssorgen würden auch strukturelle Veränderungen beim FOMC führen: Dazu würden das veränderte Mandat der FED wie Average Inflation Targeting, die Priorität Arbeitsmarkt vor Inflation sowie kein Handeln auf Basis von Prognosen gehören, sondern erst bei entsprechender Datenlage. Die expansive Fiskalpolitik wie auch die Abnahme des Arbeitskräfteangebots (Demographie), ein zunehmender Protektionismus und die Rohstoffnachfrager China und Indien kämen hinzu.

Insofern sei tatsächlich zu hinterfragen, ob der Inflationsschub nur ein temporäres Phänomen sei, wie es die FED ansehe, oder doch ein längerfristiges Problem sein werde. Nach Erachten der Analysten dürfte die Inflation im weiteren Verlauf des Jahres in einem unangenehmen Bereich von 5% verharren, was eine klare Zielverfehlung für die FED bedeute. Abzuwarten sei, ob die mit Covid-19 in Verbindung zu bringenden Faktoren den Kerninflationsanstieg tatsächlich dominieren würden. So würden die Analysten erst im zweiten Quartal 2022 eine preisliche Normalisierung durch eine Abnahme beim Konsumrausch, eine Behebung der meisten Knappheiten von technischen Gütern sowie ein zu der Arbeitsnachfrage besser passendes Angebot sehen, die in Summe zu einer Inflationsrate von dann wieder unter 4% führen könnten. Bis dahin werde die FED ihre sehr expansive Geldpolitik angepasst haben (müssen).

So falle der Euro auf unter 1,18 USD, wohingegen Bond- und Aktienkurse (noch) kaum reagieren würden.

Die US-Konsumentenpreise seien im Juni um unerwartet deutliche 0,9% M/M gestiegen, die Inflationsrate sei auf 5,4% Y/Y gesprungen. Als Gründe seien Energiepreise, Transportkosten, Lieferengpässe bei technischen Produkten und Rohstoffen, ein "Entladen" von Konsumwünschen sowie Auswirkungen von Lohnzuwächsen zu nennen. Auch längerfristige Faktoren wie ein angepasstes Mandat der FED, eine ausufernde Fiskalpolitik, demographische oder protektionistische Faktoren kämen hinzu. Insofern sei zu hinterfragen, ob der Inflationsschub ein nur temporäres Phänomen sei, wie es die FED ansehe, oder doch ein längerfristiges Problem sein werde. (13.07.2021/alc/a/a)