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USA: Inflationsdynamik bringt FED in eine zunehmend unangenehme Situation


14.07.21 10:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Auch im Juni lag die Verbraucherpreisinflation in den USA deutlich über den Erwartungen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Anstatt der erwarteten Konsolidierung nahe oder sogar leicht unter der Mai-Inflation von 5% sei die Inflation auf 5,4% p.a. geklettert. Noch deutlicher ausgeprägt gewesen sei der Anstieg der Kerninflationsrate, welche von 3,8% auf 4,5% p.a. angestiegen sei. In den letzten drei Monaten habe die Dynamik der Kerninflation mit 0,9% im April, 0,7% im Mai und 0,9% im Juni (saisonal bereinigt, p.m.) deutlich über dem historischen Durchschnitt (2000-2020: 0,16% p.m.) gelegen. Insbesondere die Kategorie Gebrauchtwagen steche mit einem Anstieg von 10,5% p.m. hervor, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich Preisanstiege als relativ breit gefächert erwiesen. Die Inflationsdynamik der letzten Monate bringe die US-Notenbank Federal Reserve, welche Inflationsanstiege als großteils temporär einstufe, in eine zunehmend unangenehme Situation. Bereits auf der Juni-Zinssitzung hätten sich einige Mitglieder des Offenmarktausschusses besorgt gezeigt und die Risiken des Inflationsausblicks seien als nach oben gerichtet beurteilt worden. Je länger die erhöhte Inflationsdynamik anhalte, desto höher sei auch das Risiko für Zweitrundeneffekte und damit einhergehend Anstiege der Inflationserwartungen. Am Finanzmarkt habe man sich von den überraschend hohen Inflationsdaten wenig beeindruckt gezeigt und halte am Narrativ großteils vorübergehender Inflation fest. Treasury-Renditen seien nur sehr moderat gestiegen.

Heute stehe die Veröffentlichung der Industrieproduktion in der Eurozone für den Monat Mai im Fokus. Im zweiten Quartal könnte sich der Industriesektor zumindest im zweiten Quartal von einer Stütze zu einem Belastungsfaktor wandeln. Denn die Mai-Produktionszahlen der Euro-Schwergewichte (DE, FR, ES, IT) seien allesamt auffallend schwach gewesen, den Rückgängen in Deutschland und Frankreich (-0,3% p.m. in FR bzw. -0,6% p.m. in DE) sei zudem bereits eine Stagnation im April vorausgegangen. Insbesondere die fortgesetzte Schwäche der deutschen Industrie, die bereits im ersten Quartal auf der Konjunktur gelastet habe, steche ins Auge, sei aber maßgeblich der besonders unter der Chipknappheit leidenden Automobilindustrie geschuldet. Angesichts dieser Vorgaben werde auch in der gesamten Eurozone die Industrieproduktion im Mai geringer ausgefallen sein als im April. (14.07.2021/alc/a/a)