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USA: Inflationsdaten im Vordergrund


03.06.21 12:48
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den USA bestätigte der ISM Index zuletzt das derzeitige Narrativ einer dynamischen Nachfrage bei gleichzeitigen Angebotsengpässen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Der Stimmungsindikator für das Verarbeitende Gewerbe sei auf 61,2 gestiegen - ein Plus von 0,5 Punkten - und befinde sich damit weiterhin deutlich im expansiven Bereich. Die Auftragslage erweise sich als dynamisch (67; +2,7 Punkte), während sich das Produktionswachstum verlangsamt habe (58,5; -4 Punkte). Dies gehe einher mit Problemen beim Beschäftigungsaufbau (50,9; -4,2 Punkte) und langen Lieferzeiten (78,8; +3,8 Punkte). Somit blicke man gespannt auf den Arbeitsmarktbericht am Freitag, der zeigen werde, wie schnell die US-Bürger zurück auf den Arbeitsmarkt drängen würden. Im April habe der Beschäftigungsaufbau deutlich unter den Erwartungen gelegen, was den Konsensus jedoch nicht davon abhalte, eine Anknüpfung an die vielversprechenderen Daten aus dem März zu unterstellen.

Nächste Woche stünden in den USA Inflationsdaten im Vordergrund. Im April habe die Verbraucherpreis-Inflation mit 4,2% p.a. deutlich über den Erwartungen gelegen (3,6% p.a.), welche ohnedies einen signifikanten Anstieg zum Vormonat unterstellt hätten (März: 2,6% p.a.). Dazu habe eine Vielzahl an Faktoren beigetragen. Ein Rückgang des Preisniveaus zum Höhepunkt der Corona-Krise (Q2‘20) habe dazu geführt, dass Inflationsraten im April 2021 deutlich angestiegen seien (%-Veränderung zum Vorjahresmonat). Dieser Effekt, welcher auch Basiseffekt genannt werde, sei für den Großteil des Inflationsanstiegs im April verantwortlich gewesen und hätte die Inflationsrate auf etwa 3,7% p.a. steigen lassen.

Die Volatilität der Energiepreise spiele hierbei die dominante, aber nicht die einzige Rolle. Denn dass die US-Inflation nochmals 0,5%-Punkte höher ausgefallen sei, habe sich aus der erhöhten Inflationsdynamik der Kernrate (ex Lebensmittel und Energie) ergeben. Hier seien die Preise im Vergleich zum Vormonat bereinigt um saisonale Effekte 0,9% p.m. (Konsensus: 0,3%) gestiegen, was den höchsten monatlichen Preisanstieg seit April 1982 darstelle und von einer Vielzahl von Gütern und Dienstleistungen getragen worden sei. Im Mai sei davon auszugehen, dass erneut beide Faktoren inflationär wirken würden und die Gesamtrate in der Bandbreite zwischen 4,4 und 4,7% p.a. veröffentlicht werde (Kernrate 3,2% - 3,5% p.a.).

Der zusätzliche Basiseffekt werde nur noch gering ausfallen (+0,1%-Punkte) und bereits im Juni in die entgegengesetzte Richtung wirken - und das nicht unbeträchtlich. Interessanter werde aber sein, wie lange die Inflations-Dynamik (saisonal bereinigte Monatsveränderungen) in der Kernrate erhöht bleibe und wie dies die Kommunikation der US-Notenbank Federal Reserve beeinflusse, welche die vorübergehende Natur der jüngsten Inflationsanstiege betone. (Ausgabe vom 02.06.2021) (03.06.2021/alc/a/a)