USA: Inflation zieht (teilweise hurrikanbedingt) wieder deutlicher an!


15.09.17 10:20
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Am 14.09. wurden vom Bureau of Labor Statistics aktuelle Zahlen zu den Konsumentenpreisen (CPI) in den USA bekanntgegeben, so die Analysten der Nord LB.

Demnach sei es im August zu einem recht deutlichen Anstieg um 0,4% M/M gekommen. Die Jahresrate habe auf 1,9% angezogen. Die Konsumentenpreise exklusive Nahrung und Energie hätten das erwartete Plus von 0,2% M/M verzeichnet - hierbei sei es bei der Jahresrate von 1,7% geblieben.

Der Headline-Index sei etwas über den Erwartungen ausgefallen. Damit ende eine in den letzten Monaten zu beobachtende Reihe an Veröffentlichungen, die stetig unterhalb der Prognosen gelegen hätten. Befürchtungen einiger Marktteilnehmer, die Inflationsrate könne sukzessive weiter nachgeben und damit die FED perspektivisch bald wieder sogar zu einer Zinssenkung treiben, seien so klar zerstreut worden. Es kehre Leben zurück in die Inflation!

Beim Blick auf die Details falle auf, dass es bei den energiepreisrelevanten Bereichen zu einem größeren Preisdruck nach oben gekommen sei. So hätten die Energiepreise um 2,8% M/M, die Transportkosten um 1,4% M/M angezogen. Dagegen hätten Computerpreise Rückgänge um 0,4% M/M verzeichnet.

Die höheren Energiepreise würden bereits teilweise die Auswirkungen von Hurrikan Harvey beinhalten: Daten zur Ermittlung der Preisveränderungen würden über den ganzen Monat hinweg erhoben, sodass sich der Ende August in Texas gewütete Hurrikan Harvey bereits in den Zahlen niedergeschlagen habe. Die durchschnittlichen Benzinpreise in den USA hätten beispielsweise von 2,30 auf 2,60 USD je Gallone angezogen. Aber auch die Septemberwerte dürften von Harvey tangiert werden, sodass mit einem nochmaligen deutlichen Anstieg gerechnet werden sollte. In den Oktoberzahlen könne von wieder moderateren Preisdaten und einer Gegenbewegung ausgegangen werden.

Die Phase recht niedrigen Preisdrucks setze sich zwar fort - die Inflation sei aber nicht und für ewig tot. Mit 1,9% liege die Inflationsrate zunächst einmal weiter unter dem angepeilten Zielbereich der Federal Reserve. Die Notenbanker würden entsprechend mit einem Zinsschritt abwarten. Insofern werde auf dem Weg der langsamen Normalisierung des Leitzinsniveaus auf der kommenden FOMC-Sitzung eine Pause eingelegt.

Angesichts der anhaltend guten Arbeitsmarktlage sollte perspektivisch mit einem leicht zunehmenden Lohndruck gerechnet werden. Zusammen mit einem aktuell recht schwachen US-Dollar dürfte die Inflationsrate zum Jahresende damit etwas höher notieren - die Analysten würden dann wieder mit einem Wert von 2% und leicht darüber rechnen. Der heutige Anstieg der Kernrate um 0,2% M/M verdeutliche, dass das Szenario einer Zinsanhebung im Dezember aber wahrscheinlich bleibe.

Die Marktreaktionen seien im Anschluss an die Bekanntgabe der CPI-Zahlen moderat ausgefallen. Als markanteste Bewegung könne die kurzzeitige Aufwertung des US-Dollar erwähnt werden.

Mit dem Anstieg der Konsumentenpreise um 0,4% M/M werde der Inflation wieder etwas mehr Leben eingehaucht. Ein wesentlicher Faktor dürfte aber die Auswirkung des Hurrikans Harvey auf die Energiepreise gehabt haben. Mit temporären Beeinträchtigungen müsse auch in den kommenden beiden Monaten gerechnet werden. Perspektivisch sollte der Lohndruck zunehmen, so wie auch der schwache US-Dollar etwas inflationstreibend wirken dürfte. Entsprechend würden die Analysten zum Jahresende mit einer etwas höheren Inflationsrate rechnen. Eine Zinsanhebung der FED im Dezember bleibe damit das wahrscheinlichste Szenario der Analysten. Ungeachtet dessen werde die US-Notenbank aber kommende Woche den Beginn der Wertpapierverkäufe verkünden. (Ausgabe vom 14.09.2017) (15.09.2017/alc/a/a)