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USA: Inflation steigt auf 5% - das wird ein riskanter Job für die FED!


10.06.21 15:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Heute wurden vom Bureau of Labor Statistics aktuelle Daten zu den Konsumentenpreisen (CPI) in den USA bekanntgegeben, so die Analysten der NORD LB.

Zum zwölften Monat in Folge habe das Preisniveau angezogen. Im Mai sei ein Plus von 0,6% M/M gemeldet worden. Die Inflationsrate, die vor einem Jahr auf bis zu 0,1% Y/Y gefallen sei, sei nun auf 5,0% Y/Y gestiegen. Die Verbraucherpreise exklusive Nahrung und Energie (Kernrate) hätten sogar einen Zuwachs von 0,7% M/M verzeichnet. Die entsprechende Jahresrate sei auf 3,8% gestiegen.

Die Preisdaten würden mittlerweile zu den wichtigsten Zahlen für die Finanzmärkte gehören. Die Pandemie mit Schließungen und Wiedereröffnungen ganzer Wirtschaftsbereiche habe zu massiven Nachfrage- und damit auch Preisveränderungen geführt. Mit Erreichen der 5%-Marke liege die Inflationsrate auf einem 12-Jahreshoch und deutlich über dem Zielbereich der Federal Reserve. Allerdings dürfe davon ausgegangen werden, dass bereits die Juni-Daten niedriger ausfallen sollten.

Für den Sprung in der Jahresrate sei ein statistischer Basiseffekt mitverantwortlich gewesen. Denn die Rückgänge von -0,7% M/M und -0,3% M/M vom April bzw. Mai letzten Jahres seien zuletzt aus der Jahresstatistik herausgefallen. Dazu kämen aber aktuelle Faktoren: Erstens hätten die Energiepreise agezogen. Zweitens hätten Lieferunterbrechungen die Preise für Waren und Dienstleistungen in die Höhe getrieben, was sich in Frachtkosten im Schiffsverkehr sowie in Engpässen bei einigen technischen Produkten widergespiegelt habe. Das Problem könnte noch einige Monate anhalten. Drittens würden Wiedereröffnungen nach dem Lockdown und eine erhöhte Konsumnachfrage für Preisauftrieb sorgen. So seien die Gebrauchtwagen-, Event- wie auch Flugpreise massiv angestiegen. Ein gestauter Konsumrausch entlade sich, der sich perspektivisch wieder aber abschwächen dürfte. Viertens schienen auch die dem Arbeitskräftemangel geschuldeten Lohnsteigerungen zu Preisanhebungen geführt zu haben.

Strukturelle Veränderungen würden zu Recht zu neuen Inflationssorgen beitragen: Dazu gehöre das veränderte Mandat der FED wie Average Inflation Targeting, die Priorität Arbeitsmarkt vor Inflation sowie kein Handeln auf Basis von Prognosen, sondern erst bei entsprechender Datenlage. Die Fiskalpolitik schlage in Sachen Ausgaben und Schulden derzeit alle historischen Rekorde, neben der Pandemiebekämpfung kämen Programme für Infrastruktur und Klimaschutz hinzu. Zu erwähnen seien auch die Abnahme des Arbeitskräfteangebots (Demographie), ein zunehmender Protektionismus, die Rohstoffnachfrager China und Indien sowie ein verstärkter Aufbau heimischer Produktion.

Insofern sei die Frage berechtigt, ob Inflation nur ein temporäres Phänomen sei, wie es die FED ansehe. Basiseffekte, Pandemieauswirkungen (Arbeitslosigkeit) sowie die konjunkturell dämpfenden Effekte von Inflation (Feedback-Effekte) würden dafür sprechen. Nach Erachten der Analysten der NORD LB dürfte sich das erhöhte Inflationsplateau aber noch etwas länger hinziehen und die FED werde sich erst spät zu einer Reaktion entscheiden, die dann allerdings ungemütlicher für die Finanzmärkte ausfallen könnte.

Fazit: Die US-Konsumentenpreise seien im Mai um 0,6% M/M gestiegen, die Inflationsrate habe auf ein 12-Jahreshoch bei 5,0% Y/Y angezogen. Wie schon im Vormonat seien als Gründe statistische Basiseffekte, Lieferengpässe bei technischen Produkten und Rohstoffen, ein erstes "Entladen" von Konsumwünschen (Autos, Flüge, Events) sowie Auswirkungen von Lohnzuwächsen zu nennen. Aber auch längerfristige Faktoren würden für zunehmende Inflationssorgen sorgen - zu Recht. Dazu würden beispielsweise ein angepasstes Mandat der FED, ausufernde Fiskalpolitik mit weiteren Ausgabenzielen wie Infrastruktur und Klimaschutz, demographische oder protektionistische Faktoren gehören. Die FED werde das länger anhaltende Inflationsplateau stoisch abwarten wollen - vielleicht aber zu spät handeln, was perspektivisch ungemütlich für die Finanzmärkte werden könnte. Die Risiken für ein Fehlagieren seien gestiegen! (10.06.2021/alc/a/a)