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USA: Die Inflation ist voraussichtlich auch im April gesunken


11.05.20 08:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Der Nebel beginnt sich mehr und mehr zu lichten, werden doch nun zunehmend US-Konjunkturindikatoren für das zweite Quartal veröffentlicht, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Den Anfang hätten letzte Woche Arbeitsmarktindikatoren gebildet und diese Woche würden Inflation (VPI), Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion für den Monat April veröffentlicht. Für Letztere sei nochmals ein deutlicher Rückgang zu erwarten, sollte doch der Effekt der Eindämmungsmaßnahmen im April am ausgeprägtesten gewesen sein. Aufschlüsse darüber, ob diese bereits den Tiefpunkt markieren würden, könnten erste Stimmungsindikatoren für den Monat Mai liefern (Empire State Index, University of Michigan Konsumentenstimmung). Insbesondere Erwartungskomponenten sollten hierbei im Fokus der Märkte stehen. Die Inflation sei voraussichtlich auch im April gesunken. Sinkende Energiepreise würden den Rückgang der Headline-Rate dominieren, aber auch die Kernrate könnte im April einen deutlicheren Rückgang aufweisen. Bereits im März sei die Preisentwicklung der Subkomponenten Güter und Transportdienstleistungen rückläufig gewesen.

Die Treasury-Renditekurve sei im Wochenvergleich steiler geworden. Der Renditespread zwischen 1-jähriger und 10-jähriger Laufzeit (1J10J) habe vorübergehend 55 BP betragen, jener zur 30-jährigen Laufzeit (1J30J) sogar 125 BP. Der Renditeanstieg längerer Laufzeiten zu Wochenmitte stehe im Zusammenhang mit einer deutlichen Ausweitung des geplanten Emissionsvolumens im dritten Quartal. Das US-Finanzministerium habe bekannt gegeben, zwischen April und Juni USD 2.999 Mrd. (exklusive Reinvestitionen) am Kapitalmarkt aufzunehmen. Der Großteil davon werde in Treasury-Bills begeben (USD 2.750 Mrd.), dennoch würden insbesondere Emissionen mit Laufzeiten von über sieben Jahren aufgestockt und eine 20-jähirge Anleihe neu eingeführt. Der Geldmarkt diene als Schockabsorber, sodass mittelfristig der Anteil von Bills abnehmen sollte und längere Laufzeiten einen größeren Teil der Schuldenaufnahme schultern werden müssten. Eine steilere Kurve sei demnach nachvollziehbar, der Rückgang von Renditen kurzer Laufzeiten zeige jedoch auch, dass die Nachfrage nach Treasuries weiter gut unterstützt bleibe.

Neben der Bilanzausweitung der Federal Reserve würden auch Zinserwartungen dämpfend auf die Renditen im kürzeren/mittleren Laufzeitensegment wirken. Die Betonung der Federal Reserve, dass COVID-19 auch mittelfristig substanzielle Risiken für den Konjunkturausblick berge, verzögere die erwartete geldpolitische Normalisierung. Federal Funds Futures seien nun für 2021 sogar leicht negativ und würden des Weiteren keine Zinserhöhung in 2022 preisen. Negative Leitzinsen würden jedoch seitens der Federal Reserve nicht in Aussicht gestellt. Im Gegensatz zur steileren Treasury-Kurve habe sich die Geldmarktkurve (LIBOR) verflacht. Seit Anfang April sei der 3-Monats USD Libor Zinssatz bei kaum verändertem Overnight Index Swap (OIS, 3M), um 100 BP gefallen und liege nun nahe 0,5%. Die Analysten der RBI würden erwarten, dass sich die Verflachung der Geldmarktkurve weiter fortsetze mit einem Ziel für den 3-Monats USD Libor nahe 0,3% bis Jahresende. (Ausgabe vom 08.05.2020) (11.05.2020/alc/a/a)