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USA: Inflation im Sturzflug (wie ja eigentlich alles andere auch…)


12.05.20 15:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Soeben wurden vom Bureau of Labor Statistics aktuelle Daten zu den Konsumentenpreisen (CPI) in den USA bekannt gegeben, so die Analysten der Nord LB.

Demnach sei es im April zu einem durchaus spektakulären Rückgang des Preisniveaus auf Verbraucherpreisebene um -0,8% M/M gekommen. Mit der Monatsrate im Dezember 2008 sei es der deutlichste Preisverfall nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Sturz der Inflationsrate von 1,5% auf nur noch 0,3% falle ebenfalls auf. Damit sei allerdings auch gerechnet worden. Die Verbraucherpreise exklusive Nahrung und Energie hätten ebenfalls einen Rückgang verzeichnet, der aber mit -0,4% etwas moderater ausgefallen sei. Die Jahresrate sei von 2,1% auf 1,4% zurückgegangen.

Ins Auge falle bei diesen Daten vor allem der rasante Sturzflug der Jahresrate auf einen Wert nur noch knapp über Null. Im Februar habe die Inflation noch bei 2,3% gelegen! Diese Tendenz sei natürlich der Coronakrise geschuldet: Die Nachfrage der Konsumenten sei im Zuge der Ausgehbeschränkungen und Kontaktverboten eingebrochen, was die (verbliebenen) Anbieter zu Preisnachlässen bei den Gütern, die überhaupt noch zur Verfügung stünden, treibe. Sicherlich habe es auch einige preistreibende Effekte gegeben - insbesondere die Nachfrage in Supermärkten sei sprunghaft angestiegen und habe in diesen Bereichen zu Preisanstiegen geführt.

Mitverantwortlich für den Rückgang insgesamt sei ein Einbruch der Energiepreise (-10% M/M) gewesen. Auch bei Flugreisekosten (-15% M/M), Kleidung (-4,7% M/M) und Gebrauchtwagen (-0,4% M/M) seien die Preise gen Süden gegangen, was wenig verwundere. Anziehende Preise seien dagegen bei den Nahrungsmitteln zur Versorgung zu Hause zu verzeichnen gewesen (2,6% M/M). Von diesem Effekt und von konstanten Wohnungsausgaben, welche immerhin 2/5 des Gesamtindex ausmachen würden, sei die Kernrate exklusive Energie und Nahrung abgefedert worden.

Wie seien die weiteren Perspektiven für die Preisentwicklung? Für die kommenden Monate sei auf der gesamten Verbraucherpreisebene eine Jahresrate von unter Null durchaus im Bereich des Möglichen. Man könne also eine gewisse Art von Deflation nicht ganz ausschließen. Ein erneuter Rückgang im Mai würde die Jahresrate schon auf die Nulllinie drücken. Ob diese dann als nur temporär oder anhaltend zu bezeichnen sei, werde von dem weiteren Verlauf der Ansteckungszahlen und der damit zusammenhängenden Lockerungsmaßnahmen beim Lockdown abhängen. Berücksichtigt werden müsse bei jeder Prognose auch noch einerseits die Gefahr einer "zweiten Welle" der Ansteckungen und andererseits die Möglichkeit eines wirksamen und breit zu Verfügung gestellten Medikaments. Diese beiden extrem gegensätzlichen Faktoren vorherzusagen vermöge aber am aktuellen Rand niemand ganz genau.

Die Konsumentenpreise in den USA seien im April deutlich um -0,8% M/M zurückgegangen. Entsprechend sei die Inflationsrate von 1,5% auf 0,3% Y/Y gefallen. Insbesondere die Energiepreise seien dafür mitverantwortlich gewesen. Auch die Kerninflationsrate sei zurückgegangen - wenngleich weniger deutlich, da die anziehenden Nahrungsmittelpreise wie auch die Wohnausgaben stabilisiert hätten. Die Nachfrage der Konsumenten sei im Zuge der Ausgehbeschränkungen und Kontaktverboten eingebrochen, was die Anbieter zu massiver Preisnachlässen bei den Gütern, die überhaupt noch zur Verfügung stünden, treibe.

Für die kommenden Monate sei eine Jahresrate von unter Null durchaus im Bereich des Möglichen. Man könne also eine gewisse Art von Deflation nicht ganz ausschließen. Ob diese dann als nur temporär oder anhaltend zu bezeichnen sei, werde von dem weiteren Verlauf der Ansteckungszahlen, der Lockerungsmaßnahmen beim Lockdown und einer Konjunkturstabilisierung abhängen. (12.05.2020/alc/a/a)