USA: Eskalation im Handelsstreit stützt Kurse von Staatsanleihen


10.09.19 11:45
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - US-Schatzanweisungen blicken auf einen Monat mit einer beeindruckenden Kursentwicklung zurück, so die Experten von Union Investment.

Auf Indexebene (J.P. Morgan Global Bond US-Index) hätten die US-Papiere im Monatsvergleich um 3,6 Prozent zugelegt. Ein sonst eher aktienüblicher Wert. Für die große Nachfrage habe es gleich mehrere Ursachen gegeben. Einen großen Einfluss habe die neuerliche Eskalation im Handelsstreit mit China gehabt.

Nachdem US-Präsident Donald Trump Ende Juli nun auch Zölle auf das restliche noch nicht betroffene Handelsvolumen mit China angekündigt habe, sei im August die Antwort aus Peking gefolgt. Mit Zöllen auf Öl und Soja habe man die US-Wirtschaft an ihrer Achillesferse getroffen. Die Reaktion aus Washington sei nur wenige Stunden später gefolgt. Es verwundere nicht, dass China zunehmend weniger gesprächsbereit sei. Mit den neuen Zöllen dürfte nun auch der US-Verbraucher die Auswirkungen zu spüren bekommen, weshalb gleichzeitig die Wachstumssorgen zugenommen hätten.

Auch wenn einige Laufzeitbereiche der US-Zinsstrukturkurve schon seit einer Weile invers seien, habe nun erstmals auch die Rendite zehnjährige Schuldverschreibung unter der von zweijährigen Staatsanleihen gelegen. In der Vergangenheit sei dies ein wichtiger Indikator für eine drohende Rezession gewesen.

Die Erfahrungen würden aber zeigen, dass der Einbruch erst nach durchschnittlich 13 Monaten erfolgt sei. Noch bleibe also Zeit gegenzusteuern. Viele Marktteilnehmer würden nun auf ein Eingreifen der US-Notenbank FED hoffen. Auch Donald Trump lasse derzeit kaum eine Gelegenheit aus, um Zinssenkungen zu fordern. Die Attacken des US-Präsidenten seien den Notenbankern jedoch ein Dorn im Auge, würden sie doch zunehmend um ihre Unabhängigkeit fürchten. Momentan würden sich die Währungshüter daher noch zieren und betonen, wie solide die US-Wirtschaft sei. Während die Marktteilnehmer bis Sommer nächsten Jahres mehrere Zinsschritte einpreisen würden, sehe die FED einen geringeren Handlungsbedarf. Derzeit sei noch offen, ob es der Notenbank gelinge, die hohen Erwartungen an sie etwas zu dämpfen. Für September jedenfalls gelte eine Zinssenkung um 25 Basispunkte als ausgemacht. Nach vorn gerichtet sei also vorerst nicht mit steigenden Renditen zu rechnen. (Ausgabe vom 06.09.2019) (10.09.2019/alc/a/a)