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USA: Divergente Inflationsdynamik hält an


12.10.20 08:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die ungebrochene Konjunkturerholung in den USA zeigt bislang, dass selbst während einer Phase der Koexistenz von Virus und Wirtschaft, ohne der Verfügbarkeit einer effektiven Impfung, eine solide Konjunkturdynamik aufrechterhalten werden kann, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Während Umfrageindikatoren im Dienstleistungssektor in der Eurozone zuletzt eine gedämpfte Stimmung widerspiegelt hätten, habe der ISM Index für das nicht-verarbeitende Gewerbe in den USA erneut überzeugen können. Die Komponenten Geschäftsaktivität (63), Auftragseingänge (61,5) und erstmals auch Beschäftigung (51,8) seien im Expansionsniveau berichtet worden. Nächste Woche stünden erste Stimmungsindikatoren für den Monat Oktober am Datenkalender (Empire State Index, Philly Fed Index und Konsumentenstimmung der University of Michigan). Es werde von einer Fortsetzung der optimistischen Zukunftsaussichten ausgegangen und auch die Einschätzung der aktuellen Lage könnte sich, insbesondere im verarbeitenden Gewerbe, weiter verbessern. An Konjunkturdaten würden darüber hinaus Einzelhandelsumsätze und Industrieproduktion sowie die Verbraucherpreisinflation veröffentlicht, womit sich die Datenlage für das dritte Quartal komplettiere. Letztere sei kontinuierlich gestiegen und habe im Unterschied zur Eurozone sowohl im Gesamtindex als auch in der Kernkomponente Inflationsraten von über 1% vorweisen können. Im September sei ein neuerlicher dennoch verhaltener Anstieg der Inflationsrate möglich, so würden Inflations-Nowcasts (Cleveland FED) die Inflationsrate bei 1,4% zeigen. Bei den realen Indikatoren sollte sich vorwiegend die Erholung im verarbeitenden Gewerbe fortsetzen, während sich weitere Zuwächse der Einzelhandelsumsätze als schwieriger erweisen könnten. (Marktausblick Rentenmärkte vom 09.10.2020)

Am Treasury-Markt habe sich die Renditekurve im Wochenvergleich versteilt. Die Rendite 10-jähirger Staatsanleihen sei um 6 Basispunkte gestigen, während sich die 2-jährige Rendite nur marginal erhöht habe. Der Renditeanstieg längerer Laufzeiten könne zu einem nicht unwesentlichen Teil auf höhere Inflationserwartungen zurückgeführt werden. Die 10-jährige Breakeven Inflation habe 1,7 % erreicht. Die Aussicht auf eine demokratische Mehrheit im Senat nach der Präsidentschaftswahl sollte den Weg zu einem umfassenden Fiskalpaket ebnen. Das Protokoll der letzten FED-Sitzung unterstreiche die Notwendigkeit weiterer Fiskalmaßnahmen, um die wirtschaftliche Erholung nicht zu gefährden. Weiters würden die Mitglieder des Offenmarktausschusses den Inflationsausblick der nächsten Jahre als gedämpft erachten, obwohl die Inflationsdynamik der letzten Monate stärker ausgefallen sei als erwartet. Das Renditeniveau längerer Laufzeiten werde als sehr niedrig erachtet, sodass zusätzliche Maßnahmen, um das Zinsniveau weiter zu senken, als nicht notwendig angesehen würden. Nichtdestotrotz werde angedacht, in zukünftigen Zinssitzungen genauer auf die Rolle der Anleihekäufe (QE) einzugehen. (12.10.2020/alc/a/a)