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USA: Ausverkauf von Staatsanleihen - Renditen auf den höchsten Niveaus seit März


16.11.20 10:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Nach der geschlagenen Präsidentschaftswahl rückt COVID-19 auch in den USA wieder vermehrt in den Fokus, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Dynamik täglicher Neuinfektionen sei besorgniserregend und im Unterschied zu den vorangegangenen Wellen nicht auf einzelne Regionen eingrenzbar. Dennoch seien drastische Verschärfungen der Beschränkungen, wie etwa in Europa, bislang ausgeblieben, was auch dadurch begründet sei, dass die Todeszahlen noch vergleichsweise niedrig seien. Insbesondere in den bevölkerungsreichen Bundesstaaten Florida, Kalifornien, New York und Texas, wo die Infektionsdynamik noch eher verhalten sei, müsse diese genauestens beobachtet werden.

COVID-19 bleibe das dominante Risiko für die Konjunkturentwicklung, insbesondere für die nächsten beiden Quartale. Bis zuletzt habe sich die Konjunkturdynamik in den USA als durchaus solide gezeigt. Für den Oktober werde sowohl im Einzelhandel als auch im Industriesektor eine Fortsetzung der Erholung erwartet. Im Unterschied zum Einzelhandel, welcher das Vorkrisenniveau um 4% überschritten habe, liege die Industrieproduktion noch 7% unter dem Vorkrisenniveau. Diese Divergenz sollte sich in den nächsten Monaten abbauen, wenn auch im September ein Catch-Up der Industrieproduktion noch ausgeblieben sei. Die Geschäftsstimmung im Verarbeitenden Gewerbe sei nach wie vor hoch (ISM zuletzt bei 59,3). Diese Woche würden erste regionale Stimmungsindikatoren für den Monat November veröffentlicht (Empire State Index, Philly FED Index), welche auf Niveaus nahe dem Durchschnitt der letzten Monate erwartet würden.

Der Treasury-Markt sei, als sicherer Hafen, zuletzt maßgeblich durch Risk-on-/Risk-off-Bewegungen auf dem breiteren Finanzmarkt getrieben gewesen. Die positiven Nachrichten zu Fortschritten bei der Impfstoffentwicklung hätten zu einem Ausverkauf von Staatsanleihen geführt, sodass Renditen die höchsten Niveaus seit März erreicht hätten. Die Volatilität habe zugenommen und Renditen hätten seitdem bereits wieder etwas nachgegeben. Neben der besorgniserregenden Infektionsdynamik habe auch eine geringer als erwartete Inflationsdynamik den Optimismus gebremst. Konsumentenpreise hätten im Oktober stagniert, was zu einem Rückgang der Inflationsraten (%, p.a.) auf 1,2% bzw. 1,6% (Kernrate) geführt habe. Die Einschätzung steigender Inflationsraten sei ein wesentlicher Treiber des Renditeanstiegs der letzten Wochen gewesen. Vor diesem Hintergrund sollte auch abermals betont werden, dass die strategische Neuausrichtung der FED eine lange Phase expansiver Geldpolitik impliziere, was Renditen bis ins mittlere Laufzeitensegment dämpfe. (Ausgabe vom 13.11.2020) (16.11.2020/alc/a/a)