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USA: Nach dem Arbeitsmarktbericht wird sich der Fokus auf die Verbraucherpreisinflation verlagern


11.10.21 11:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Nach dem Arbeitsmarktbericht wird sich der Fokus wohl auf die US-Verbraucherpreisinflation verlagern, welche zur Wochenmitte veröffentlicht wird, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Vor dem Hintergrund einer niedrigeren Kerninflation habe sich die Inflationsdynamik im August abgeschwächt, als die saisonbereinigte Preisveränderung gegenüber dem Vormonat bei 0,27% für die Gesamtinflation und 0,1% für die Kernrate gelegen habe (gegenüber 0,47% und 0,33% im Juli). Dies habe dazu geführt, dass sich die Inflationsraten von einem hohen Niveau ausgehend leicht rückgebildet hätten (5,3% p.a. Gesamtrate gegenüber 4% p.a. Kernrate). Es werde erwartet, dass die Kernrate im September nahe beim aktuellen Niveau bleiben werde, während die Energiepreise die Gesamtrate nach oben treiben würden. Die Preise für Erdöl und insbesondere für Erdgas seien im September gestiegen, wovon ein erster Teil bereits auf die Verbraucherpreise durchschlagen könnte.

Abgesehen von den Effekten rund um Energiepreise werde die Inflationsveröffentlichung auch Aufschluss darüber geben, inwieweit die preisdämpfenden Auswirkungen der Delta-Welle bereits nachgelassen hätten. Inflationsrisiken würden auch durch Lieferengpässe geschürt, welche bereits länger andauern würden als gedacht. Hier habe sich die Preisentwicklung im Automobilsektor als ein hilfreicher Indikator erwiesen. Angesichts dieser Vielzahl von Faktoren dürfte die Veröffentlichung der September-Inflation für die Märkte von Interesse sein, wenn auch deren Erklärungsgehalt über dauerhafte Effekte noch beschränkt sein dürfte.

Die weiteren Indikatoren in den kommenden Tagen würden hochfrequente Daten zur Realwirtschaft und Umfragen umfassen. In den USA stünden dabei die ersten regionalen Konjunkturumfragen und das Konsumentenvertrauen sowie der Einzelhandelsumsatz im Fokus. In der Eurozone sei laut Länderergebnissen mit einem kräftigen Rückgang der Industrieproduktion im Vergleich zum Vormonat zu rechnen. Berichten zufolge werde die Dynamik der Produktion eher durch Engpässe bei Vorleistungsgütern als durch abflauende Nachfrage gehemmt. Unsere Einschätzung zu den ZEW-Indikatoren beruht auf den Ergebnissen der Sentix-Erhebung, welche eine Verbesserung der Zukunftsaussichten und eine Eintrübung der aktuellen Lage auswies, so die Analysten der RBI.

Die vergangenen Tage hätten im Zeichen der ergänzenden Kommunikation der EZB gestanden. Damit seien Auftritte von wichtigen Ratsmitgliedern, Interviews, Schriftstücke etc. gemeint, die tiefer in die Überlegungen und Positionierungen zu wichtigen Themen blicken lassen würden. Laut Mitschrift zur letzten Notenbanksitzung habe eine stärkere Reduktion der Anleihekäufe ebenfalls zur Debatte gestanden (substanziell statt wie beschlossen moderat). Interessant auch, dass einige Ratsmitglieder die geringe längerfristige Inflationsschätzung kritisch gesehen hätten. Dagegen sei vorgebracht worden, dass Modellberechnungen eine noch niedrigere Teuerung für das Jahr 2023 ergeben hätten als in den Prognosen angesetzt. Die beiden Direktoren Schnabel und Lane hätten auf einer Konferenz das gängige Narrativ unterstrichen, dass die aktuell hohe Inflationsrate vorübergehend sei. Doch während der Erstere für die kommenden Jahre auch Unsicherheiten angeführt habe, sodass eine höhere Teuerung möglich sei als prognostiziert, habe Zweiterer betont, dass die Datenlage recht klar darauf hinweise, dass der zugrunde liegende Preisdruck weiterhin gering sei.

Wir fassen die angeführten und diverse weitere Informationen der letzten Zeit wie folgt zusammen: Die Nuancen des monetären Impulses und der Inflationsentwicklung werden recht intensiv diskutiert, so die Analysten der RBI. In Summe werde die Notenbank ihr Inflationsziel gut abgesichert (für längere Zeit erreicht) haben wollen und eher mehr und länger Unterstützung geben als proaktiv zu agieren. Dazu passe die Meldung, dass an einem Anleihekaufprogramm gearbeitet werde, das dem Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) nachfolgen könnte. Die EZB wolle also mit dem Ablauf des Krisenprogramms keinen abrupten Rückzug bzw. keine schockartige Reaktion am Finanzmarkt zulassen.

Nach dem Protokoll der EZB-Sitzung letzte Woche folge diese Woche die Veröffentlichung des Protokolls der September-Zinssitzung der Federal Reserve. Darin werde man nach Diskussionen zum Tapering, aber auch zum Wirtschaftsausblick 2022/23 Ausschau halten. Der Konsensus das Tapering noch in diesem Jahr zu starten, scheine groß zu sein, welche unterschiedlichen Positionen es zum Tempo innerhalb des Offenmarktausschusses gebe, sei aber weniger bekannt. Das Ausmaß der ersten Reduktion der Netto-Anleihekäufe werde eine wichtige Signalwirkung für den unterstellten Verlauf haben. Des Weiteren würden Ausführungen zu den Wirtschaftsprognosen im Protokoll enthalten sein. Im Vergleich zur Juni-Zinssitzung sähen viele Mitglieder des Offenmarktausschusses nun einen früheren Beginn des Leitzinsanhebungszyklus als wahrscheinlich. Da dieser mit dem Inflationsausblick und insbesondere mit der Einschätzung zur Arbeitsmarktentwicklung in Verbindung stehe, seien Ausführungen zum Arbeitsmarkt sowie zur Lohnentwicklung von besonderem Interesse.

Am Finanzmarkt sei Inflation das bestimmende Thema der abgelaufenen Woche gewesen. Im Zuge der Anstiege bei den Öl- wie auch bei den Gaspreisen hätten Inflationserwartungen erneut zulegen können, auch in den USA. Mittelfristige Inflationserwartungen seien am Swapmarkt (5JF5J) in den USA auf 2,5% und in der Eurozone auf 1,8% angestiegen. Auf Sicht der letzten fünf Jahre liege man damit nahe den Höchstständen. Das Inflationsthema werde in den nächsten Wochen wohl kaum an Präsenz verlieren, erweise sich das Narrativ vorübergehender Inflationsanstiege als richtig, seien weitere Anstiege der Inflationserwartungen vom aktuellen Niveau jedoch nicht als nachhaltig zu bewerten. Im Sog der Inflationserwartungen hätten Bund- als auch Treasury-Renditen zugelegt. (Ausgabe vom 08.10.2021) (11.10.2021/alc/a/a)