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UK: BoE mit weiterer Zinsanhebung - Konjunktur bremst aber ab


03.05.22 11:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Im Vereinigten Königreich haben die Haushalte zunehmend mit Kaufkraftverlusten durch eine Inflationsrate bei 7% zu kämpfen, so die Analysten der Nord LB.

Obwohl sich mit dem langsamen Auslaufen der Coronavirus-Krise eigentlich neue wirtschaftliche Impulse hätten ergeben sollen, seien im Februar und März die Einzelhandelsumsätze bereits zurückgegangen, und auch die Industrieproduktion und die Bauinvestitionen hätten im Februar jeweils Rückgänge verzeichnet. Preisbelastungen und Stimmungsverschlechterungen unter Verbrauchern und Unternehmen würden die konjunkturellen Perspektiven zunehmend verdunkeln.

Weitere Belastungsfaktoren seien die zuletzt deutlich gestiegenen (Hypotheken-)Zinsen, ein robustes Pfund sowie die in Großbritannien spürbaren Lieferengpässe. Auch die Auswirkungen des Brexit - Stichwort Personalengpässe - würden den Unternehmen zu schaffen machen. Insofern dürfte die Bekanntgabe des am 12. Mai anstehenden BIP-Wachstums für das erste Quartal starke Beachtung finden. Da die Arbeitslosenquote auf 3,8% gefallen sei und der Anstieg der Stundenlöhne bei 4 bis 5% liege, sei die Bank of England - trotz aller konjunkturelle Ungewissheiten - zum Handeln gezwungen.

Das Monetary Policy Committee der Bank of England werde auf der Sitzung am 5. Mai erneut den Leitzins anheben. Mit dann 1,00% werde das Niveau erreicht, ab dem die BoE angekündigt habe, einen aktiven Verkauf von Wertpapieren in Betracht zu ziehen. Bisher habe die BoE als eine der ersten Notenbanken zwar mit der Beendigung der Reinvestition von auslaufenden Bonds den Prozess des Quantitative Tightenings (QT) eingeläutet, doch dieser sei ohne einen direkten Verkauf in seiner Wirkung eher stumpf. Derzeit sehe es aber nicht danach aus, dass bereits im Mai der zweite Schritt erfolgen werde, da u.a. aus Liquiditätsgründen der Zeitpunkt nicht ideal erscheine. Dennoch dürfe damit in den kommenden Monaten gerechnet werden.

Der Krieg in der Ukraine habe auch für die BoE die eigentlich fest angestrebte und notwendige rasche geldpolitische Neuausrichtung etwas verkompliziert. Insofern werde die BoE vorsichtiger agieren, vor allem wenn sich der Krieg noch länger hinziehen sollte. Diese Erwartungen würden bereits ihren Ausdruck in den Tendenzen des zuletzt wieder etwas schwächeren Britischen Pfundes finden, da sich zudem auch die Aussichten für die EZB-Geldpolitik viel weniger expansiv darstellen würden als noch vor einigen Wochen. So habe der Euro wieder etwas angezogen und notiere bei knapp 0,85 GBP nahe dem Durchschnittswert aus diesem Jahr. (Ausgabe Mai 2022) (03.05.2022/alc/a/a)