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Türkische Zentralbank strafft Währungspolitik unerwartet stark - Weiteres Straffen notwendig?


14.09.18 13:30
PGIM Fixed Income

Newark (www.anleihencheck.de) - Dr. Jürgen Odenius, Economic Counsellor bei PGIM Fixed Income, kommentiert die jüngste Entscheidung der Türkischen Zentralbank.

Die allgemeine Verschuldung der türkischen Regierung ist nach Ansicht der Experten von PGIM Fixed Income weiterhin kontrollierbar. Voraussetzung sei jedoch, dass das Krisenmanagement die Regressansprüche der Privatwirtschaft auf die Zahlungsfähigkeit der Regierung ausrichte. Die Entscheidung, die Währungspolitik zu straffen und den nominalen Anker zu stabilisieren, helfe dabei, Währungsinkongruenzen in der Bilanz des privaten Sektors zu schmälern. Im weiteren Sinne führe dies auch dazu, dass sich die Risiken von ansteigenden Verbindlichkeiten aus dem Privatsektor nicht in der Bilanzierung des öffentlichen Sektors niederschlagen würden.

Folgende Punkte würden die Experten von PGIM Fixed Income hervorheben:

Die Türkische Zentralbank habe ihre Währungspolitik unerwartet stark gestrafft - um 625 Basispunkte auf 24 Prozent. Dadurch sei eine beträchtliche Anzahlung auf eine nötige Stabilisierung der Lira und Wiederherstellung des nominalen Ankers geleistet worden. Obwohl der Realzins gerade bei 6 notiere, könnte dieser Wert weiter erodieren, falls die Inflation weiter ansteige. Deshalb sei nach Ansicht der Experten von PGIM Fixed ein weiteres Straffen der Währungspolitik in den kommenden Monaten notwendig.

Ein Wiederherstellen des Vertrauens auf dem Markt erfordere ein umfassendes geldpolitisches Programm. Das Budget für das Jahr 2019 biete die entscheidende Chance, die Geldpolitik mit gesunden fiskalischen Maßnahmen zu begleiten. Dies würde eine überfällige Neugewichtung der Wirtschaft stützen und gleichzeitig externen Finanzierungsbedarf reduzieren.

Man nehme an, dass das Resultat auf die Abwertung der Lira einen weiteren Anstieg der Inflation sein werde. Dies könnte nach Ansicht der Experten von PGIM Fixed den Realzinssatz erneut deutlich aushöhlen.

Die Wirtschaftsindikatoren würden ein starkes Abschwächen suggerieren. Unseren Einschätzungen nach signalisieren die derzeitigen wirtschaftlichen Risiken eine Stagflation, so die Experten von PGIM Fixed. Ein solcher Abschwung sei erforderlich, um eine dringend benötigte Neugewichtung zu fördern. Hierbei wäre es hilfreich, das anhaltende Leistungsbilanzdefizit zu entleeren und den schwindelerregenden externen Finanzierungsbedarf der Türkei abzuschwächen. Doch selbst wenn die externen Defizite verschwinden würden, der externe Finanzierungsbedarf würde im kommenden Jahr weiterhin bei 200 Milliarden US-Dollar liegen.

Die größtenteils aus dem Privatsektor stammenden, großvolumigen Auslandsverbindlichkeiten seien nach Erachten der Experten die primären Schwachstellen der Türkei. Alleine die kurzfristigen externen Schulden lägen bei 120 Milliarden US-Dollar per Ende Juni. 96 Milliarden US-Dollar kämen aus dem Privatsektor und 24 Milliarden US-Dollar seien von öffentlichen Banken erhoben worden. Bis Ende März 2018 habe die externe Verschuldung bei insgesamt 467 Milliarden US-Dollar gelegen. Von diesem Betrag würden 141 Milliarden US-Dollar auf den öffentlichen Sektor entfallen, aufgeteilt zwischen Regierungen (95 Milliarden US-Dollar) und öffentlichen Banken sowie staatlichen Unternehmen (insgesamt 46 Milliarden US-Dollar).

Nach einem jahrzehntelangen Wachstumsschub sei nun unklar, ob die Behörden versuchen würden, einer Rezession mit steuerlichen Anreizen entgegenzuwirken. Die Budgetaufteilung für das Jahr 2019 befinde sich derzeit in einem Umbruch. Zudem würden neuste Gerüchte aus Ankara nahe legen, dass sich momentan eine breite Front für fiskalische Transparenz und Aufrichtigkeit formiere. Der Haushaltsentwurf für das Jahr 2019 und die mittelfristige Finanzplanung würden voraussichtlich in Kürze veröffentlicht werden. Diese Pläne würden eine gute Gelegenheit bieten, den wiederbelebten geldpolitischen Kurs mit soliden fiskalischen Maßnahmen zu begleiten. Eine erneuerte geldpolitische Transparenz könnte viel dazu beitragen, das Vertrauen des Marktes in die Finanzstärke des Staates wiederherzustellen. (14.09.2018/alc/a/a)