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Türkei: Lira erneut unter Druck, nachdem Präsident weitere Notenbankmitglieder entlässt


02.11.21 09:15
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Präsident Erdogan hat die Finanzmärkte einmal mehr in Aufregung versetzt, so die Analysten von Raiffeisen Capital Management in einer aktuellen Ausgabe des "emreport".

Er habe drei weitere Mitglieder des für die Zinspolitik zuständigen Notenbankgremiums entlassen. Offenbar hätten diese sich zu stark gegen Zinssenkungen im aktuellen Umfeld ausgesprochen. Damit dürften wohl bald weitere Zinsschritte nach unten anstehen, selbst bei anhaltend hoher Inflation. Auf den Finanzmärkten sei das nicht gut angekommen; die Lira sei erneut unter Druck geraten. Mit einem Minus von fast 20% sei sie 2021 die bislang schwächste Schwellenländerwährung. Der Türkei drohe damit eine Wiederholung vergangener Zeiten, als Stimulus durch Zinssenkungen und höhere Kreditvergabe trotz hoher bzw. steigender Inflation erfolgt sei, was im Gegenzug die Landeswährung geschwächt habe.

Da eine schwächere Währung in der Türkei über die Importpreise maßgeblich die Inflation anheize, drohe auf diese Weise eine Spirale, die früher oder später nur durch drastische Zinsanhebungen zu stoppen sei. Präsident Erdogan sei angesichts schlechter Umfragewerte offenbar jedoch bereit, dieses Risiko neuerlich in Kauf zu nehmen, zumindest für eine gewisse Zeit. Der türkische Aktienmarkt habe im September deutlich nachgegeben. Einschließlich der ersten Oktoberhälfte habe er seit Ende August einen Rückgang um knapp 5% verbucht. (Ausgabe Oktober 2021) (02.11.2021/alc/a/a)