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Tschechiens Geldmarkt: Zentralbank erwägt unkonventionelle Maßnahmen, aber wohl nicht nötig


19.05.20 10:15
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Tschechische Zentralbank (CNB) hat sich mit der Regierung in einem koordinierten Versuch zusammengetan, eine schnelle Konjunkturerholung nach dem Covid-19-Schock zu ermöglichen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Der Leitzinssatz sei im März in zwei Schritten um 125 BP gesenkt worden, und vor der jüngsten Sitzung im Mai hätten die Märkte weitere 50 BP erwartet. Sehr zur Überraschung der Analysten sei die CNB aber noch weiter gegangen und habe um 75 BP, auf 0,25% gesenkt. Dies lasse der CNB nunmehr wenig Spielraum, um weiter konventionell zu lockern. Und da die CNB in ihren eigenen makroökonomischen Prognosen eher pessimistisch sei, werfe dies die Frage auf, welche Maßnahmen sie ergreifen könnte, falls sich die Wirtschaftsaussichten weiter verschlechtern würden. Ungeachtet dessen sollte die Inflation vorerst kein Thema sein.

Bei einem Treffen mit Analysten in der vergangenen Woche habe Vorstandsmitglied Holub alle überrascht, als er offen über die Möglichkeiten eines Rückgriffs auf ziemlich radikale unkonventionelle Maßnahmen diskutiert habe. Abgesehen von der offensichtlichen Senkung des Leitzinses nahe Null habe er Interventionen auf dem Devisenmarkt erwähnt. Dies sei bereits im Zeitraum 2013 bis 2017 getestet worden, und obwohl die Effekte bis heute umstritten seien, sei die Umsetzung reibungslos verlaufen. Auch QE habe auf Holubs Liste gestanden, für die die CNB kürzlich der notwendige gesetzliche Rahmen gewährt worden sei. Auch schließe man die direkte Renditekontrolle, Billigkredite und als letztes Mittel sogar negative Zinsen nicht aus.

Nach Meinung der Analysten werde sich nichts davon verwirklichen, wenn sich die wirtschaftlichen Aussichten nicht wesentlich verschlechtern würden. Die Analysten würden glauben, dass die monetären Bedingungen bereits ausreichend gelockert worden seien und dass die gegenwärtig schwache Krone in Verbindung mit einer langsamen, aber stetigen Erholung im Ausland einen ausreichenden Inflationsschub geben werde. Die Geldmarktsätze würden etwas weiter sinken, sich dann aber für das nächste Jahr in der Nähe des gegenwärtigen Niveaus stabilisieren. (Ausgabe vom 18.05.2020) (19.05.2020/alc/a/a)