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Das Trilemma der Indischen Zentralbank


01.09.20 10:30
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - In der Makroökonomik bezeichnet der Begriff des Trilemmas vereinfacht ausgedrückt das Problem, dass kein Land gleichzeitig eine offene Kapitalbilanz unterhalten, seinen Wechselkurs festlegen und dennoch eine unabhängige Geldpolitik betreiben kann, so die Analysten von Postbank Research.

Ein Beispiel für diese Situation biete Indien, das von 2019 bis 2020 sehr starke Kapitalzuflüsse aus dem Ausland erhalten habe. In Verbindung mit der sich abschwächenden Inlandsnachfrage habe dies dazu geführt, dass die Zahlungsbilanz einen erheblichen Überschuss von aktuell rund 60 Milliarden Dollar (rund 2,2 Prozent des BIP) aufweise. Angesichts dieses Überschusses habe die Indische Zentralbank (RBI) nun entweder eingreifen, um ihn zu absorbieren und INR (Indische Rupie)-Reserven aufzubauen, oder zurücktreten und die Rupie aufwerten lassen können. Im Zuge der Pandemie, als die Geldpolitik gelockert worden sei, sei der Fall noch problematischer geworden. Denn eine Aufwertung der Rupie stelle de facto eine Straffung der Geldpolitik dar.

Zudem habe sich die Inflation in Indien in den vergangenen Monaten beschleunigt und dürfte auch im August deutlich über sechs Prozent liegen. Darin liege das Trilemma: Wenn die RBI sich um die Inflationsentwicklung sorge, werde sie zögern, mehr Liquidität zu erzeugen und die Geldpolitik weiter zu lockern. Dies hindere die RBI auch daran, an den Devisenmärkten zu intervenieren, da so ebenfalls mehr INR-Liquidität geschaffen werde. Es bestehe daher am Markt die Befürchtung, dass nun entweder die Rupie stark aufwerte oder die Staatsanleiherenditen erheblich ansteigen würden oder, falls mehr Liquidität bereitgestellt werde, um diese Entwicklung zu verhindern, die Inflation weiter an Fahrt gewinne. Die RBI müsse deshalb den Trilemma-Druck über Instrumente und die Zeit verteilen, um zu verhindern, dass einer dieser Märkte verzerrt werde. (01.09.2020/alc/a/a)