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Treibt die Hitzewelle die Teuerung weiter an?


05.07.21 09:30
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Corona Pandemie scheint fürs Erste gebannt, jedenfalls in Deutschland und den unmittelbaren Nachbarn, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Hierdurch nehme die Konjunkturentwicklung wieder deutlich Fahrt auf, was sich sogar am Arbeitsmarkt spiegle. Selbst die Luftfahrt und die Gastronomie würden wieder dringend Fachkräfte suchen. Andererseits würden in der ganzen Welt die Teuerungsraten steigen. Die Bundesbank rechne jetzt für das laufende Jahr mit einer Inflationsrate von 2,6% statt wie bisher von 1,8%. "Dabei sind zum Jahresende vorübergehend Inflationsraten um 4% möglich", so Bundesbankpräsident Weidmann.

Die steigende Inflation sei aber ein internationales Phänomen. Aktuellen Daten zufolge sei sie in den USA im Mai auf 5,0% geklettert. Die FED erwarte jetzt für das Gesamtjahr 3,4%, deutlich mehr als das Ziel von 2%. Die EZB rechne für den Euroraum mit einer Teuerung von 1,9% im Juni 2021. Ein Treibriemen für die allgemeine Teuerung seien die Konsumentenpreise. Besonders kräftig würden gegenwärtig die Energiepreise steigen. Durch den weltweiten Konjunkturauftrieb würden sich die Rohölpreise über Erwarten erhöhen. Ein Liter Super koste jetzt 23% mehr als vor einem Jahr.

Der Ökostrom habe bisher keine Entlastung gebracht. Im ersten Halbjahr 2021 habe der Ökostrom aus Sonne, Windkraft und anderen erneuerbaren Energiequellen nach Branchenangaben nur noch 43% des Bruttostromverbrauchs in Deutschland gedeckt, nach 50% im Vorjahr. Die Erzeugung aus Windenergie an Land und auf See sei um rund 20% zurückgegangen. Nach den Regierungsplänen solle der Anteilerneuerbarer Energien bis 2030 auf 65% der gesamten Erzeugung steigen.

In anderen Industrieländern sehe das Bild nicht besser aus. Als neue Sorgenquelle komme jetzt noch die sommerliche Hitzewelle mit starken Unwettern hinzu. Temperaturen von 49,5°C, wie jetzt in Vancouver gemessen, könnten nur mit Tag und Nacht laufenden Klimaanlagen ertragen werden. Doch woher solle all der Strom kommen?

Der IWF habe in einer neuen Studie die Quellen für den Anstieg der Konsumentenpreise untersucht. Die Konsumentenpreise würden schon länger steigen, als die Pandemie anhalte. Im Sommer 2018 sei in China die Schweinepest ausgebrochen und habe die Schweinepreise um rund 50% angehoben. Seit dem Januar 2021 hätten sich die Konsumentenpreise sogar wieder etwas beruhigt.

Der Anstieg der Produzentenpreise wirke sich nur unterproportional auf die Konsumentenpreise aus, erfahrungsgemäß nur mit einem Anteil von 20%. Im späteren Verlauf 2021 und im nächsten Jahr könne das dann aber spürbar werden.

Der Transport von Nahrungsmitteln vom Hersteller zum Verbraucher habe sich seit einem Jahr deutlich verteuert. Das würden z.B. die Frachtraten in der Handelsschifffahrt zeigen. Eine Umkehr stehe vorerst nicht in Aussicht. Die hohen Dieselpreise und Lkw-Knappheit in manchen Regionen würden den Straßentransport verteuern. Die Produzentenpreise für Nahrungsmittel würden seit April 2020 um 47% steigen. Von Mai 2020 bis Mai 2021 seien die Preise für Sojabohnen und Weizen um 86% bzw. 111% gestiegen.

Eine ganze Reihe von Gründen spreche also für einen weiteren Anstieg der Inflationsraten. Dennoch würden sich die Notenbanken gelassen geben und erwarten, dass dies nur ein vorübergehender Effekt bleibe. Eine Mehrheit des FED halte eine erste Erhöhung der Geldmarktzinsen im Jahr 2023 für wahrscheinlich. FED-Chef Jerome Powell habe darauf hingewiesen, dass die Notenbank über wirksame Maßnahmen verfüge, um eine unerwartete Teuerungsbeschleunigung einzudämmen. Das möge einer der Gründe gewesen sein, warum der Goldpreis plötzlich unter die Marke von USD 1800 gefallen sei. Dennoch spreche das Umfeld weiterhin für steigende Edelmetallpreise.

Die Konjunkturerholung setze sich weltweit fort. Doch auch die Teuerungsraten würden steigen. Die Notenbanken würden mit Erhöhungen der Geldmarktzinsen wegen der absurd hohen Verschuldung aller Sektoren zögern. In realer Rechnung würden Zinsen und Rendite negativ bleiben.

Dispositionen:

- Festverzinsliche mit mittleren bis längeren Laufzeiten abbauen.
- Aktien aus den Bereichen erneuerbare Energien und Wasserstoff-Technologien bevorzugen.
- Die derzeitige Schwäche der Edelmetalle für lukrative Zukäufe nutzen. (Ausgabe vom 04.07.2021) (05.07.2021/alc/a/a)