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Tiefe Ausfallraten und Notenbankpolitik stützen High Yield-Bonds


11.10.21 13:00
Swisscanto Invest

Zürich (www.anleihencheck.de) - Das dritte Quartal stellte sich für High Yield-Investoren weniger ruhig dar als erwartet, so die Experten von Swisscanto Invest.

Die Flut an Neuemissionen, die im zweiten Quartal begonnen habe, habe bis in den Sommer angehalten und im Juli auf die Spreads gedrückt. Diese leichte Schwäche habe sich im August umgekehrt, als die Neuemissionspipeline ausgetrocknet sei und solide Aktienmärkte und verhaltene Staatsanleiherenditen ein günstiges Umfeld geboten hätten. Unter der Oberfläche jedoch habe sich einiges zusammengebraut.

Chinas regulatorische Verschärfungen in verschiedenen Sektoren hätten die Anleger verunsichert. Von größter Bedeutung für die Kreditmärkte seien die damit verbundenen Entwicklungen im Immobiliensektor des Landes gewesen, zu dem große Anleiheemittenten wie die China Evergrande Group gehören würden. In Europa und den USA hätten die Anleger unterdessen begonnen, die möglichen Folgen einer etwas weniger expansiven Geldpolitik der Zentralbanken abzuwägen.

"So beliefen sich am Ende die Renditen US-amerikanischer und europäischer Hochzinsanleihen im dritten Quartal auf 0,8 beziehungsweise 0,7 Prozent (EUR, hedged). Dieses Ergebnis war ausschließlich auf die Kuponerträge zurückzuführen, während der durchschnittliche Anleihekurs sogar sank. Die Hochzinsanleihen der Schwellenländer erzielten negative 2,5 Prozent und fielen den Entwicklungen in China zum Opfer. Auf Jahressicht steht für global investierende High Yield-Investoren immer noch ein ordentliches Plus von drei bis fünf Prozent - je nach Strategie", sage Stefan Chappot, Manager des Swisscanto (LU) Bond Fund Responsible Short Term Global High.

Positiv für den Markt der High Yield-Bonds seien die tiefen Ausfallraten. Gemäß Moody's betrage der globale Wert drei Prozent auf Sicht der vergangenen zwölf Monate. "Für 2022 rechnet der Markt sogar mit einer noch niedrigeren Ausfallquote von weniger als zwei Prozent. Angesichts des langfristigen Durchschnitts von 4,2 Prozent stimmt diese Entwicklung zuversichtlich und ist unterstützend. Zudem beobachten wir eine Erholung auf der Fundamentaldaten-Seite und Wachstum bei den relevanten Sektoren im High Yield-Markt, insbesondere bei der Old-Economy, die 2020 sehr gelitten hatte", so Chappot.

Die Notenbank-Politik der EZB und der FED hätten bis dato ebenfalls für ein günstiges Umfeld am Kapitalmarkt gesorgt, welches es auch Unternehmen mit geringerem Rating erlaubt habe, sich einfach zu refinanzieren. Der niedrige Zinsmarkt habe Unternehmen zudem die Möglichkeit gegeben, sich aktuell zu attraktiven Konditionen zu refinanzieren für Schulden, die in zwei oder drei Jahren fällig seien. Die Unternehmen sollten entsprechend künftig, im Falle von höheren Zinsniveaus, weniger Refinanzierungsbedarf haben und nicht vor Probleme gestellt werden.

"Steigende Zinsen sind für High Yield-Investoren nicht so problematisch aufgrund der geringeren Zinssensitivität der Anlageklasse im Vergleich zu Investment Grade-Anleihen. Die Duration im High Yield-Markt ist signifikant kürzer. Und mit einer Spezialisierung auf Short Term High Yield-Bonds erhalten Anleger eine noch tiefere Duration. Daher eignen sich Short Term-Lösungen insbesondere für Investoren, die mit Zinserhöhungen rechnen", meine der Fondsmanager.

Ausblickend sage Chappot: "Wir erwarten, dass sich die Spreads im vierten Quartal seitwärts bewegen oder moderat auseinanderlaufen werden. Das Risiko einer wesentlichen Ausweitung bleibt jedoch unseres Erachtens gering angesichts der anhaltenden Verbesserung der bilanziellen Fundamentaldaten, der extrem niedrigen Ausfallraten und der starken Suche nach Rendite. Eine gewisse Erholung der Wirtschaftsdaten nach der Deltabedingten Abschwächung im Sommer ist wahrscheinlich. Sollte dies bestätigt werden, könnte das Thema Reflation an Dynamik gewinnen und die Renditen von Staatsanleihen ihren jüngsten Anstieg wieder aufnehmen. In einem solchen Szenario wird High Yield von seiner starken Carry-Eigenschaft profitieren und wir rechnen damit, dass High Yield andere festverzinsliche Anlageklassen weiterhin übertreffen wird." (11.10.2021/alc/a/a)