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Temporäres Anziehen der Inflationsraten?


23.02.21 11:30
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Die anziehenden Inflationserwartungen - insbesondere in den USA - rücken zunehmend in den Fokus der Kapitalmarktbeobachter, so Dr. Frank Wohlgemuth, CIIA bei der National-Bank AG.

Die sich daran anschließende Frage laute: Handle es sich dabei um ein vorübergehendes Phänomen oder seien die gestiegenen Inflationserwartungen gekommen, um zu bleiben. Momentan gebe es viele Gründe, die für ein temporäres Anziehen der Inflationsraten sprächen. Enorme fiskalpolitische Maßnahmenpakete wie das zu erwartende Corona-Hilfspaket der Biden-Administration in Höhe von ca. 1,9 Billionen USD, ein aufgrund der beharrlichen Lockdown-Maßnahmen in vielen Ländern aufgestauter Nachfrageschub sowie ein der zu erwartenden Erholung geschuldeter Energiepreisanstieg würden momentan die Inflationsentwicklung fördern. Die internationale Arbeitsteilung in Kombination mit einer immensen Preistransparenz sowie einer fortschreitenden Digitalisierung der Arbeitswelt würden jedoch weiterhin inflationsdämpfend wirken. Ein dauerhafter Anstieg der Inflationsraten könne daher nicht verlässlich angenommen werden.

Die US-Zentralbank habe in der Vergangenheit bereits anklingen lassen, dass sie ein vorübergehendes Anziehen der Inflation, auch über die gesetzte Zielmarke von 2% hinaus, tolerieren werde. Dies bedeute, dass dem Anstieg der Inflationserwartungen kein synchroner Anstieg des Zinsniveaus folgen werde. Dieses Szenario sei bereits jetzt in den USA zu beobachten, wo die Inflationserwartungen seit einem Jahr bereits um ca. 120 Basispunkte gestiegen seien, während sich die Renditen der 10-jährigen US-Anleihen "nur" um ca. 50 Basispunkte erhöht hätten. Dies führe dazu, dass die Realzinsen (Nominalzinsen minus Inflation) auf einem sehr niedrigen Niveau verbleiben würden und somit risikoträchtige Anlageklassen, wie die Aktienanlage, weiterhin attraktiv bleiben würden.

Unsere positive Aktienmeinung fußt anhaltend auf der Erwartung anhaltend niedriger Zinsen in Kombination mit einem anziehenden Wirtschaftswachstum, so die Analysten der National-Bank AG. Diese Kombination stelle wie oftmals betont eine "Traumkonstellation" für die globalen Aktienmärkte dar. Der Mangel an Anlagealternativen werde weiter akzentuiert und das in einer Phase steigender Unternehmensgewinne. Unsere Empfehlung lautet daher: Beibehaltung des "Risk-on"-Modus und in der Tendenz weiterer Ausbau der Aktienquote, so die Analysten der National-Bank AG. Der Haupteinflussfaktor des attraktiven Aktienumfelds - die sehr expansive Geldpolitik der wichtigen globalen Notenbanken - sei verlässlich prognostizierbar. Das geldpolitische Umfeld werde folglich noch lange vorteilhaft bleiben und damit die Rentenanlage als klassische Alternative für die Aktienmärkte weiterhin relativ unattraktiv erscheinen lassen. Temporäre Gewinnmitnahmen würden daher an der zuversichtlichen Grundhaltung der Analysten der National-Bank AG zur Aktienanlage nichts ändern. (23.02.2021/alc/a/a)