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Sustainability-Linked Bonds: "The New (Green) Kid on the Block"


16.07.21 10:15
Degroof Petercam

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Die Anleihemärkte können bei der Finanzierung und Motivation von Unternehmen, die aus ESG-Perspektive einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten wollen, eine entscheidende Rolle spielen, so Ronald van Steenweghen, Senior-Portfoliomanager Fixed Income bei Degroof Petercam Asset Management (DPAM).

Dies weiter voranzubringen, sei das Ziel von Sustainability-Linked Bonds (SLBs). Sie würden bei Anlegern zunehmend an Popularität gewinnen.

Die International Capital Market Association (ICMA) definiere Sustainability-Linked Bonds als "jede Art von Anleiheinstrument, bei dem die finanziellen und/oder strukturellen Eigenschaften, je nachdem, ob der Emittent seine festgelegten Nachhaltigkeits- bzw. ESG-Ziele erreicht, variieren können." Das Interesse an diesem aufkeimenden Markt nehme angesichts der Diversifizierungsmöglichkeiten, die er für ESG-bewusste Anleger biete, zu.

Während Emittenten von Green oder Social Bonds die Emissionserlöse für spezifische ökologische oder soziale Projekte verwenden müssten, könnten SLB-Emittenten diese weitgehend frei einsetzen. Die künftigen ESG-Herausforderungen seien so groß, dass allein der Einsatz zweckgebundener Anleihen unzureichend sei. Der erfolgreiche Wandel hin zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft und Gesellschaft erfordere Investitionen seitens aller Emittenten. Allerdings seien einige Unternehmen aus verschiedenen Gründen, wie zum Beispiel aufgrund der Art ihrer Geschäftstätigkeit oder ihrer Bilanzsumme, derzeit nicht imstande, Green Bonds zu emittieren.

Das SLB-Konzept sei nicht perfekt, es bestehe das Risiko des Greenwashings. Und da die Emissionserlöse nicht an ein bestimmtes Projekt gebunden seien, könne es zudem schwierig sein, die direkten Auswirkungen von SLBs zu messen. Wie immer sei deshalb ein tief greifendes Research eine unbedingte Voraussetzung, um das Nachhaltigkeitsprofil eines Emittenten und seiner ESG-Ziele zu bewerten. Die Überprüfung, ob die SLB Principles, die von der ICMA im Jahr 2020 veröffentlichten Leitlinien, eingehalten würden, und die Einholung etwaiger Zweitmeinungen seien hier ein erster guter Schritt.

SLBs würden bis jetzt eher ökologische als soziale Ziele verfolgen. Nach Erachten der Experten von DPAM sei dies auf die Fülle an Fachwissen, wissenschaftlichen Studien und politischen Maßnahmen im Bereich Umwelt und Klima zurückzuführen. So würden Unternehmen zunehmend Geschäftsstrategien mit einem Netto-Null-CO2-Ausstoß entwickeln, während das EU-Klassifizierungssystem zahlreiche und detaillierte Informationen über umweltfreundliche Geschäftspraktiken biete. Dies erleichtere die Entwicklung relevanter, spezifischer und überprüfbarer ökologischer "Key Performance Indicators" (KPIs) und damit die Einführung umweltbezogener SLBs. Um ein ähnliches Maß an Fachwissen über Kriterien, Praktiken etc. auch für soziale Ziele zu erreichen, seien noch stärkere Anstrengungen in diesem Bereich erforderlich.

Richtig Fahrt aufgenommen habe der SLB-Markt im Sommer 2020, als die ICMA ihre ersten Leitlinien in Form von Modulen standardisierter SLB-Rahmenwerke, die Emissionen und Investitionen erleichtern könnten, herausgebracht habe. Das sei auch der Zeitpunkt gewesen, als die EZB beschlossen habe, ausgewählte ökologische SLBs in ihre Anleihekaufprogramme aufzunehmen. Auch wenn das jährliche Wachstum der SLB-Emissionen beeindruckend sei, würden diese immer noch weniger als 2% des gesamten ESG-Anleihemarkts in Höhe von zwei Billionen Dollar darstellen. Den Löwenanteil würden Green Bonds mit mehr als 70% ausmachen. Allerdings habe der Anteil von SLBs am ESG-Anleihenuniversum im Mai 2021 sogar über 20% betragen.

Insgesamt würden die Experten von DPAM davon ausgehen, dass sowohl Green Bonds als auch SLBs weiterhin hohe Wachstumsraten verzeichnen dürften. Schließlich seien es Instrumente, die sich gegenseitig ergänzen würden. Ihre unterschiedlichen Merkmale könnten den Bedürfnissen unterschiedlicher Anleger gerecht werden. Während Green Bonds für Anleger attraktiv seien, die auf eine direkte Auswirkung grüner Projekte abzielen würden, würden SLBs eher dazu dienen, die Finanzierung insgesamt "grüner" zu machen. Es seien zwar immer noch eine größere Standardisierung und mehr Transparenz und Verlässlichkeit der wissenschaftlich fundierten externen Validierungsprozesse erforderlich, die Wachstumsaussichten für SLBs seien jedoch hervorragend. In den kommenden zwölf Monaten könnten die SLB-Emissionen um gut 100 Mrd. Dollar zunehmen. Zudem werde der Pool an ESG-bezogenen Anleihen immer größer und gewinne an Vielfalt, womit neue Möglichkeiten geschaffen würden, um auf verantwortungsvolle Art und Weise ein Vermögen aufzubauen.

Die Experten von DPAM seien überzeugt, dass die Anlage in SLBs mit aktivem Management auf der Grundlage eines spezialisierten ESG- und Anleihen-Research zahlreiche Vorteile bieten könne: Ein attraktives finanzielles Potenzial, eine größere Diversifizierung des Kreditrisikos, eine Gelegenheit, das Portfolio ökologischer zu gestalten, und schließlich Unternehmen einen Anreiz zu bieten, tatsächliche bedeutende ESG-Fortschritte zu erzielen. (16.07.2021/alc/a/a)