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Südeuropäische Staatsanleihen und asiatische Schwellenländeranleihen attraktiv


06.11.20 11:20
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Es sollte eine starke blaue Welle werden im Wahlkampf der USA und damit ein klarer, dominanter Sieg der Demokraten, so Björn Hallex, CIIA bei der Weberbank.

Es sehe bis zum Redaktionsschluss hingegen eher nach einem zarten Schwappen und einer Zitterpartie aus, als nach einer klaren Entscheidung. Wieder einmal hätten die Meinungsforscher mit ihren Prognosen danebengelegen. Spannend bleibe es bis zum Schluss. Trump habe, wie im Vorfeld bereits angekündigt, in einem sehr frühen Stadium seinen Sieg proklamiert und deutlich gemacht, worauf man sich in den kommenden Wochen einstellen werden müsse - Rechtsklagen und Streitigkeiten. In nächster Zeit würden Juristen beider Seiten den Briefwahlprozess, Stimmzettel oder Auszählungen anfechten bzw. für ungültig erklären, was zu einer allgemeinen Unsicherheit führen werde.

Ausschlaggebend seien bei dieser Wahl wieder die so genannten Swing-States, die in ihrem Wahlverhalten weder klar den Demokraten noch den Republikanern zugeordnet werden könnten. Der Sieger in diesen Bundesstaaten bekomme jedoch alle Wahlstimmen zugerechnet. Donald Trump habe hier, beispielsweise in Florida, überraschend punkten können und damit das Rennen um das Präsidentenamt offengehalten. Joe Biden habe, wie erwartet, gerade in den urbanen Regionen und bei den Briefwählern gepunktet. Aus diesem Grund sei der Ausgang noch offen. Wenn die Gerichte nicht alles kippen, werden wir ein demokratisches Weißes Haus und einen Präsidenten Joe Biden in den nächsten vier Jahren erleben, so die Analysten der Weberbank.

Durchregieren werde Biden bei einem Wahlsieg jedoch nicht können. Die Wahlen zum Kongress würden hier eine entscheidende Rolle spielen. Im Repräsentantenhaus verbleibe die Mehrheit zwar weiterhin bei den Demokraten, im Senat scheine jedoch das Kopf-an-Kopf-Rennen zugunsten der Republikaner entschieden zu werden. Somit werde ein zukünftiger demokratischer Präsident Biden nicht "ungeliebte" Gesetze gegen den Willen der Republikaner verabschieden können. Dieser gemäßigte Politikstil, der einerseits mehr Stabilität und Verlässlichkeit und andererseits auch keine Kehrtwende in vielen wichtigen Punkten der Wirtschaftspolitik ermögliche, werde von den Kapitalmärkten als positives Szenario interpretiert und habe die Kurse weltweit steigen lassen. In Summe dürften die wirtschaftsunterstützenden Faktoren überwiegen. In unseren Augen ist es jedoch zu früh, sich zu freuen, uns könnte eine wochenlange Zitterpartie bevorstehen, so die Analysten der Weberbank.

Weiter hält uns die Entwicklung der globalen Covid-19-Fallzahlen mit erstarkenden Ansteckungswellen in Europa und den USA in Atem, so die Analysten der Weberbank. Zu beobachten sei, wie unterschiedlich Entwicklungen sein könnten. So sehe man gerade im asiatischen Raum sehr niedrige Fallzahlen und damit eine stärkere wirtschaftliche Erholungsphase. Gerade China zeige eine beeindruckende Stärke. Das habe viel mit der kulturellen und gesellschaftspolitischen Einstellung zu tun.

Auch abseits der Pandemie gebe es wichtige Entwicklungen. Mit dem gerade beschlossenen neuen 5-Jahresplan möchte die zweitgrößte Volkswirtschaft mehr auf Qualität anstatt auf Quantität setzen und strebe an, das BIP-Pro-Kopf in der nächsten Dekade auf das Niveau der Industriestaaten anzuheben. Forschung und Bildung würden stärker gefördert. Zeitgleich sollten die hohen Sparquoten der chinesischen Bevölkerung durch Anreize zum Konsum reduziert werden sollen. Somit gehe China zunehmend einen eigenen Weg zur Abkopplung von Abhängigkeiten gegenüber anderen Wirtschaftsregionen und stärke damit seine Entwicklung von innen heraus.

Blicken wir wieder auf die USA und Europa, so steigen die Infektionszahlen weiter an, sodass erste Lock-Down-Maßnahmen gerade in unserer Region vollzogen wurden, so die Analysten der Weberbank. Damit werde der Pfad der wirtschaftlichen Erholung ausgebremst. Einen deutlichen Schock wie im Frühjahr erwarte man nicht. Allerdings werde das vierte Quartal zumindest für Europa wohl keinen Wachstumsbeitrag liefern können, da die Voraussetzungen für ein konsumunterstützendes Umfeld schwächer ausfallen würden. Aus diesem Grund habe die europäische Notenbank bereits angekündigt, alle unterstützenden Instrumente zu prüfen. Die Analysten der Weberbank würden den nächsten Schritt im Dezember mit der Ausweitung des Pandemie-Notfall-Ankaufprogramms erwarten, sowohl zeitlich um ein weiteres halbes Jahr, als auch im Volumen.

Auch in den USA würden die Kapazitätsauslastungen in den Krankenhäusern steigen. Erfreulicherweise sehe man in den wirtschaftlich wichtigen Regionen wie Kalifornien, Florida und New York noch keine Entwicklung wie im Frühjahr, sodass sich noch kein bremsender Faktor zeige. Wirtschaftlich unterstützen sollte, dass nach derzeitigem Stand der US-Wahlen die Forderung Bidens deutlich höherer Steuersätze, wie im Wahlprogramm angekündigt, nicht kommen werde. Aus Fiskalpolitischer Sicht dürfte der Umfang eines neuen Pandemie-Hilfspaketes ebenfalls kleiner ausfallen als ursprünglich gefordert. Wichtiger sei jedoch, dass es endlich neue Maßnahmen gebe. Der republikanische Mehrheitsführer im Senat habe hier bereits seine Unterstützung zu einem Hilfspaket angekündigt. Auch die US-Klimapolitik sollte sich ändern. Joe Biden habe bereits angekündigt, das aufgekündigte Pariser Klimaabkommen wieder zu unterzeichnen und ein neues Ziel der CO2-Reduzierung auszurufen.

Wie in wirtschaftlichen Erholungsphasen nach Rezessionen häufig zu beobachten, seien die Erwartungen der Analysten an die Gewinnentwicklung der Unternehmen zu gering angesetzt gewesen. Die Hürde für die berichtenden Unternehmen sei folglich niedrig angesetzt gewesen. So hätten über 90% der US-Unternehmen und 70% der europäischen Unternehmen die Gewinnschätzungen für das dritte Quartal übertreffen können. Damit falle die Berichtssaison besser als ursprünglich erwartet aus! Dennoch würden sich weiterhin viele Investoren vom Aktienmarkt fernhalten, da der wirtschaftliche Ausblick alles andere als gesichert sei. Kursaufschwünge würden aktuell stark von spekulativen privaten Anlegern getragen, was an den schwachen Zuflüssen im Aktiensegment festzustellen sei. Trotz der ein oder anderen punktuellen Übertreibung bei einzelnen Unternehmen sehen wir aber die mittelfristige Gesamtmarktentwicklung positiv, so die Analysten der Weberbank.

Haupttreiber der großen Welle, auf der Anleger reiten sollten, seien weiterhin die außergewöhnlichen Stützungsmaßnahmen der Staaten und Notenbanken. Unterstützt dürfte aus Sicht der Analysten der Weberbank, auch durch den beschriebenen Wahlausgang, weiterhin der amerikanische Aktienmarkt, und hier vor allem der Technologie- und Pharmasektor, sein. Weitere attraktive Anlagesegmente, die in ein breit aufgestelltes internationales Portfolio gehören, sind für uns auch südeuropäische Staatsanleihen sowie asiatische Schwellenländeranleihen, so die Analysten der Weberbank. (06.11.2020/alc/a/a)