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Südafrika: Ausgeprägte Erholung nach dem tiefen Fall


06.10.20 12:15
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Corona-Pandemie hat Südafrika dramatische Folgen gehabt, so die Analysten der DekaBank.

Die Wirtschaft des Landes sei im zweiten Quartal regelrecht zum Stillstand gekommen. Sie sei im Vergleich zum Vorquartal als Folge der Lockdowns um 16,4% geschrumpft (saisonbereinigt). Das sei eine der dramatischten Entwicklungen gewesen, die man im internationalen Vergleich habe beobachten können. Die Lockerung des Lockdowns im Sommer hätten eine Erholung mit sich gebracht. Die Einkaufsmanagerindices hätten einen deutlichen Anstieg verzeichnet. So sei das Einkaufsmanagerindex für den September sogar auf die Marke von 58,3 gestiegen, deutlich im Expansionsbereich.

Trotz der bemerkenswerten Erholung dieser Indikatoren würden die Analysten mit einer Schrumpfung der Wirtschaft in diesem Jahr von mehr als 8% rechnen. Auch im kommenden Jahr dürfte die Erholung nur einen kleinen Teil der Schrumpfung in diesem Jahr wettmachen. Mit einem Anstieg von 3,6% im Jahr 2021 dürfte es bis zum Jahr 2023 dauern, bis Südafrika das Vorkrisenniveaus erreicht habe. Das Budgetdefizit dürfte in diesem Jahr bei rund 15% des BIP liegen und die öffentliche Verschuldung auf fast 80% des BIP anschwellen lassen. Einen kleinen Lichtblick im sonst trüben Ausblick liefere die Preisentwicklung: Die Inflationsrate sei gut verankert und befinde sich in der unteren Hälfte des Zentralbankziels (3% bis 6%).

Die niedrige Inflationsrate zusammen mit dem trüben Wachstumsausblick hätten es der Zentralbank ermöglicht, den Leitzins seit Jahresanfang um 300 BP auf aktuell 3,5% zu senken. Zwischenzeitlich habe die gestiegene Risikoaversion zu einem Abverkauf des Südafrikanischen Rands geführt, der sich aber wieder leicht habe erholen können. Präsident Ramaphosa habe vom entschlossenen Krisenmanagement in der Frühphase der Pandemie profitieren können. Er dürfte versuchen, seine gestiegene Popularität zu nutzen, um seine Position zu zementieren und endlich Fortschritte bei wichtigen Reformen zu erzielen. Der Widerstand dürfte aber sehr ausgeprägt sein.

Präsident Ramaphosa habe zu Beginn seiner Amtszeit positive Signale im Hinblick auf die Korruptionsbekämpfung gesetzt, enttäusche aber bisher hinsichtlich der erwarteten Wirtschaftsreformen, die er aufgrund des Widerstands innerhalb der Regierungspartei und bei den Gewerkschaften nicht wie erhofft umsetzen könne. Ramaphosa werde zudem tiefgreifende strukturelle Reformen durchführen müssen, um das Land für ausländische Investoren attraktiver zu machen.

Große Hindernisse für das Wachstum würden die schlechte Infrastruktur und der Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften und nicht zuletzt die schwache globale Nachfrage aufgrund der Corona-Pandemie darstellen. Durch ein entschlossenes Krisenmanagement während der Corona-Pandemie habe Ramaphosa an Popularität gewonnen, die er nun zur Konsolidierung seiner Position nutzen dürfte.

Südafrika habe seit Jahren mit strukturellen Problemen zu kämpfen. Infrastrukturengpässe, unflexible Arbeitsmärkte sowie geringe Investitionen würden sich negativ auf die Wachstumsaussichten auswirken. Die Corona-Pandemie habe dem Land den letzten Stoß gegeben, um das letzte Investment-Grade-Rating durch Moody's Ende März zu verlieren. Auch Fitch und S&P seien mit Herabstufungen im April, auf nun BB (Fitch) und BB- (S&P) gefolgt. Weitere Herabstufungen dürften folgen.

Das Land habe es bisher nicht geschafft, die wachsende Anzahl an Arbeitssuchenden in die Wirtschaft zu integrieren. Die hohe Arbeitslosigkeit (Quote aktuell bei rund 30%) belaste den Staatshaushalt. Steigende Staatsausgaben bei einer schwachen Einkommensentwicklung hätten zu einer negativen Budgetdynamik geführt. Die öffentliche Verschuldung sei seit der globalen Finanzkrise von etwa 27% auf über 60% des BIP gestiegen und dürfte in diesem Jahr fast die Marke von 80% des BIP erreichen. (Ausgabe vom 02.10.2020) (06.10.2020/alc/a/a)