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Stützt die EZB bald den High Yield-Markt?


15.05.20 09:00
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Die EZB hat im Rahmen ihrer Ankaufprogramme in den vergangenen Jahren in großem Umfang Unternehmensanleihen erworben, so die Analysten von Postbank Research.

Der entsprechende Anleihebestand bei der Notenbank belaufe sich inzwischen auf 210 Mrd. Euro. Die Währungshüter würden dabei Bonds kaufen, die mindestens ein BBB-Rating aufweisen würden, also dem Investmentgrade-Bereich zuzuordnen seien. Aktuellen Berichten zufolge könnte die EZB nun dem Beispiel der US-Notenbank folgen und künftig auch Anleihen mit einer schwächeren Bonität ankaufen. Es gehe hierbei um so genannte "Fallen Angels" - das seien Bonds, deren Rating in den High Yield-Bereich herabgestuft worden sei.

Infolge der wirtschaftlichen Belastungen durch die Corona-Krise drohe vielen Unternehmen eine Verschlechterung ihrer Bonität. Durch Anleihekäufe könnte die EZB die Renditen auf einem moderaten Niveau stabilisieren, was den betroffenen Unternehmen den Zugang zum Kapitalmarkt erleichtere. Bereits heute habe die EZB "Fallen Angels" in ihrer Bilanz, da sie Anleihen nach einer Rating-Herabstufung nicht automatisch verkaufe. Dennoch würde für die EZB das Risiko von Forderungsausfällen mit dem direkten Ankauf von High Yields ansteigen, letztlich könnten die staatlichen Haushalte belastet werden. Daher sei eine solche geldpolitische Maßnahme aus finanzpolitischer Sicht nicht unproblematisch und dürfte politisch nur schwer zu vermitteln sein. (15.05.2020/alc/a/a)