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Steigende Inflation und Arbeitsmarkt im Blick


02.11.21 09:45
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Im Oktober stieg die Inflation in Deutschland auf 4,5 Prozent, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL.

In der Eurozone habe die Teuerung bei 4,1 Prozent gelegen, während sogar die Kernrate - ohne die schwankungsanfälligen Komponenten Energie und Nahrungsmittel - mit 2,1 Prozent die Zielmarke der EZB überschritten habe. Trotzdem sei die Einschätzung der Notenbank unverändert geblieben: Die derzeit höheren Inflationsraten würden weiterhin als temporäres, wenn auch längerfristiges, Phänomen betrachtet. Damit rücke der nächste EZB-Zinsentscheid am 16. Dezember in den Blickpunkt, bei dem auch neue Projektionen zu den weiteren Inflationserwartungen veröffentlicht würden. Es sei davon auszugehen, dass die bisher mit 1,7 Prozent im kommenden Jahr und 1,5 Prozent im Jahr 2023 veranschlagten Inflationserwartungen für die Eurozone nach oben angepasst würden.

Ein entscheidender Faktor für die perspektivische Inflationsentwicklung sei dabei die Entwicklung am Arbeitsmarkt verbunden mit der Frage, ob sich eine dauerhaft preistreibende Lohn-/Preisspirale entwickeln könnte. Zumindest würden Gewerkschaften schon heute die aktuell erhöhten Inflationsraten als Kernargument für steigende Tariflohnforderungen nutzen. Für Deutschland habe der jüngste Arbeitsmarktbericht erneut einen deutlichen Beschäftigungsaufbau gezeigt. Die Arbeitslosenquote sei auf 5,2 Prozent gesunken und liege damit nur noch knapp oberhalb des Vorkrisenniveaus. Die Anzahl der Erwerbstätigen sei auf 45,2 Millionen gestiegen. In Umfragen unter Unternehmen würden zudem die schon vor der Krise seit Jahren bekannten Klagen über den zunehmenden Fachkräftemangel lauter, der sich in den kommenden Jahren aufgrund demografischer Entwicklungen noch deutlich verschärfen dürfte.

Laut Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums werde die Anzahl der Erwerbspersonen in Deutschland bis zum Jahr 2060 um etwa ein Drittel sinken - unter der Annahme, dass es keine Zuwanderung gebe. Schon vor der Coronakrise hätten rund 350 von 800 befragten Berufsgruppen über Fachkräfteengpässe berichtet. 55 Prozent aller Unternehmen hätten den Fachkräftemangel als Risiko gesehen, vor allem bezogen auf die sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik), aber auch im Bereich der Gesundheitswirtschaft, bei LKW-Fahrern oder im Handwerk. Es sei davon auszugehen, dass abgesehen von akuten Engpässen vor allem strukturelle Verschiebungen dazu führen würden, dass vom Arbeitsmarkt ein anhaltender Druck auf die Preisentwicklung ausgehe. (02.11.2021/alc/a/a)