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Steht eine Zinswende bevor?


07.04.21 11:45
Fürst Fugger Privatbank

Augsburg (www.anleihencheck.de) - Mit der Inflation ist es so eine Sache: die einen fürchten sie, die anderen sehnen sie herbei, um endlich wieder zu positiven Zinsniveaus zu gelangen, so die Analysten der Fürst Fugger Privatbank.

In den vergangenen Wochen habe es gerade auf dem amerikanischen Rentenmarkt einen sehr dynamischen Anstieg der Renditen zu beobachten gewesen. Viele Marktteilnehmer würden sich daher fragen, ob dies nun endlich die Zinswende sei und ob Anleger bald wieder auf steigende Zinsen hoffen dürften.

Für Marko Behring, Leiter Asset Management der Fürst Fugger Privatbank sei die Antwort ein klares Nein: "Eine echte Zinswende ist nicht nur auf kurze, sondern auch auf mittlere Sicht unwahrscheinlich." In den verschiedenen Volkswirtschaften habe sich infolge der Corona-Krise einiges angestaut. Und die Geldpolitik der Zentralbanken müsse schließlich die gesamte Wirtschaft im Blick behalten, nicht nur die Finanzmärkte.

Konkret bedeute das für ihn: "Die Pleitewelle kleinerer und mittlerer Unternehmen beginnt zu rollen, auch wenn die zuerst ausgesetzte und dann verlängerte Insolvenzantragspflicht sie derzeit noch kaschiert. Und sie wird Spuren hinterlassen. Vor diesem Hintergrund ist es kaum vorstellbar, dass die Zentralbanken auf die Bremse gehen." Studien würden von rund 25.000 Betrieben in Deutschland ausgehen, die betroffen sein könnten - vor allem Kleinunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern und solche, bei denen bereits vor der Krise die Finanzpolster dünn waren.

Marko Behring sehe hier kein Umfeld für einen nachhaltigen Aufschwung der Anleiherenditen. Im Gegenteil: "Mit dem momentan sichtbaren Anziehen der Renditen dürfte es im Herbst dieses Jahres vorbei sein. Dann werden wir die realwirtschaftlichen Corona-Folgen zu spüren bekommen, und das könnte die Zentralbanken zum Handeln zwingen."

Gut möglich, dass bis dahin die Renditen noch ein wenig weiter steigen würden. Das seien für Behring jedoch nur vorübergehende Effekte: "In einem Umfeld, in dem die Nachwehen der Corona-Krise noch gar nicht absehbar sind, werden die großen Zentralbanken ihre ultralockere Geldpolitik kaum aufgeben. Im Gegenteil: Sollte sich die Situation eintrüben, werden Sie sogar noch weiter nachlegen."

Für Anleger bedeute dies, dass Anleihen zwar kurzfristig wieder höher rentieren würden, dieser Trend aber vermutlich nicht nachhaltig sein werde. Die große Zinswende sei jedenfalls noch nicht in Sicht. (07.04.2021/alc/a/a)