Erweiterte Funktionen

Steht ein Regimewechsel der FED bevor?


08.07.21 13:00
Edmond de Rothschild Asset Management

Paris (www.anleihencheck.de) - Allmählich zeichnet sich ein Regimewechsel ab, so die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management.

Einstweilen gebe es aber keinen Zweifel daran, dass risikobehaftete Wertpapiere weiter zulegen könnten. Selbst Staatsanleihen, die seit Jahresbeginn stark unter Druck gestanden hätten, hätten sich seit April wieder erholt - obwohl die Konjunktur große Fortschritte mache und die US-Inflation überraschend hoch gewesen sei.

Die ungewöhnliche Kombination aus Konjunkturerholung und massiven Liquiditätshilfen habe dazu geführt, dass die Märkte heute anders bewertet seien und sich generell anders entwickeln würden als sonst in solchen Marktphasen. Auch das neue geldpolitische Konzept der FED sei nicht ohne Folgen. Weil sich die US-Notenbank jetzt stärker an den tatsächlichen Konjunkturdaten statt an Prognosen orientieren will, scheinen abruptere Entscheidungen möglich, so die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management. Solange die FED aber klarstelle, dass sie bei einer expansiven Geldpolitik bleibe, funktioniere dieser Ansatz, und die Zinserwartungen würden auch weiterhin unabhängig von der Realwirtschaft sein.

Die Frage sei jetzt, ob die FED die Erwartungen genauso stark beeinflussen könne, wenn sie sich zu einem Regimewechsel, also einer strafferen Geldpolitik, entschließe. Dieser könnte nach der Offenmarktausschusssitzung am 16. Juni bevorstehen. Vor diesem Hintergrund könnte die Diskussion darüber, ob der Anstieg der Inflation vorübergehend oder dauerhaft sei, noch lange dauern. Da die FED wesentlich zur Markterholung auf dem Höhepunkt der Krise beigetragen und einen entscheidenden Anteil an den zurzeit hohen Bewertungen habe, sei dies von großer Relevanz. Auch beim neuen Konzept könnten die Zinsen schließlich sehr schnell erhöht werden, wenn der Inflationsanstieg von Dauer sei.

Im Sommer dürften Weltkonjunktur und Inflation ihren Höhepunkt erreichen, wenn auch vermutlich nur aufgrund von Basiseffekten und weil die FED wohl bald ankündige, ab 2022 ihre Liquiditätshilfen zu verringern. Bei der Inflationsentwicklung gehe es aber um mehr als Basiseffekte. Investoren müssten nach dem kurzfristigen Inflationsanstieg aufgrund von Lieferengpässen abschätzen, ob in den USA eine dauerhaft höhere Teuerung drohe, vor allem ein stärkerer Lohnanstieg. Tatsächlich würden sich US-Unternehmen schon jetzt darüber beklagen, dass sie keine Mitarbeiter finden könnten.

Die Konjunkturprognosen der Experten würden dafür sprechen, dass das Umfeld für risikobehaftete Wertpapiere auf absehbare Zeit günstig bleibe. Die Märkte könnten aber stärker schwanken, wenn die FED Investoren auf weniger Liquiditätshilfen vorbereite. Vielleicht passiere aber auch kaum etwas, weil eine solche Ankündigung allgemein erwartet werde. Dennoch könnte sie die Unruhe unter den Anlegern verstärken, wenn die Inflation überraschend hoch ausfalle. Die Experten würden deshalb damit rechnen, dass das Marktumfeld zwar grundsätzlich günstig bleibe, allerdings auch volatiler werden könne. In ihren Portfolios hätten die Experten darauf mit einer Verringerung der Risiken reagiert.

In dieser Zeit mit starkem Wachstum, größeren Inflationsschwankungen und Unklarheit über die möglichen Auswirkungen des Regimewechsels der FED gebe es keinen Zweifel daran, dass Aktien attraktiver bleiben würden als Anleihen. Da es am Aktienmarkt zurzeit vor allem auf die Faktoren ankomme, würden die Experten ein gutes Gleichgewicht zwischen Wachstum, Qualität und günstiger Bewertung weiterhin für wichtig halten. Sie würden auf die wichtigsten Wachstumsthemen setzen, die von der Krise profitiert hätten, vor allem aber auf Humankapital, Gesundheit, Big Data und die Energiewende.

Auf Länderebene würden die Experten Europa und Japan gegenüber den USA bevorzugen, da europäische und japanische Aktien in Zukunft wohl stärker von der Erholung profitieren würden, die bis Ende nächsten Jahres andauern dürfte. Chinesische Aktien, die in der ersten Jahreshälfte eher schwach waren, scheinen uns ebenfalls interessant, so die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management. Im Vergleich zu anderen Ländern sei China jetzt recht günstig bewertet. Die Behörden würden versuchen, überzählige Ersparnisse in die Finanzmärkte umzuleiten, damit nicht mit anderen Aktiva wie Bitcoins, Rohstoffen und Immobilien spekuliert werde.

Hinzu komme, dass zurzeit viel über eine straffere Geldpolitik in den USA und Europa diskutiert werde, aber in China kaum mit einer Straffung zu rechnen sei. Während der Coronavirus-Krise habe die chinesische Notenbank nämlich auf expansive Maßnahmen verzichtet. Da der chinesische Markt nicht durch große Liquiditätshilfen gestützt worden sei, könne er auch nicht unter ihrer Verringerung leiden, was in den kommenden Monaten durchaus relevant werden könne. Sicher, der Aufschwung der Weltwirtschaft gehe an China zurzeit vorbei. Die Experten würden sich aber nicht wundern, wenn die Fortschritte bei den Impfkampagnen die Konjunktur stärken und die Behörden die Regulierung wieder lockern würden, wenn sich der Finanzsektor beruhigt habe.

Anleihen seien generell weniger attraktiv. Da uns die Inflation erhalten bleibt und die FED ihre Geldpolitik normalisieren dürfte, bieten Staatsanleihen und Investmentgrade-Unternehmensanleihen weder hohe Renditen noch hohe Coupons, so die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management. Bei Inflationsängsten oder Liquiditätssorgen würden sich diese Papiere nicht als sicherer Hafen eignen.

Für weiter attraktiv würden die Experten allerdings nachrangige Finanzanleihen halten. Sie würden noch immer eine gewisse Rendite bieten und seien weniger zinssensitiv, da die Konjunkturerholung gut für den Finanzsektor sei. (08.07.2021/alc/a/a)