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Statement von Chris Iggo: Selbstbewusst, aber nicht selbstgefällig


18.02.21 12:30
AXA Investment Managers

Köln (www.anleihencheck.de) - Die Entwicklung der langfristigen Renditen ist für Anleiheinvestoren im Besonderen und für die Bewertung von Vermögenswerten im Allgemeinen von zentraler Relevanz, so die Experten von AXA Investment Managers.

Chris Iggo, AXA IM CIO Core Investments, analysiere daher die aktuelle Marktsituation und beschreibe, warum er gegenwärtig eine gewisse Hysterie wahrnehme. Die FED müsse den Märkten versichern, dass sie die Dinge im Griff habe.

Die Renditen seien gestiegen, weil es eine gewisse Reflations-Mentalität an den Märkten gebe. Diese werde durch die Wachstumserwartungen und eine größere Inflationstoleranz der Zentralbanken getrieben. Die langfristigen Zinssätze und das Gewinnwachstum seien zwei zentrale Treiber von Märkten und Anlegerstimmungen - und in den vergangenen Monaten hätten beide Faktoren das Thema 'Reflation' unterstützt. Die leichte Versteilung der US-Treasury-Kurve und die überraschend starken Gewinnmeldungen der Unternehmen hätten sich positiv auf Risikoanlagen ausgewirkt.

Nach Meinung von Iggo seien die Renditen jedoch weit davon entfernt, dem Wachstum oder der Aktienmarktentwicklung zu schaden. Die Gewinne würden steigen und langfristige Trends würden die Aktienerträge treiben. Dennoch sei erwähnt, dass es nicht die Zeit für Selbstgefälligkeit sei. Die Gesamtinflation könnte in den kommenden Monaten durchaus anziehen und Anleiheinvestoren verschrecken. Die FED müsse den Märkten daher versichern, dass sie die Dinge im Griff habe. Die Botschaft müsse lauten: Die Inflation müsste schon deutlich länger höher sein, um das geldpolitische Vorgehen zu beeinflussen.

Bei allen Gedanken rund um die Renditen, sei wichtig, dass die Zentralbanken um die Entwicklungen aus dem Jahr 2013 wissen würden. Die 10-jährige Rendite sei damals zwischen Mai und September um 140 Basispunkte gestiegen. Die Erwartung sei gewesen, dass die FED ihre Asset-Käufe zurückfahren würde. Und damals habe die FED nur etwa 20 Prozent der ausstehenden Staatsanleihen gehalten - heute seien es 34 Prozent. Die Renditen seien gestiegen, die Kreditspreads hätten sich ausgeweitet, und der Aktienmarkt habe zwischen Mai und Juni einen Rücksetzer von 6 Prozent erlitten.

Heutige Aussagen der FED würden jedoch darauf hindeuten, dass sie gut darauf vorbereitet sei, auf jegliche Markterwartungen bezüglich eines Taperings zu reagieren. Nach dem Anstieg der Renditen im Jahr 2013 seien diese erst Anfang 2015 auf das Niveau vor dem Tantrum zurückgekehrt. Eine vergleichbare Phase höherer langfristiger Renditen während unsicheren Zeiten sei heute sicherlich nicht im Sinne der FED.

Die Renditen von Staatsanleihen könnten zwar weiter steigen und die Erträge von Fixed Income-Strategien untergraben. Es sei jedoch zu bezweifeln, dass ein mehrjähriger Bärenmarkt für Anleihen drohe. Wenn die Renditen steigen würden und die Lage unruhig werde, sollte eine längere Duration in den Fokus rücken - die Renditen würden wieder sinken. Strategisch sei für langfristige Anleger wichtiger, die grundlegenden Themen nicht zu verpassen: Etwa das enorme Wachstum bei elektronischen Fahrzeugen und die Themen "Zero Carbon" und "Digital", die sich vielfach überschneiden würden. Die Welt habe einen enormen Bedarf an Technologie und erneuerbaren Energien. Dies werde noch jahrelang so bleiben. (18.02.2021/alc/a/a)