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Stabilisierung durch den Schub der Zentralbanken gestützt - Positionierung von defensiv auf neutral umgestellt


13.05.20 09:15
Unigestion

Genf (www.anleihencheck.de) - Die Makroindikatoren sind weltweit zusammengebrochen, was auf die rasche Umsetzung von Lockdowns und infolgedessen wirtschaftliche Untätigkeit in der ganzen Welt zurückzuführen ist, so die Experten von Unigestion.

So seien Schwankungen in den Makroreihen zu beobachten gewesen, wie es sie noch nie zuvor gegeben habe. Die symbolträchtigste sei wahrscheinlich die Zahl der US-amerikanischen Arbeitslosenanträge, die von durchschnittlich über 200.000 pro Woche auf einen Höchststand von 6,9 Millionen am 27. März angestiegen seien. Am vergangenen Freitag habe die US-Arbeitslosenquote 14,7% erreicht; insgesamt 20 Millionen Menschen seien damit ohne Arbeit, wenn auch die meisten von ihnen nur vorübergehend. Diese Verschlechterung der Makro-Reihen führte unsere Growth-Nowcaster schnell zu der Erkenntnis, dass die Welt vor einer globalen, durch die Lockdowns ausgelösten Rezession stand, so die Experten von Unigestion. Die USA hätten eine Standardabweichung von -2,3 erreicht, mit ähnlichen Werten für die Eurozone und das Vereinigte Königreich, während China, Thailand und Südkorea in der Region von -1 bis -1,5 bleiben würden. Unbestritten sei die Botschaft, die von diesen Werten ausgehe: Der Schock, den man derzeit erlebe, sei extrem schlimm.

Für unser Verständnis des Zusammenhangs zwischen der Makro- und der Marktdimension ist ein Kernelement wichtig: Wenn sich die makroökonomischen Bedingungen nicht weiter verschlechtern, ist es normalerweise an der Zeit, die negative Neigung für Growth-Assets zumindest zu neutralisieren: Solche Ableitungen sind in gewisser Weise wichtiger, als der absolute Level der makroökonomischen Bedingungen, so die Experten von Unigestion.

Mit dem Ende der Lockdowns dürfte eine Erholung einsetzen, aber es werde einige Zeit dauern, bis sich diese in echten Makrodaten zeige. Die Experten von Unigestion würden in drei verschiedene Richtungen schauen, um diese Stabilisierung zu erfassen:

Erstens hätten die Experten ihren "Newscaster"-Indikator entwickelt, der die in den Medien verbreiteten Einschätzungen über das Wirtschaftswachstum auswerte. In den letzten vier Wochen habe dieser Indikator Anzeichen einer Stabilisierung gezeigt. Gegenwärtig würden sich 49% dieser Daten verbessern, was bedeute, dass die Abschwächung des Wirtschaftswachstums aus Sicht der Medien vorläufig gestoppt worden sei.

Zweitens würden die Experten von Unigestion untersuchen, ob die Veröffentlichung von Makrodaten die Ökonomen eher positiv oder negativ überrasche. Am Anfang einer Phase des Rückgangs würden Ökonomen in der Regel negativ überrascht. Wenn sich diese Verschlechterung allmählich verlangsame, seien die Überraschungen tendenziell ausgeglichener, wie dies am Ende der letzten vier Makroschockperioden (2001, 2008, 2011 und 2015) der Fall gewesen sei. 45% der G10-Überraschungsindices würden sich derzeit verbessern. Auch hier zeichne sich eine Stabilisierung ab, denn vor zwei Wochen habe dieser Wert noch bei 38% gelegen.

Schließlich seien Frachtdaten, die häufiger als Standard-Makrodaten vorkämen, erwägenswert. Der Eisenbahngüterverkehr in den USA biete eine reichhaltige Quelle für Makrodaten über die Stärke der US-Inlandsnachfrage. Hier gebe es gedämpfte Anzeichen einer Stabilisierung. In den letzten zwei Wochen sei der Prozentsatz der sich verbessernden Daten von 34% auf 38% angestiegen.

Unsere Wachstums-Nowcaster zeigen derzeit, dass sich 30% der Daten verbessern: Diese Zahl wird letztendlich bestätigen, was wir anderswo sehen, so die Experten von Unigestion. Vorerst spiegele sich diese frühe Stabilisierung in den Strategien der Experten durch eine Übergewichtung von "Qualitäts-Wachstums"-Aktien wie der NASDAQ und dem SMI wider: Diese Positionierung ziele darauf ab, von dieser frühen Makrostabilisierung zu profitieren.

Diese Stabilisierung gehe mit dem Schub der Zentralbanken und Regierungen einher. Nach Meinung der Experten von Unigestion sei dies zwar nichts Neues mehr, aber es sollte weiterhin die Märkte beeinflussen, insbesondere die Märkte für Investment-Grade Credits.

Die wichtigsten Liquiditäts- und Unternehmensanleihen-Kaufprogramme der FED und der EZB seien angekündigt worden, wobei die meisten von ihnen gegen Ende März/Anfang April teilweise umgesetzt worden seien. Auffallend dabei sei, was an den Credit-Märkten geschehe: Die FED habe noch nicht mit dem Kauf von Anleihen begonnen und bereite sich derzeit auf ETF-Käufe vor. Bei den Cash-Anleihen hätten sich die Spreads jedoch rasch verengt. In den USA hätten die Spreads von Cash-Anleihen mit Investment-Grade-Rating gegenüber Staatsanleihen am 23. März einen Höchststand von 401 Basispunkten erreicht. Seither seien sie sehr rasch zurückgegangen und hätten sich bei etwa 225 Basispunkten stabilisiert. Bei europäischen Credits mit Investment-Grade-Rating sei der Höchststand am 24. März mit 243 Basispunkten erreicht worden, liege aber derzeit bei 187 Basispunkten.

In unseren Bewertungsmetriken sehen die Spread-Risikoprämien für Investment-Grade-Credits trotz dieser Spread-Verengung noch nicht teuer aus, so die Experten von Unigestion. Historische Analysen würden darauf hindeuten, dass die 12-Monats-Forward-Rendite nach einem solchen Niveau mit einer Trefferquote von über 70% positiv gewesen sei. Wenn die FED schließlich damit beginne, Anleihen ohne Rücksicht auf den Preis zu kaufen, würden durch die Auswirkungen diese Spreads weiter reduziert. Die Experten sähen hier eine bemerkenswerte Konstellation, von der Bewertung bis zur Nachfrage im Investment-Grade-Bereich. Sobald die Primärmarkt-Kreditfazilität (PMCCF) für neue Anleihe- und Darlehensemissionen und die Sekundärmarkt-Kreditfazilität (SMCCF) für Unternehmen tatsächlich damit beginnen, den Credit-Märkten Liquidität zur Verfügung zu stellen, sollten wir eine zweite Welle der Spread-Kompression erleben, so die Experten von Unigestion. Auch hier komme es unabhängig von der Höhe dieser Interventionen darauf an, dass die Spreads enger würden.

Die letzten Elemente, die Anzeichen einer Bodenbildung zeigen würden, seien schließlich die Marktstimmung und die Bewertungen. Erstens hätten die meisten Anleger laut Umfragedaten ihr Aktienengagement verringert. Die AAII-Umfrage zur US-Anlegerstimmung zeige, dass 50% der Befragten derzeit bärisch seien, was tatsächlich sehr nah am Durchschnitt des Monats April (47%) liege. Die verschiedenen Beta-Messwerte, die die Experten betrachten würden, würden eine Stabilisierung der Aktienpositionierung bei vielen Arten von Anlegern zeigen - sowohl bei systematischen als auch bei diskretionären. Da viele Privatanleger nach wie vor einen großen Anteil an Bargeld halten würden, dürfte dies den Märkten eine Art "Buy-the-Dip"-Psychologie einflößen, die auch in Zukunft wachstumsorientierte Anlagen unterstützen könnte.

Zudem seien die Anleger heute viel klarer positioniert als zu Beginn der Krise: Sollten die Märkte eine weitere Runde von Kursverlusten durchlaufen, dürfte dies dazu beitragen, das Ausmaß des Abschwungs abzufedern - was angesichts sich wieder verschärfender geopolitischer Spannungen bemerkenswert sei. Schließlich zeigt die Bewertung von Growth-Assets durch unsere Indikatoren ein konsistentes Muster: Sie haben sich von teuren (Januar-Februar 2020) in billige Regionen (März-April) verlagert, sind allerdings auch nicht attraktiver geworden, so die Experten von Unigestion.

Unsere Schlussfolgerungen aus der Entwicklung dieser drei Faktoren (Makro/Sentiment/Bewertung) lauten daher wie folgt: Die Lage ist insgesamt schlecht, aber wir glauben, dass es an der Zeit ist, sich auf die Richtung der Trends zu konzentrieren, so die Experten von Unigestion. Aus diesem Grund hätten die Experten ihre Positionierung von defensiv auf neutral umgestellt. Diese neutrale Haltung bekomme gegenwärtig durch die Übergewichtung von Spreads im Investment-Grade-Bereich, "Qualitätswachstum"-Aktien und Schwellenländeraktien eine positive Note, sodass sie die derzeitige Einschätzung der Experten bestmöglich widerspiegele. (Ausgabe vom 12.05.2020) (13.05.2020/alc/a/a)