Staatsanleiherenditen müssen Inflationsanstieg verarbeiten


09.04.18 13:00
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank hat zu Beginn des Jahres die Anleihekäufe zurückgefahren und - wie allgemein vermutet - erfolgte ein Renditeanstieg bei Staatsanleihen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Mit dem von den Analysten erwarteten Ende der Netto-Anleihekäufe gegen Ende dieses Jahres ergebe sich somit weiteres Aufwärtspotenzial ("flow-effect"). Allerdings dürfe nicht unterschätzt werden, wie stark auch der inzwischen hohe Bestand an Anleihen in Hand der Notenbank das Renditeniveau dämpfe ("stock-effect"). Laut einer Untersuchung der EZB stünden aktuell weniger als 10% der deutschen Bundesanleihen für private Investoren zur Verfügung. Der überwiegende Teil werde von Notenbanken gehalten.

Im Laufe dieses Jahres werde sich aufgrund der EZB Käufe und der Emissionstätigkeit Deutschlands (Budgetüberschuss) das Angebot sogar weiter verknappen. Aus Sicht der Analysten bleibe daher die Laufzeitenprämie (Abgeltung für die Bindungsfrist des Kapitals und der damit einhergehenden Unsicherheiten) noch für lange Zeit nach unten gedrückt. Ein guter Teil der erfolgten und erwarteten Aufwärtsbewegung für deutsche Staatsanleihen erkläre sich durch den Anstieg der längerfristigen Zinserwartungen. Da letztere wohl kaum in den Himmel wachsen würden, drohe mit dem absehbaren Ende der Anleihekäufe kein Emporschießen der deutschen Staatsanleiherenditen. Vielmehr sei ein moderater Aufwärtstrend wahrscheinlich.

Laut Projektionen vom 21. März halte es eine (knappe) Mehrheit der FOMC-Mitglieder für angemessen, den Leitzins bis Ende 2018 um in Summe 75 Basispunkte anzuheben. Die Analysten würden aber davon ausgehen, dass der erwartete Inflationsanstieg in den nächsten Monaten dazu führen werde, dass am Ende in Summe 100 Basispunkte an Zinsanhebungen stehen würden. Zudem würden die Währungshüter davon ausgehen, den Leitzins bis Ende 2020 deutlich stärker anheben zu müssen, als dies aktuell vom Markt erwartet werde. Der Markt dürfte über die nächsten Quartale peu á peu auf die FED-Linie einschwenken. Der Aufwärtsdruck auf die Rendite amerikanischer Staatsanleihen dürfte damit aufrecht erhalten bleiben.

Hinzu komme, dass sich das Angebot an langlaufenden Staatsanleihen über die nächsten Quartale angesichts zum einen des Abbaus des Anleiheportfolios der FED sowie zum zweiten durch ein stark steigendes Emissionsvolumen erheblich erhöhen werde. Die Analysten würden einen Renditeanstieg auf Sicht der nächsten zwölf Monate daher weiter für das wahrscheinlichste Szenario halten. Besonders ausgeprägt dürfte der Renditeanstieg am langen Ende im zweiten Quartal ausfallen, also dann, wenn die Inflationsrate deutlich nach oben drehe. (Ausgabe Q2/2018) (09.04.2018/alc/a/a)