Staatsanleihen bleiben gut unterstützt


02.07.18 10:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wirkungsgleich! An diesem Wort scheiden sich die Geister, so die Analysten der Helaba.

Bundesinnenminister Seehofer wolle von seinem Amt zurücktreten, da die EU-Verhandlungsergebnisse von Kanzlerin Merkel im Asylstreit nicht den Forderungen der CSU nach verlangten Grenzkontrollen und Zurückweisung an der Grenze entsprechen würden.

Heute um 16 Uhr wolle er noch einmal ein Gespräch mit Merkel in Berlin führen. Sollte es keine Verständigung mit der CDU geben, werde Seehofer innerhalb von drei Tagen von seinen Ämtern als Minister und Fraktionschef zurücktreten. Warum er die gereichten Hände und vorgeschlagenen Kompromisse nicht angenommen habe, bleibe sein Geheimnis. Bei genauerer Analyse könne man natürlich die Verschärfung der europäischen Asylpolitik als Mogelpackung einstufen. Unter Einbindung von UN-Organisationen sollten in verschiedenen Ländern Nordafrikas und der EU Sammellager gebaut werden. Von dort sollten Flüchtlinge auf andere Länder auf freiwilliger Basis verteilt werden. Das klinge nach Lippenbekenntnissen, nicht aber nach einem richtigen Plan. Aber zumindest sei in festgefahrene Verhandlungen Bewegung gekommen und der Wille für eine europäische Lösung erkennbar. Nationale Alleingänge würden an dieser Stelle nur schaden.

Unterdessen habe US-Präsident Trump seine verbalen Attacken im Handelsstreit gegenüber Europa nochmals verschärft. Die EU sei möglicherweise so schlimm wie China, nur nicht so groß, habe er in einem Interview mit Fox News gesagt. Im Juli werde die Prüfung abgeschlossen, ob auf Autos aus Europa höhere Zölle erhoben würden. Die asiatischen Aktienbörsen würden mit mehr oder weniger deutlichen Kursabschlägen reagieren. Der Rückgang des chinesischen PMI-Index in der Industrie habe sich von 51,9 auf 51,5 Punkte abgeschwächt und trage nicht zur Stimmungsaufhellung bei.

In Europa hätten Konjunkturdaten dagegen kaum Beachtung gefunden. Die Inflation in der Eurozone sei nach ersten Schätzungen im Juni wie erwartet auf 2% gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Im Kern sei sie dagegen wieder auf 1% gefallen. Neue Erkenntnisse für den weiteren geldpolitischen Kurs der EZB würden sich aus den Zahlen nicht ableiten lassen.

Trotz leichter Entspannung an den Aktienmärkten seien Staatsanleihen gut unterstützt geblieben. Bundesanleihen hätten anfängliche Kursverluste wieder wettgemacht. Trotz etwas höherer Risikobereitschaft habe der Sicherheitsaspekt immer noch im Vordergrund gestanden. Unter Druck geraten seien kurze Fälligkeiten nach Meldungen, Ankäufe der Notenbank und Ersatz fällig werdender Anleihen sollten künftig überwiegend in längere Laufzeiten umgelenkt werden. Die Zinsstruktur zwischen 10- und 30-jährigen Bundesanleihen sei um 3 BP auf 72 BP abgeflacht. 10-jährige Bonds aus Frankreich (0,66%) und Belgien (0,68%) hätten gegen Bunds 2 bzw. 3 BP gutgemacht.

Anleihen der EU-Peripherie hätten ihre Erholung mit abnehmender Risikoaversion fortgesetzt. Die Fortschritte im Asylstreit auf europäischer Ebene hätten vor allem BTPs geholfen. Der Risikoabstand 10-jähriger italienischer (2,67%) und portugiesischer Bonds (1,77%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 13 bzw. 5 BP ermäßigt, spanische Anleihen (1,31%) hätten gegen Bunds 4 BP aufgeholt.

Am US-Bondmarkt hätten sich die Renditen zum Halbjahresultimo kaum von der Stelle bewegt. Konjunkturdaten hätten keine einheitlichen Vorgaben geliefert. Der Einkaufsmanagerindex aus Chicago (64,1 nach 62,7) sei überraschend deutlich gestiegen, das endgültige Michigan Sentiment (98,2) habe leicht enttäuscht. Der Preisindex für Konsumausgaben sei im Kern auf 2% und damit das höchste Niveau seit sechs Jahren gestiegen. Der Renditeabstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe sich auf 24 BP verringert. In Fernost würden US-Treasuries angesichts negativer Vorgaben von den asiatischen Aktienbörsen gut behauptet tendieren.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt (162,42) habe 12 Stellen zugelegt, Bobl (132,12) und Schatz (112,08) seien 2 bzw. 4 Ticks niedriger aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,30% gefallen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 97 BP verringert. 10-jährige US-Treasuries würden einen BP niedriger bei 2,85% rentieren. Der Euro verharre bei 1,165 Dollar, der Preis für das Barrel Öl steige auf 73,4 Dollar.

Zu Beginn des zweiten Halbjahres gehe der Blick über den großen Teich. Dort würden die Märkte am Mittwoch wegen des Nationalfeiertages geschlossen bleiben und viele würden die Gelegenheit für einen Kurzurlaub nutzen. Zuvor liefere der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe (58 nach 58,7) ein Stimmungsbild für die Industrie. In der Eurozone würden die vorläufigen Vergleichsdaten (55) durch Zulieferungen aus Spanien (53 nach 53,4) und Italien (52 nach 52,7) finalisiert. Die Arbeitslosenquote im Euroraum (8,5%) und der Einkaufsmanagerindex in der Industrie Großbritanniens (54,2 nach 54,4) würden den Wochenauftakt komplettieren. Auftragseingänge, Produktionszahlen sowie Stimmungsberichte der Dienstleister würden den Bogen bis zum US-Arbeitsmarktbericht am Freitag spannen. Stärker steigende Löhne könnten hier den Fokus wieder auf die Notenbank lenken.

Am Primärmarkt stocke Österreich am Dienstag 10- und 19-jährige Bonds auf, in der zweiten Wochenhälfte stünden Auktionen aus Spanien und Frankreich auf der Agenda. Großbritannien biete zur Wochenmitte 10-jährige Gilts im Volumen von 2,5 Mrd. GBP an. (02.07.2018/alc/a/a)