Erweiterte Funktionen

Staatsanleihen: Zurückhaltung bei deutschen und französischen Papieren


04.05.21 11:15
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Die alte Börsenweisheit legt nahe, mit steigenden Außentemperaturen die Aktienquote im Portfolio zu senken, so Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H. (Raiffeisen KAG).

Tatsächlich lasse sich anhand historischer Daten zeigen, dass das im Mai beginnende Halbjahr an den Aktienmärkten im Schnitt etwas schwächer verlaufe als die kalte Jahreszeit. Die Geschichte zeige aber auch, dass dieses Phänomen nicht jedes Jahr auftrete und dass die Abweichungen in Einzeljahren eklatant ausfallen könnten. Somit sei diese sogenannte Saisonalität ein netter Aufhänger für einen Marktkommentar, als Entscheidungsregel für reale Portfolios aber unbrauchbar.

Relevanter seien beispielsweise Wirtschaftsdaten. Dort hätten sich zuletzt vor allem die Frühindikatoren zu neuen Höhen aufgemacht. Umfragen würden auf eine breit gefasste Überzeugung hindeuten, dass Impfen eine schrittweise Öffnung und so eine nach und nach eintretende Erholung der Wirtschaft ermöglichen werde. Damit in Zusammenhang stünden die Unternehmensgewinne. Dieser ganz wesentliche Treibstoff für die Aktienmärkte weise in diesem Jahr eine besonders hohe Oktanzahl auf. Von der niedrigen Basis des letzten Jahres würden die Gewinne kräftig, im zweistelligen Bereich, ansteigen. Dieser fundamentale Teil der Analyse, Konjunktur und Unternehmen, präsentiere sich somit bombenfest. Hinsichtlich Anlegerstimmung, Positionierung und Markttechnik sei zuletzt aber die eine oder andere Ampel von Grün auf Gelb gesprungen. Großer Optimismus vieler Marktteilnehmer mahne professionelle Anleger zur Vorsicht. Und wenn Märkte innerhalb ihres Aufwärtstrends noch einmal beschleunigen würden, dann könne das ebenfalls als Warnzeichen dienen. Insgesamt würden die Indikatoren nach wie vor eine positive Beurteilung für die Aktienmärkte ergeben.

Bei Euro-Staatsanleihen - vor allem bei französischen und deutschen Papieren - würden die Experten der Raiffeisen KAG weiterhin zurückhaltend bleiben. Ausgenommen seien italienische Staatsanleihen, die die Experten der Raiffeisen KAG neutral sähen. Schwellenländer-Hartwährungsanleihen würden die Experten der Raiffeisen KAG im Vergleich zu globalen Staatsanleihen (vor allem aus den USA und aus Japan) für chancenreicher halten.

Euro-Unternehmensanleihen (Non-Financials) würden die Experten der Raiffeisen KAG gegenüber Euro-Staatsanleihen als die bessere Wahl betrachten. Ebenso gegenüber anderer Euro-Non-Sovereign-Anleihen (Quasi Government, Collateralized Bonds). Der von den Experten beobachtete und erwartete kurzfristige Newsflow sollte diese Anleiheklasse weiter unterstützen.

Die internationalen Aktienmärkte hätten in den letzten Wochen weiter zulegen können, wobei die Gewinnerliste dabei von zyklischeren Marktsegmenten angeführt werde. Diese Entwicklung werde vor allem durch die positiven Gewinnrevisionen sowie den Impffortschritt unterstützt. Kurzfristig würden verschiedene Stimmungsindikatoren zwar zu Vorsicht mahnen (überkaufte Marktsituation), dennoch würden die Experten der Raiffeisen KAG auf mittlere Sicht ein unverändert positives Kapitalmarktumfeld erwarten.

Auch bei Aktien aus den Emerging Markets sei ersichtlich, dass die Bewegung aktuell sehr stark von zyklischen Sektoren getrieben sei. So seien Grundstoffwerte in diesem Jahr die klaren Gewinner. Die Experten der Raiffeisen KAG würden davon ausgehen, dass auch die kommenden Monate von zyklischen Aktiensektoren getragen würden. Beim Gewinnwachstum sei erkennbar, dass die Regionen Lateinamerika und Osteuropa, deren Unternehmen besonders von der Krise getroffen gewesen seien, jetzt sehr stark aufholen würden.

Die Rohstoffmärkte würden sich in diesem Jahr weiterhin von der starken Seite zeigen. Aktuell würden immer stärker Angebotsthemen in den Vordergrund treten und die zyklischeren Marktsegmente unterstützen. In diesem sehr freundlichen Marktumfeld, mit steigenden Renditen in den USA, hätten sich Edelmetalle hingegen schwächer präsentiert. (04.05.2021/alc/a/a)