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Staatsanleihen: Normalisierung der Geldpolitik findet bei Anlegern langsam Beachtung


09.03.18 07:30
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Gerade in volatilen Zeiten - Anfang Februar haben wir die stärkste Korrektur seit zwei Jahren gesehen - ist es wichtig, den Blick fürs Wesentliche zu behalten, so die Experten von Raiffeisen Capital Management.

Für den mittelfristigen Ausblick seien vor allem die Fundamentaldaten (Wirtschaftswachstum, Unternehmensgewinne) als Treiber für die Marktentwicklung relevant. Diese sind unverändert positiv, weshalb die Experten von Raiffeisen Capital Management an ihrer positiven Einschätzung von Aktien festhalten. Zusätzlich würden sie die Abkühlung der zuvor überhitzten Anlegerstimmung sowie die Normalisierung einiger "übergekauften" Kapitalmarktindikatoren als positiv erachten. Unverändert würden die Analysten stärker auf Aktien aus der Eurozone setzen, weil hier nach der schwachen Entwicklung der letzten Monate Aufholpotenzial bestehe. Anleiheseitig würden sie nach wie vor Inflation-Linkers favorisieren.

Aufgrund weiterhin positiver Wirtschaftsdaten und eines anziehenden Inflationsausblicks würden Marktteilnehmer verstärkt beginnen, die schlussendliche Normalisierung der Geldpolitik in Betracht zu ziehen. Dementsprechend seien deutsche wie US-amerikanische Staatsanleiherenditen zuletzt deutlich angestiegen. Renditen europäischer Peripherieanleihen hätten sich allerdings kaum bewegt, was als Zeichen eines weiterhin optimistischen Kapitalmarktausblicks gelesen werden könne. Schwellenländer-Bonds hätten je nach Klasse (Hartwährung oder Lokalwährung) unterschiedliche Entwicklungen gezeigt.

Während die absolute Bewegung der Anleiherenditen zwischenzeitlich nach oben gerichtet gewesen sei, habe der erhöhte Risikoappetit der Investoren dazu geführt, dass sich die Renditeaufschläge zahlreicher Assetklassen gegenüber den sichersten Staatsanleihen, wie z.B. dem deutschen Bund, wieder spürbar reduziert hätten. Insgesamt seien die Renditen auf den Creditmärkten damit in etwa auf dem Stand von vor einem Monat. Selbst das Aufflammen der Aktienmarktvolatilität habe sich bei den üblicherweise sensiblen High Yield-Anleihen nur sehr verhalten bemerkbar gemacht. Eine gewisse Bodenbildung auf sehr niedrigen Niveaus zeichne sich allerdings ab.

Anfang Februar hätten die globalen Aktienmärkte deutlich korrigiert. Als Auslöser seien die gute Konjunktur, steigende Inflationszahlen und die Wahrscheinlichkeit von rascheren und umfangreicheren Rücknahmen des "Quantitative Easing" zu nennen. Die Korrektur habe gleichzeitig zu einem deutlichen Anstieg bei den impliziten Volatilitäten (VIX) geführt und damit einige Investoren auf dem falschen Fuß erwischt, die auf eine weiterhin niedrige Volatilität gesetzt hätten. Innerhalb der Sektoren habe eine Sektorrotation eingesetzt. Insbesondere IT-Unternehmen hätten in diesem schwachen Umfeld positiv hervorgestochen, Energietitel hätten unter dem rückläufigen Ölpreis gelitten.

Die Korrektur vom letzten Monat sei auch an den Emerging Markets-Aktien nicht spurlos vorbeigegangen. Interessant sei dabei, dass nicht wie in derartigen Phasen sonst üblich, eine Underperformance der Schwellenländer stattgefunden habe, sondern diese sich im Gleichklang mit den entwickelten Märkten bewegt hätten. Die Bewertung in den verschiedenen Regionen sei zwar angestiegen, bleibe aber im Vergleich - etwa zum US-Aktienmarkt - weiterhin verhalten. Mit größtem Abstand die niedrigste Bewertung sei dabei in der Region Osteuropa zu finden, was wohl mit der politischen Unsicherheit (Stichwort: Russland) zusammenhänge. (Ausgabe vom 08.03.2018) (09.03.2018/alc/a/a)