Erweiterte Funktionen

Staatsanleihen: Neutrale Beurteilung für die US-Duration, negative Beurteilung für Deutschland


06.10.20 09:00
Eurizon Asset Management

Luxembourg (www.anleihencheck.de) - Seit der Lockerung der im März und April 2020 beschlossenen Lockdown-Maßnahmen haben die Wirtschaftsdaten die Erwartungen systematisch übertroffen, so die Experten von Eurizon Asset Management.

Von nun an werde es schwieriger sein, besser als vom Markt prognostiziert abzuschneiden. Denn die Stimmung hat sich insgesamt aufgehellt, Regierungen und Zentralbanken scheinen keine weiteren expansiven Maßnahmen zu planen, und schließlich werden die neuen Lockdown-Maßnahmen, so selektiv sie auch sein mögen, die Erholung bremsen, so die Experten von Eurizon Asset Management.

US-Technologietitel würden in der Zeit der Coronavirus-Pandemie einen starken Aufschwung erleben und die Aufmerksamkeit der Anleger erregen. Angesichts der Blase von 2000 würden diese sich jedoch fragen, ob die Entwicklung von Dauer sein werde. Dabei halte die absolute Vormachtstellung der New Economy seit 30 Jahren an. Die Coronavirus-Krise sei nichts weiter als ein Beschleuniger dieser Entwicklung.

Vergleiche mit der Blasenbildung von 2000 seien 20 Jahre später also ausgesprochen unangemessen. Im Jahr 2000 hätten die TMT-Werte (Technologie, Medien und Telekommunikation) einen Anteil von 40% am S&P 500-Index erreicht, so viel, wie sie auch heute wiegen würden. Aber damals hätten sie nur 22% der Gesamtgewinne erwirtschaftet. Ihre Gewichtung sei somit übertrieben gewesen.

Seit 2009 lasse sich die Vorherrschaft der TMT-Werte sehr gut dadurch erklären, dass sie mittlerweile in der Lage seien, Gewinne zu erwirtschaften. Ihre Gewichtung innerhalb des Index und ihr Anteil an den erwirtschafteten Gewinnen seien Hand in Hand gegangen. Und: Die Coronavirus-Pandemie habe gezeigt, dass die Technologiebranche immer gewinne, auch wenn alle eingesperrt seien.

Der mittelfristige Ausblick gehe angesichts der expansiven Fiskalpolitik und der gegenwärtigen Zinssätze von einer Fortsetzung des weltweiten Aufschwungs aus. Kurzfristig gesehen seien jedoch die Virusausbreitung, die ausbleibende Makrobeschleunigung im vierten Quartal 2020 und die US-Wahlen die Themen, die Anleger im Blick behalten sollten. Die gegenwärtige Phase werde hierdurch in die Länge gezogen. Nach der raschen Erholung stelle sie für die Märkte einen Übergang dar. Wir behalten eine leicht prozyklische Positionierung bei, wobei wir Spread-Anleihen übergewichten und Aktien weiterhin mit neutral beurteilen, so die Experten von Eurizon Asset Management. Die US-Duration werde ebenfalls mit neutral beurteilt, deutsche Anleihen würden untergewichtet.

Staatsanleihen: Neutrale Beurteilung für die US-Duration, negative Beurteilung für Deutschland und die Quasi-Core-Staaten. Die neutrale Bewertung für die US-Duration und die negative Beurteilung für Bundesanleihen und die Anleihen der Quasi-Core-Staaten der Eurozone werde bestätigt. Die Übergewichtung für Non-Core-Titel der Eurozone werde ebenfalls bestätigt.

Anleihen-Spreads: Die Spread-Märkte würden bei gleicher relativer Gewichtung von Investment Grade, High Yield und Schwellenländern übergewichtet bleiben.

Aktien: Angesichts der vorübergehenden Unsicherheiten (Virusausbreitung, ausbleibende Makrobeschleunigung im vierten Quartal, US-Wahlen) und einer bereits raschen Erholung der Märkte in den vergangenen Monaten werde eine neutrale Positionierung bei den Aktien beibehalten. Es gelte weiterhin die folgende geografische Präferenz: (1) USA, (2) Schwellenländer, Japan, Europa, (3) Pazifik ohne Japan.

Währungen: Die Beurteilung für den US-Dollar werde von negativ auf neutral angehoben. Dies geschehe vor dem Hintergrund der folgenden Überlegungen: Nach der Abschwächung der vergangenen Monate scheine der Dollar-Euro-Wechselkurs im Einklang mit der Zinsdifferenz zwischen den USA und der Eurozone zu stehen; die Federal Reserve scheine zögerlich zu sein, neue expansive Maßnahmen zu ergreifen und die EZB habe angesichts einer zu raschen Aufwertung des Euro erste Bedenken geäußert. Die übrigen Währungen würden mit neutral beurteilt. (06.10.2020/alc/a/a)