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Staatsanleihen Eurozone: Entspannung in Italien - Geldpolitische Rahmenbedingungen weiter stützend


04.10.18 09:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Am Euro-Staatsanleihemarkt liegt der Fokus der Marktteilnehmer weiterhin auf Italien, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Seit der Regierungsumbildung im Mai erweise sich die Risikoprämie (10J vs. DE) italienischer Staatsanleihen als Spielball der Politik und der Nachrichtenlage. Sie notiere mit deutlich über 200 Basispunkten wesentlich höher als zu Jahresbeginn. Dies sei primär auf die spezifische Risikoprämie zurückzuführen. Diese spiegele die erhöhte Unsicherheit bezüglich der Fiskalpolitik der neuen Regierung wider. Allerdings bleibe auch die systemische Risikoprämie noch deutlich erhöht. Diese preise das implizite Währungsrisiko eines möglichen Euro-Austritts.

Die Analysten der RBI würden aber nicht erwarten, dass es aufgrund der italienischen Budgetpläne zwischen Rom und Brüssel zur Eskalation komme, die in eine systemische Vertrauenskrise der Eurozone münde. Zum Jahresende würden die Analysten daher eine Normalisierung dieser systemischen Risikoprämie erwarten. Darin sähen sie einen wesentlichen Treiber für den Rückgang der italienischen Risikoprämie als Ganzes.

Ende des Jahres dürfte sich die Risikoprämie der 10-jährigen Laufzeit bei ca. 215 BP einpendeln. In den kommenden Quartalen sollte sie sich dann sukzessive ihrem fundamental fairen Wert annähern. Bei einem moderat angehobenen Defizitpfad (ca. 2% in 2019) sehen wir diese im Q1 2019 bei ca. 200 BP, so die Analysten der RBI. Dies wäre allerdings immer noch eine der höchsten Risikoprämien innerhalb der Eurozone. Darin spiegele sich die Erwartung der Analysten der RBI wider, dass mit der neuen Regierung die strukturellen Schwächen fortbestehen würden. Die Risikoprämie bilde dabei aber nicht nur die Schuldentragfähigkeit ab, sondern beinhalte auch eine politische Risikoprämie. Diese dürfte mit der Zeit wieder zunehmen. Denn angesichts der fragilen Regierungskonstellation würden Neuwahlen stets eine Gefahr bleiben.

Das Ansteckungsrisiko für andere Euro-Staatsanleihen, insbesondere Spanien und Portugal, sähen die Analysten der RBI als begrenzt an. Italien werde bisher als weitgehend isoliertes Risiko gepreist. Die Risikoprämien der übrigen Euroländer würden sich deutlich weniger sensitiv gegenüber den Veränderungen der Risikoprämie Italiens als in der Vergangenheit erweisen. Insgesamt sehen wir Risikoprämien der Euro-Staatsanleihen in einer Seitwärtsphase, so die Analysten der RBI. Diese sollte sich in den kommenden Quartalen fortsetzen. Einerseits sähen die Analysten keine Gründe für ein deutliches Unterschreiten der aktuell fairen Niveaus. Andererseits würden mehrere dämpfende Faktoren einen dauerhaften Ausbruch nach oben verhindern. So sei vor dem Hintergrund verbesserter Finanzierungsstrukturen und solider Wachstumsdynamik der Ratingtrend der Euroländer weiterhin positiv. Zudem bestehe seitens der EZB eine anhaltende Nachfrage. Die Reinvestitionen der Anleihebestände würden 2019 im Schnitt EUR 15 Mrd. pro Monat ausmachen. Verstärkt werde diese Nachfrage weiterhin durch regulatorische Anforderungen und die enorme Überschussliquidität im Bankensystem.

Auf ein bis vier Monate empfehlen wir daher die Risikoprämie der Kernländer (FR, AT) zu halten, so die Analysten der RBI. Auch die für kleinere Emittenten (SK, SI, IE, PT) bleibe ihre Empfehlung auf "halten". Aktuell sehen wir neben Italien nur bei der spanischen Risikoprämie kurzfristig gewisses Abwärtspotenzial, so die Analysten der RBI. (Ausgabe 4. Quartal 2018) (04.10.2018/alc/a/a)